oder lassen , was sie will , du tadelst alles . Und ich weiß , wie peinlich ihr das ist und wie großen Wert sie auf dein Urteil legt . « Mit diesen Worten stellte Maria eine Tasse Tee vor den Grafen hin , der sich in einen Lehnstuhl neben dem Tische niedergelassen hatte . Er warf einen seltsamen , fast drohenden Blick auf sie , senkte ihn aber rasch , als er in den Zügen seiner Tochter der völligsten Unbefangenheit begegnete . Wolfsberg galt noch jetzt , da er sich in der zweiten Hälfte der Vierzig befand , für einen den Frauen gefährlichen Mann . Er war mittelgroß , von schlanker und geschmeidiger Gestalt , ein berühmter Reiter und Jäger . Einer gewissen kühlen und würdevollen Zurückhaltung in seinem Wesen verdankte er den Ruf großer Verläßlichkeit , der ihm zahlreiche Freunde erwarb . Seine Erziehung hatte er , früh verwaist , in Deutschland , bei Verwandten seiner verstorbenen Mutter , im Sinne des Wortes - genossen . Mit einer außerordentlichen Bildungsfähigkeit begabt , war er mühelos ein guter Student gewesen , und es blieb auch später sein Ehrgeiz , jeden seiner Erfolge für einen spielend errungenen gelten zu lassen . » Ich nehme das Leben nicht ernst « , sagte er oft und machte dazu eine beinahe finstere Miene . Eines aber gab es in diesem Leben , das er dennoch ernst nahm , und das war seine Tochter und das Glück , das er ihr bereiten wollte in Gegenwart und Zukunft . » Maria « , begann er , » es hat sich heute jemand um die Erlaubnis bei mir beworben , unser Haus besuchen zu dürfen . Du wirst wohl erraten wer ? « Sie lächelte ihn freudig an : » Felix Tessin . « » Tessin ? - du scherzest . « » Es war nicht meine Absicht « , erwiderte Maria und senkte bestürzt die Augen . » Wie ? Du könntest glauben , daß ich Tessin angehört hätte , wenn er mir mit einer solchen Zumutung gekommen wäre ? « » Warum nicht ? « fragte sie zögernd , und ihr Vater antwortete mit der offenbaren Absicht , sich nicht in Erörterungen einzulassen : » Du solltest wissen , was ich von ihm halte . « » Nun , recht viel . - Ein so geistvoller , begabter Mensch , dem du selbst eine schöne Zukunft voraussagst . « » Das heißt , ich glaube , daß er so ziemlich alles erreichen dürfte , was er anstrebt . Er ist ehrgeizig und klug , jagt hohen , aber nicht unerreichbaren Zielen nach und kann um so leichter ankommen , da er sich wenig Skrupel macht in der Wahl seiner Mittel . « » Vater ! « » Nun ? « » Das wäre ja schrecklich . « Er zuckte die Achseln . » Tessin hält sich gewiß , wie heutzutage so mancher , für einen , der jenseits von Gut und Böse steht . Ein so ungewöhnlicher Mensch , so bezaubernd in seiner dunkeln Manfred-Schönheit , so verwöhnt von den Frauen . « Der Graf sprach gelassen und spöttisch , ohne daß es im geringsten schien , als ob er seine Tochter beobachte , und las doch in ihren bewegten Zügen , was ihn peinlich überraschte - daß er ein wenig spät kam mit seiner Warnung . Es galt mehr , als einen flüchtigen Eindruck verwischen , es galt eine Empfindung entwurzeln , weh tun . Den Ellbogen auf den Tisch und die Hand an Stirne und Wange lehnend , fuhr er ernsthaft fort : » Wenn Tessin nicht ein Verwandter - « der Freundin deiner Mutter , wollte er sagen , brachte es aber nicht über die Lippen , » der Fürstin Alma wäre , hätte ich verhütet , daß er dir vorgestellt werde . Indessen hat sie es mir schwer genug gemacht , ihn , außer bei offiziellen Empfängen , von denen ich einen Botschaftsrat nicht ausschließen kann , von meinem Hause fernzuhalten . Die gute Fürstin wird eine Schwäche für ihn nicht los ; sie vergißt nie , daß sie sein Jugendtraum gewesen ist , seine erste und letzte ideale Liebe . « » Vor ihrer Verheiratung ; ich habe davon gehört . « » Vorher - nachher . Was hätte er darum gegeben , an der Stelle seines älteren Vetters , des Fürsten Tessin , zu sein , der die Braut heimführte . - Es dauerte eine Weile , bis er das zwecklose Schmachten satt bekam und eine praktische Richtung im Leben und in der Liebe einschlug . Und heute können seine Huldigungen ein junges Mädchen nicht mehr stolz machen . Sie teilt sich darein mit Persönlichkeiten , mit denen sie gewiß nichts gemein haben möchte . « » Zum Beispiel ? « fragte Maria erstickten Tones , und ihr Vater spöttelte : » Nein wirklich , ich bekomme Respekt vor den Komtessensoireen . Man klatscht ja dort nicht mehr , kümmert sich nicht mehr um das Tun und Lassen der jungen Herren . Schade um ihre schönsten dummen Streiche , sie machen keinen Effekt . Was wissen denn die Komtessen , wenn sie nichts wissen von Mademoiselle Nicolette , dem Stern der ersten Quadrille ? « Maria war sehr blaß gewesen , jetzt färbten sich ihre Wangen : » Doch - sie wissen viel und schwatzen noch mehr von ihr und vom Grafen ... Ich höre aber nicht zu , wenn jemandem übel nachgeredet wird ... du hast mich das gelehrt . « Sie versuchte einen scherzenden Ton anzunehmen , es gelang ihr nicht , es war zu schwer . Sie hätte weinen und schluchzen mögen . Der Graf sah es , und es tat ihm leid , von einer schwächlichen Regung jedoch hielt er sich frei . Es mußte sein , mit dieser Neigung mußte sie fertigwerden . Auch ohne den entscheidenden Grund , der ihr unbekannt bleiben mußte , würde Wolfsberg eine Heirat zwischen Maria und dem