täglich ein Schöppchen davon . Nun tu ich es nicht anders , Meister Martin , du mußt zum Willkomm eine Flasche mit mir leeren ! In einem halben Stündchen , in zwanzig Minuten ist es getan und der Nachmittag ist noch lang ! Komm ! Mach keine Umstände ! Ich will durchaus das erste Glas mit dir trinken und verspreche , dich nicht lang aufzuhalten ! « Martin Salander , dessen Hand der gute alte Freund nicht fahren ließ , sträubte sich ernstlich , vom Verlangen nach Frau und Kindern beseelt , denen er so nahe war ; als ein so Weitgereister jedoch , der oft größere Umwege und Aufenthalte vergeblich gemacht und den sieben Jahren seiner Abwesenheit leicht eine Viertelstunde hinzufügen durfte , um der unverhofften Begegnung eine Ehre anzutun , gab er endlich nach . Er wußte zwar , daß es den geselligen Herrn vornehmlich gelüstete , in aller Eile etwas Näheres von seinen Schicksalen zu erfahren und nebst der Ankunft abends als der erste in der Stadt erzählen zu können ; aber auch er selbst empfand jetzt plötzlich ein Bedürfnis , über die Dinge in der Heimat von dem stets unterrichteten Manne Vorläufiges zu vernehmen . So wandte er sich denn , statt den Weg in die Kreuzhalde fortzusetzen , mit dem Möni Wighart in anderer Richtung hinweg und folgte diesem nach dem Roten Mann , einem Bauerngute , wo ein alt angesessener reicher Landwirt nebenher sein reingehaltenes Eigengewächs ausschenkte . Der Platz um den Brunnen war nun gänzlich still und leer ; nur in einer Ecke stand noch der Knabe , der auf die Mutter wartete und das jüngste Kind Salanders war , der eben hinweggegangen . II Die beiden Männer hatten in der Tat nicht weit zu gehen , bis sie das hinter Obstbäumen verborgene Haus fanden . Die Wohn- und Gaststube des Wirtes war leer , als sie eintraten ; eine Frauensperson , irgendwo beschäftigt , kam auf Wigharts Klopfen herbei . » Wo haben wir den Herrn Friedensrichter ? « fragte er , zugleich eine Flasche Wein bestellend . » Sie sind alle in den Reben , « gab die Magd zur Antwort , während sie eine weiße Flasche aus dem Schranke nahm , sie ins Wasser des blanken Kupferkessels tauchte , auf welchem ein halbmondförmiger geschuppter Fisch getrieben war , zu beiden Seiten die Namenszüge eines Vorfahren und darunter eine Jahrzahl aus dem achtzehnten Jahrhundert . Jene ging , den Wein frisch im Keller zu holen , indes die Gäste sich an den breiten Nußbaumtisch setzten . Martin Salander schaute sich um , holte tief Atem und sagte : » Wie ruhig und still ist es hier ! Seit sieben Jahren bin ich nicht hinter einem Tisch wie dieser gesessen ! « Durch die Fenster sah man nur Grünes , Apfelbäume , Wiesen und statt der blauen Luft , soweit der Blick zwischen den Stämmen und Ästen den Weg fand , im Hintergrunde den ansteigenden Weinberg , dessen Erde soeben sorgfältig gelockert wurde . Nur hie und da sah man von den gebückten Werkleuten einen Kopf aus dem Laube emportauchen , und man glaubte die sonnige Ferne selbst zu erblicken , in die er hinausschaute . » Sieben Jahre , bei Gott ! Ist es schon so lang , daß du fort bist , « sagte Wighart . » Und drei Monate ! « Die Magd brachte den Wein und ein paar Schnitte gutes Roggenbrot , und als die Gäste nichts weiter verlangten , ging sie wieder an ihre Arbeit . Wighart schenkte beide Gläser voll . » Also sei willkommen ! « begrüßte er , mit ihm anstoßend , wiederum den Heimkehrenden , der noch nicht ganz zu Hause war und vor der Zeit die Ruhe kostete ; » auf deine Gesundheit ! Aber gut siehst du ja schon aus , wirklich wie die Gesundheit selber ! Also laß uns annehmen , es sei dir gut gegangen und alles wohl gut gelungen ! « » Auf jede Art ist es mir gegangen ; doch habe ich mich gewehrt und getummelt und wenig geschlafen , das kann ich dir sagen , und endlich mich von dem Schlag erholt , der mich damals so schmählich getroffen hat . Es dauerte freilich länger , als ich meinte , daß es gehen würde ! « » Wenn ich nicht irre , so bist du durch eine Bürgschaft ins Unglück gekommen ? Ich war zu jener Zeit auf Reisen , und als ich wiederkam , hieß es , du seiest fort . « » Freilich , die Geschichte mit dem Louis Wohlwend ! « » Richtig ! Jeder nahm teil an deinem Mißgeschick , aber allgemein wurde auch gefragt , wie du dein Vermögen durch eine so unbedachte Handlung aufs Spiel setzen konntest ? « » Ich habe nichts aufs Spiel gesetzt , ich wollte nichts gewinnen , sondern einfach ein Gebot der Freundespflicht erfüllen , das heißt - ich glaubte eben nicht , daß es zum Zahlen käme , war vielmehr der Meinung , soviel mir noch vorschwebt , die Suppe würde wohl nicht so heiß gegessen werden , wie sie gekocht sei , und jeder wahre Freundesdienst sei mit einem Wagnis verbunden , sonst wäre es keiner . Wir waren im Lehrerseminar schon gute Freunde . Er lernte schwer und hielt sich deshalb an mich , dem es leichter ging ; vor den anderen schien es eher , als ob ich von ihm lernte , Gott weiß , wie es zuging ! Es machte mir jedoch Spaß , denn er war sehr drollig , zutraulich und gescheit , und wo zwei beieinander standen , trat er hinzu , selbst unter den Lehrern und Professoren . Mit diesen wußte er sich sehr ergötzlich zu benehmen , wenn die Jahresprüfungen dawaren . Er forschte nicht etwa , worüber sie ihn besonders fragen würden , sondern wußte ihnen geradezu beizubringen , was er wollte , das sie ihn fragen sollten , worauf er sich die bezüglichen Gegenstände