Halle , und für Frankreich wegen der Siege Luxemburgs , Catinats und Tourvilles - in Paris , wo bisher nur kleine Taschenuhren beliebt gewesen , plötzlich sehr große in die Mode kamen ... Und so weiter ! noch viele wichtige und höchst seltsame Zusammenstellungen , die jedem , der ein Herz hat für die Uhrmacherei , gar viel zu denken geben . Was ihm selbst dabei eingefallen , hatte Meister Johannes niemals verraten , sehr oft aber sein Bedauern darüber ausgesprochen , daß er nur ein ungelehrter Mann war und nicht imstande , eine ausführliche und genaue Geschichte der Entwickelung der Uhrmacherkunst zu schreiben . Das beste Material , das es geben kann - wenigstens zu einem Hauptzweig eines solchen Werkes - , besaß er selbst . Er hatte im Laufe seines langen Lebens eine Sammlung von Taschenuhren zusammengebracht , wie sie vor ihm so vollständig und lückenlos schwerlich ein Privatmann ( Herrn Asthon Levers ausgenommen , das versteht sich ! ) besessen haben dürfte . Lauter seltene und auserlesene Exemplare , jedes der Vertreter einer eigenen Gattung , jedes wertvoll an und für sich und doppelt wertvoll als Teil des Ganzen , zu dem es gehört . Wäre diese Sammlung bekannt , sie wäre gewiß auch berühmt geworden , sie hätte die Bewunderung aller Kenner erwecken müssen . Aber dem Meister Johannes war um Berühmtheit gar nicht zu tun , und was die Bewunderung betrifft , die ihm eigentlich ganz recht gewesen wäre - wer hört nicht gern loben , was er liebt ? - , so hat sie doch meistens Neid und Verlangen in ihrem Gefolge , die Feßler um keinen Preis zu erwecken wünschte . Er freute sich im stillen an seinem Schatze , was nicht heißen soll , daß er sich allein daran freute . Es gab zwei Getreue , die keine anderen Interessen kannten als die seinen , für die sein Wort das Evangelium war , sein Beifall das Ziel aller Wünsche , seine Zufriedenheit das höchste Lebensgut . Die beiden waren seine Tochter Lotti und sein Ziehsohn Gottfried . » Meine Gesellen « nannte er sie in ihrer Kindheit , und später mit Stolz » meine Gehilfen « . Endlich schien ihm auch diese Bezeichnung nicht mehr ehrenvoll genug , und er sprach sie niemals aus , ohne sich dabei in Gedanken zu verbessern : Ich sollte eigentlich sagen : Meine Berufsgenossen ... solche noch dazu , die im besten Zuge sind , mich zu überflügeln . Daß sie es doch möchten , und recht bald , und recht weit - sein liebster Traum wäre erfüllt . Aber nicht allein dieser , jeder Traum von Erfolg und Glück , den er für seine Kinder im treuen Vaterherzen hegte , schien in Erfüllung gehen zu wollen . Ihr Lebensweg lag so glatt geebnet vor ihnen , sie waren so ganz geschaffen , die Bahn , die das Schicksal ihnen vorgezeichnet , eines auf das andere gestützt , ohne Abirrung , ohne Wanken und Straucheln zu verfolgen . Sie waren beide brav und talentvoll , hatten ein und dasselbe geistige Interesse und dienten ihm mit dem gleichen Eifer . Niemals war ihre Einigkeit getrübt worden . Von dem Augenblick an , in welchem Feßler den kleinen Gottfried , den Sohn eines in der Fremde verstorbenen Verwandten , in sein Haus aufgenommen , hatte sich dieser , so jung er selbst war , zum Beschützer des noch jüngeren Mühmchens aufgeworfen . Gottfried war völlig verwaist , Lotti hatte vor kurzer Zeit ihre Mutter verloren . Die beiden Kinder wuchsen munter heran . Er wurde ein kräftiger , ernster Jüngling von nachdenklichem , etwas zurückhaltendem Wesen , sie ein hochaufgeschossenes , schlankes Mädchen , verständig , sanft , und dabei immer lustig und guter Dinge . Sie bewunderte und verehrte ihren Vetter und fürchtete seinen Tadel mehr noch als den ihres Vaters . Ihren ersten großen Schmerz erfuhr sie , als Gottfried nach London geschickt wurde , um dort seine Lehrjahre durchzumachen . Er selbst hatte die Stunde der Abreise kaum erwarten können , aber als sie herankam , war sie so düster und leidvoll , wie sie aus der Ferne licht und freudig geschienen . Lotti schluchzte bitterlich . Der frohe Mut , mit dem sie bisher der Trennung von ihrem Jugendgespielen entgegengesehen , war plötzlich verschwunden , sie wollte nicht mehr begreifen , warum er denn fort müsse und wie es sich ohne ihn leben lassen solle . Feßler jedoch bestand auf seinem Sinn . Er umschloß seine beiden Kinder in einer Umarmung , dann trennte er sie sanft : » Leb wohl , Gottfried « , sagte er , » in drei Jahren bist du wieder bei uns . Geh , lieber Sohn . Im Vaterlande eines Harrison « - in seinen feuchten Augen leuchtete es begeistert auf- , » eines Mudge , eines Arnold müssen unsere künftigen Meister leben . Wenn du heimkommst , werde ich von dir lernen . « Allein dieses Wort sollte nicht zur Wahrheit werden . Als Gottfrieds Lehrzeit um war und er nach Hause zurückkehrte , behauptete er , bei seinen neuen Meistern nichts so gut gelernt zu haben , als seinen alten Meister und dessen Kunst zu schätzen . So berühmt jene auch seien , so teuer ihre Arbeiten bezahlt werden , Feßler dürfe sich mit dem Größten von ihnen messen . Eines nur verstände auch der Geringste unter allen besser , nämlich seine Geschicklichkeit geltend zu machen und zu verwerten . Diesen Vorwurf wies Feßler lächelnd zurück . Beehrten ihn die vorzüglichsten Uhrmacher nicht mit ihren Bestellungen ? zögerten sie , ihren Namen in eine Uhr schreiben zu lassen , die aus seinen Händen kam ? Aber Gottfried schüttelte den Kopf und meinte , das sei es eben , was ihn kränke . - » Ihr Name auf deinem Werk ! wo steht denn der deine ? Wer kennt dich ? wer weiß etwas von dir ! ... Was hast du von deinen unvergleichlich schönen und genauen