dem sah er freudig und geduldig entgegen . Er verstand sich jetzt aufs Holzschnitzen , er erhielt seine Mutter und kam für das ganze Hauswesen auf . Das erste , was er vornahm , als er seine Hand sicher fühlte , war kein leichtes Stück und bezeugte guten Mut und Selbstvertrauen ; ein ganzes » Krippel « stellte er fertig , die Heilige Familie im Stalle zu Bethlehem , Öchslein und Esel fehlten nicht , nur die Hirten ließ er weg , an deren Stelle dachte er sich eben die fromme Gemeinde von Zwischenbühel , denn die war ja da , um anzubeten , und darum schnitzte er keine hölzerne Andacht hinzu . Der Pfarrer stellte , versprochenermaßen , das Bildwerk in der Kirche auf , da er es aber doch nicht für ein Kunstwerk halten mochte , auf dessen Besitz man gegen einen umherstreifenden Touristen oder sei es auch nur gegen einen Konfrater stolz tun konnte , so beschloß er , es der Geschmacksrichtung seiner Pfarrkinder näherzubringen , und ließ von einem durchreisenden Künstler , der sich einen Flächenmaler nannte , weil er Fensterläden , Türbalken und Haustore behandelte , die Figuren mit schreienden Ölfarben anstreichen . Die Gemeinde fand das über alle Maßen schön , und einige versetzte allein der Geruch des frischen Anstriches in eine andächtige Stimmung . Als Muckerl sein Werk mit Farbe überdeckt fand , geriet er in eine sehr geteilte Stimmung . Die Farbe , ja , die Farbe macht sich ganz gut , es schaut das Ganze wie lebendig her , und der Pfarrer mochte wohl recht haben , als er sie dazutun ließ , aber Fleisch , Gewand und Haare waren immer ein Klecks , und da glänzte es an Stellen , wo es nicht gehörig war . Muckerl sah mit Befremden , wie manche Falte , die er geschnitten hatte , unschöne Buckel machte , und wieder , wie eine andere vom Leibe abstand , wo sie sich schmiegen sollte ; womit er es versehen hatte , das trat nun auffällig hervor , dagegen verschwanden die Gesichtszüge seiner Heiligen , von denen er überzeugt war , sie wären ihm aufs beste geraten , ganz unter einem dicht aufgetragenen Anstriche . Wahre Puppenköpfe hatten sie auf den Schultern sitzen . Plötzlich entsann er sich des kleinen , hölzernen , bunten Türken , der ober dem Krämerladen als Zeichen des Tabaksverschleißes angebracht war . » Der Himmelherrgottssakkermenter « , murmelte er ziemlich laut , » hat mir ' s Ganze verschändt . « Erschrocken fuhr er zusammen und bekreuzte sich . Das war aber doch nicht recht vom hochwürdigen Herrn , daß er einen solchen hat über die Sach lassen ! Hätt er nit dazu einen andern finden können ? War es nit ganz unaufrichtig , daß er überhaupt gar nit hat verlauten lassen , daß eine Farbe dazu soll und daß er sie darauf haben will ? Die Farb mag der Muckerl nit verreden , sie mag ja ' m Messer nachhelfen , aber decken darf sie nicht , was das gut gemacht . Wer aber soll das machen ? Wer kann sich wohl besser dazu anschicken als der , dem ' s selbe Schnitzwerk von der Hand gangen is ? Das lernen wird keine Hexerei sein , und der Muckerl will ' s erlernen . Er erlernte es . Bald wunderte sich das ganze Dorf über die bunten Holzstatuetten , die er zwischen den Fenstern zur Schau stellte , kein Heiliger des Kalenders brachte ihn in Verlegenheit , denn da er mit der himmlischen Familie fertig geworden , wird er doch Aposteln , Nothelfern , Märtyrern , heiligen Frauen und Jungfrauen beizukommen wissen . Nicht lang , so hatte man es auch in der Umgegend Rede , was für ein Geschickter da drüben in Zwischenbühel sitze , und wenn einer ein Herrgott , eine Gnadenmutter oder ein Heiligen brauche , so dürfe er nur zu dem gehen . Aber nur wenige kamen , und die feilschten rechtschaffen ; am meisten ängstigten den Muckerl die sogenannten Herrgottlkramer , die mit solcher frommer Ware das Land abliefen ; sie dachten ihn als billige Bezugsquelle auszunützen und verhielten sich ihm gegenüber wie Kunsthändler in einer Großstadt gegen einen talentierten Anfänger in der Malerei . Schwere Sorge beschlich oft den Muckerl . Selten , gar selten war es , daß ein Bäuerlein , ein altes Mütterchen , eine junge Dirne Nachfrage hielt , noch seltener , daß er nach stundenlangem Feilschen einen Herrgott , der nicht genug blutig sein konnte , einen Namenspatron , der nie » andächtig « genug schien , verkaufte ; die Herrgottlkrämer bekam er öfter zu Gesichte , die aber machten ihn mit ihren Ausstellungen schwitzen , mit ihren Anboten ganz verzagt , und oft rief er sie unter Tränen in den Augen zurück , wenn sie an der Türe in wegwerfendster Weise fragten : » Na , gibst mir ' s diesmal mit oder nit ? Noch ein Gang her is mir der ganze « - folgte ein sehr derber Ausdruck - » nit wert ! « Aber da fand sich mit einmal ein Absatz . Eines Abends trat ein Mann in Muckerls Hütte , nannte sich einen Handelsagenten für religiösen Hausrat , hätte das Beste sagen hören über den Heiligenschnitzer zu Zwischenbühel und wäre gekommen , dessen Ware zu sehen . Er äußerte sich über die vorgelegten Proben sehr freundlich , lächelte mitleidig , als er den Preis erfuhr , um den bisher diese Arbeiten abgegeben wurden , bot sofort das Fünffache , gab Vorschuß und bestellte nach Dutzenden . In der Stadt , beteuerte der Herr Agent , hätte man derlei nötiger als am Lande , dort wäre mehr Geld , aber auch mehr Gottlosigkeit , darum gehe man jetzt daran , den religiösen Sinn zu heben , was am besten durch massenhaften Umsatz von billigem und gefälligem religiösen Hausrat zu bewerkstelligen sein dürfte , wofür denn eine Handelsgesellschaft aufkommen wolle . Der Herr Kleebinder möge nur darauf