und nur der geht , der gehen muß . Unter den vielen Bücherweisheitssätzen , die mir von Grund aus zuwider sind , steht der von der besonderen Feiglingschaft derer , die das Pistol in die Hand nehmen , obenan . Nach dem bißchen Lebensweisheit , das ich mir anzueignen in der Lage war , hört das Pistol auf , wo die Feigheit anfängt , und hört die Feigheit auf , wo das Pistol anfängt . Wer es in die Hand nimmt , ist durch schwere Kämpfe gegangen . Achtung vor dem Unglück ! Und nun gar der Ehrenpunkt ; die Ehre ! Jeder , der überhaupt davon hat , weiß allein , wo sie für ihn liegt oder nicht liegt . Bitten wir Gott insgesamt , daß der Kelch der Erniedrigung , welchen Inhalts er auch sein möge , gnädiglich an uns vorübergehe ; wenn er aber doch kommt und der , der ihn trinken soll , ihn nicht trinken mag und gewaltsam und für immer seine Lippen dagegen schließt , so denk ich , wir respektieren den Toten und sein Tun . « Graf Coronini , den eine glückliche Leichtlebigkeit auszeichnete , sprach in gewinnendster Weise sein Bedauern über das ihm entschlüpfte Wort aus , und als wenige Minuten später unter einem raschen Zustrome der Saal sich zu füllen begann , zeigte sich ' s , daß der kleine Disput ein Glück für den Verlauf des Festes gewesen war . Der alte Graf , eine durchaus nervöse Natur , hatte sich in seiner Philippika gegen Graf Coronini nicht nur den aufsteigenden Groll , sondern vor allem auch die voraufgegangene schmerzliche Bewegung von der Seele heruntergeredet und ließ nun als Wirt bis zum letzten Geigenstriche nichts von seiner gewöhnlichen Liebenswürdigkeit vermissen . Seit jener Soiree war eine volle Woche vergangen , und selbst die jungen Demoiselles in dem gegenübergelegenen Konfektionsgeschäfte hatten den anfänglich unerschöpflich scheinenden Gesprächsgegenstand als erledigt außer Kurs gesetzt , um sich in ihrer Eigenschaft als Chorus des Hauses Petöfy neuen intrikaten Fragen zuzuwenden . Es war Abend , nicht mehr ganz früh , und der Gaskronleuchter , der mit seinen Milchglasglocken über dem Arbeitstische hing , brannte schon seit Stunden . » Ich weiß etwas « , sagte Resi , die heute wie gewöhnlich den Chorführer machte . » Was ? « » Die Franz ist heute bei der alten Gräfin drüben . Ganz intim . Kleiner Zirkel . Bei dem Grafen in der Soiree neulich , nun , das war nicht viel . Aber bei der Gräfin , die so fromm ist , das bedeutet etwas . Was wohl Pater Feßler dazu sagen mag ? « » Ja , der « , unterbrach eine Kleine , nach innenhin Verwachsene , von der Resi mit Vorliebe zu sagen pflegte , der liebe Gott hab ihr eine Stufe ins Kleid genäht . » Ja , der , der Feßler ! Ein schöner Mann , dem könnt ich alles beichten . Und es übergruselt mich ordentlich , wenn ich bloß daran denke . « » Du ? « lachten alle . » Du ? Was beichtest du denn ? « Als aber die Heiterkeit sich wieder gelegt hatte , sagte eine dritte : » Ja , der Feßler ! Sage , Resi , du hörst ja das Gras drüben wachsen , wie kommt der nur ins Petöfysche Haus ? Er ist ja doch ein Steirer , und drüben ist alles ungarisch . « » Oh , nicht doch « , antwortete die Gefragte . » Nicht alles ; nur halb . Auf der linken Seite , wo der Graf wohnt , da freilich ist alles ungarisch , aber auf der rechten , wo die Gräfin wohnt , ist alles deutsch . Und der Graf und die Gräfin sind auch immer im Krieg . « » Aber sie sind doch Geschwister , oder sind sie nicht ? « » Gewiß sind sie . Graf Adam und Gräfin Judith und die Gräfin Eveline , die die schönste war und nun tot ist , die waren Geschwister . Und waren alle drei rabiat ungarisch und die beiden jungen Gräfinnen am meisten . Ich weiß es von dem alten Koloman Czagy , des Grafen Kammerdiener , der jetzt krank auf Schloß Arpa liegt , weil er die Gelbsucht hat , er soll ganz abgemagert sein und aussehen wie eine Zitrone . Ja , von dem weiß ich es . Als dann aber die Gräfin Judith den alten Gundolskirchen und die Gräfin Eveline den schönen Asperg heiratete , den Vater von dem jungen Grafen , da war es mit dem Rabiatischen und dem Ungrischen vorbei . Nix mehr Magyar . Und beide wurden gut steirisch . Und von daher schreibt sich auch der Feßler . « Pater Feßler , als dies Gespräch geführt wurde , saß bereits drüben in dem kleinen Salon der Gräfin , in dem mehrere Lampen brannten , aber alle mit einem durch Bilderschirme gedämpften Licht . Diese Lichtschirme waren eine Spezialität des Salons und spielten eine Rolle darin , insonderheit einer , der auf der einen Seite die Correggiosche Nacht und auf der andern die büßende Magdalena von Carlo Dolci zeigte . Alles machte den Eindruck von Behagen und Stille . Dicke Teppiche lagen ausgebreitet , und ein feiner Parfüm wie von Ambra war in der Luft . Er schien von einem Lämpchen zu kommen , das auf einem Ecktisch stand und mit einer kleinen blauen Flamme brannte . Darüber hing der Gundolskirchensche Lieblingsheilige , der heilige Florian . Es schien , daß der Pater eben aufbrechen wollte . Die Gräfin hielt ihn aber zurück und sagte : » Nein , lieber Freund , Sie müssen noch bleiben und den Tee mit uns nehmen . Es liegt mir daran . Und doch andererseits ... « Er verbeugte sich , um seine Zustimmung auszudrücken . » Und doch andererseits « , wiederholte die Gräfin , » bin ich in einiger Sorge vor Ihrer Kritik . Es entgeht Ihnen nichts , und