. Wie sollt ich sie aus meinem Sinne bannen ? Sie sind doch alle Kinder der Natur , und wenn sie oft der Mutter Art verleugnen , so ist es , weil ihr Vater , der Geist , vom Geschlechte der Götter ist . Genügsam hält sich ewig in ihrer sichern Grenze die Natur ; die Pflanze bleibt der Mutter Erde treu , der Vogel baut im dunkeln Strauche sein Haus , und nimmt die Beere , die er gibt ; genügsam ist die Natur , und ihres Lebens Einfalt verliert sich nie , denn sie erhebt sich nie in ihren Forderungen über ihre Armut . Genügsam ist der mangellose Geist , in seiner ewigen Fülle , und in dem Vollkommenen ist kein Wechsel . Der Mensch ist nie genügsam . Denn er begehrt den Reichtum einer Gottheit , und seine Kost ist Armut der Natur . - Verdamme nicht , wenn in dem Sinnenlande das niebefriedigte Gemüt von einem zum andern eilt ! es hofft Unendliches zu finden : durch die Dornen irrt der Bach ; er sucht den Vater Ozean . Wenn sein vergessen , des Menschen Geist über seine Grenze sich verliert , ins Labyrinth des Unerkennbaren , und vermessen seiner Endlichkeit sich überhebt , verdamme nicht ! Er dürstet nach Vollendung . Es rollten nicht über ihr Gestade die regellosen Ströme , würden sie nicht von den Fluten des Himmels geschwellt . Der schöne Knabe , der indes im Garten sich beschäftigt hatte , kam und bracht uns Blumen , erzählt ' uns auch manches , und wies uns das goldne Feuer über den Gebirgen . Es war schon Abend geworden . Ich nahm die freundliche Herberge mit Dank an . Das Leben ist nicht so reich , daß wir ein reines Wesen , wie der Mann war , den ich gefunden hatte , so schnell verlassen könnten . ------------- Zweites Kapitel Noch denk ich gerne des Morgens , der uns jetzt umfing , und wie sein Zauber uns verjüngte . Doch fand ich nie ein treues Bild für meine goldnen Stunden , um andern zu verkünden , was ich genoß . Die Natur gab ihren Mutterpfennigen ein ungangbares Gepräge , damit wir sie nicht , wie Scheidemünze , verschleudern sollten . Auch mir war sie lange fremd gewesen , diese Ruhe und Regsamkeit , wo alle Kräfte ineinander spielen , wie die stillen Farben am Bogen des Friedens . Es war ein heiterer blauer Apriltag . Wir setzten uns in den Sonnenschein , auf den Balkon ; es säuselten um uns die Zweige und durch die sonntägliche Stille tönte ferner Türme Geläut und gegenüber das Spiel der Orgel vom Hügel der Kapelle . Du machtest mich begierig , fing ich endlich an , auf die Geschichte deines jugendlichen Lebens - Ich bin auch itzt gerade gestimmt , unterbrach er mich freundlich , die wunderbaren unschuldigen Gestalten erscheinen zu lassen , auch die wildern . Du bleibst so lange bei mir , bis ich zu Ende bin . Ich gestehe dir , ich mußte mich lange von ihnen ferne halten um deswillen , was ich verlor , ich mußte mich hüten vor den Freuden und Schmerzen der Erinnerung , ich war , wie eine kranke Pflanze , die die Sonne nicht ertragen kann . Drittes Kapitel tum der Heroen , unter den Augen der Miltiade und Aristide , beim Wettgesange der edeln Dichter und im Kampfspiel , wo der Lorbeer winkte ! und deine Gespielen - du hättest sie gewiß recht lieb gewonnen , die starken bildsamen Jünglinge ! ihr hättet euch in eures Herzens Fröhlichkeit eure Geheimnisse vertraut , wie es euch schmerze , noch nichts getan zu haben , wie ihr oft in der Stille über euch trauertet vor dem Bilde eines Helden , wie ihr nicht lassen könntet von der Liebe zum Lorbeer , und euch oft berauschtet im Gedanken der Unsterblichkeit , ihr hättet euch gefreut , daß es einem ergehe , wie dem andern , und kühn geschworen , des Herzens Triebe Genüge zu tun . - Nun ist es freilich anders , gutes Herz ! Du siehest vor dir , wie es ist . Aber laß dich das nicht irren ! - Siehe das Licht des Himmels an ! Bedarf es fremden Feuers , um zu leuchten und zu wärmen ? bedarf es eines Dankes , um wohlzutun ? und wenn sich die Erde mit Dünsten umwölkt , und seine reinen Strahlen nicht aufnimmt , in ihr Innres , leuchtet es minder , wie sonst ? So sei auch du ! Denk und tue , wie du sollst , und siehe nicht um dich ; und wenn der kleinen Menschen kleiner Tadel in deinem sichern Gange dir nachtönt , so denke dir recht lebendig , wie der arme Perser den ungehorsamen Ozean peitschte ! - Es ist dein liebster Gedanke , zu werden , wie die Herrlichen , die einst waren . Erhalt ihn ! werde nicht mutlos ! Gib dich nie auf halbem Wege zufrieden ! Verweile nicht an Armseligkeiten ! Sei still und harre , bis deine Zeit kömmt ! Lebe in Gemeinschaft mit deinen Heroen ! Du findest ihresgleichen schwerlich so bald unter den Lebendigen . Bewahre dich , junge Seele ! Du gehörst einer andern Welt . Befasse dich nicht zu viel mit dieser , bis deine Zeit kommt , und du unter ihr wirkst . Nähre dein Herz mit der Geschichte besserer Tage , suche nichts unter den jetzigen ! Das wenige , was sie dir geben , ist , wenigstens jetzt , nicht für dich . - Denke meiner Worte , Lieber ! wenn ich ferne bin . Ich muß dich bald verlassen . Wer weiß ? es könnten die letzten Worte sein , die ich dir sagte ! Wenn ich sterbe , so sterb ich mit der Hoffnung , daß mein bestes Leben fortdaure in dir und denen , die du einst bildest , daß sie wieder in andern pflanzen , was in