, im Dörfli angekommen , einen schrillen Pfiff durch die Finger , und jeder Besitzer holte seine Geiß auf dem Platz . Meistens kamen kleine Buben und Mädchen , denn die friedlichen Geißen waren nicht zu fürchten , und das war denn den ganzen Sommer durch die einzige Zeit am Tage , da der Peter mit seinesgleichen verkehrte ; sonst lebte er nur mit den Geißen . Er hatte zwar daheim seine Mutter und die blinde Großmutter ; aber da er immer am Morgen sehr früh fort mußte und am Abend vom Dörfli spät heimkam , weil er sich da noch so lange als möglich mit den Kindern unterhalten mußte , so verbrachte er daheim nur gerade so viel Zeit , um am Morgen seine Milch und Brot und am Abend ebendasselbe hinunterzuschlucken und dann sich aufs Ohr zu legen und zu schlafen . Sein Vater , der auch schon der Geißenpeter genannt worden war , weil er in früheren Jahren in demselben Berufe gestanden hatte , war vor einigen Jahren beim Holzfällen verunglückt . Seine Mutter , die zwar Brigitte hieß , wurde von jedermann um des Zusammenhangs willen die Geißenpeterin genannt , und die blinde Großmutter kannten weit und breit alt und jung nur unter dem Namen Großmutter . Die Dete hatte wohl zehn Minuten gewartet und sich nach allen Seiten umgesehen , ob die Kinder mit den Geißen noch nirgends zu sehen seien ; als dies aber nicht der Fall war , so stieg sie noch ein wenig höher , wo sie besser die ganze Alm bis hinunter übersehen konnte , und guckte nun von hier aus bald dahin , bald dorthin mit Zeichen großer Ungeduld auf dem Gesicht und in den Bewegungen . Unterdessen rückten die Kinder auf einem großen Umwege heran , denn der Peter wußte viele Stellen , wo allerhand Gutes an Sträuchern und Gebüschen für seine Geißen zu nagen war ; darum machte er mit seiner Herde vielerlei Wendungen auf dem Wege . Erst war das Kind mühsam nachgeklettert , in seiner schweren Rüstung vor Hitze und Unbequemlichkeit keuchend und alle Kräfte anstrengend . Es sagte kein Wort , blickte aber unverwandt bald auf den Peter , der mit seinen nackten Füßen und leichten Höschen ohne alle Mühe hin- und hersprang , bald auf die Geißen , die mit den dünnen , schlanken Beinchen noch leichter über Busch und Stein und steile Abhänge hinaufkletterten . Auf einmal setzte das Kind sich auf den Boden nieder , zog mit großer Schnelligkeit Schuhe und Strümpfe aus , stand wieder auf , zog sein rotes , dickes Halstuch weg , machte sein Röckchen auf , zog es schnell aus und hatte gleich noch eins auszuhäkeln , denn die Base Dete hatte ihm das Sonntagskleidchen über das Alltagszeug angezogen , um der Kürze willen , damit niemand es tragen müsse . Blitzschnell war auch das Alltagsröcklein weg , und nun stand das Kind im leichten Unterröckchen , die bloßen Arme aus den kurzen Hemdärmelchen vergnüglich in die Luft hinausstreckend . Dann legte es schön alles auf ein Häufchen , und nun sprang und kletterte es hinter den Geißen und neben dem Peter her , so leicht als nur eines aus der ganzen Gesellschaft . Der Peter hatte nicht achtgegeben , was das Kind mache , als es zurückgeblieben war . Wie es nun in der neuen Bekleidung nachgesprungen kam , zog er lustig grinsend das ganze Gesicht auseinander und schaute zurück , und wie er unten das Häuflein Kleider liegen sah , ging sein Gesicht noch ein wenig mehr auseinander , und sein Mund kam fast von einem Ohr bis zum anderen ; er sagte aber nichts . Wie nun das Kind sich so frei und leicht fühlte , fing es ein Gespräch mit dem Peter an , und er fing auch an zu reden und mußte auf vielerlei Fragen antworten , denn das Kind wollte wissen , wie viele Geißen er habe und wohin er mit ihnen gehe und was er dort tue , wo er hinkomme . So langten endlich die Kinder samt den Geißen oben bei der Hütte an und kamen der Base Dete zu Gesicht . Kaum aber hatte diese die herankletternde Gesellschaft erblickt , als sie laut aufschrie : » Heidi , was machst du ? Wie siehst du aus ? Wo hast du deinen Rock und den zweiten und das Halstuch ? Und ganz neue Schuhe habe ich dir gekauft auf den Berg und dir neue Strümpfe gemacht , und alles fort ! alles fort ! Heidi , was machst du , wo hast du alles ? « Das Kind zeigte ruhig den Berg hinunter und sagte : » Dort ! « Die Base folgte seinem Finger . Richtig , dort lag etwas und oben auf war ein roter Punkt , das mußte das Halstuch sein . » Du Unglückstropf ! « rief die Base in großer Aufregung ; » was kommt dir denn in den Sinn , warum hast du alles ausgezogen ? Was soll das sein ? « » Ich brauch ' es nicht « , sagte das Kind und sah gar nicht reuevoll aus über seine Tat . » Ach du unglückseliges , vernunftloses Heidi , hast du denn auch noch gar keine Begriffe ? « jammerte und schalt die Base weiter ; » wer sollte nun wieder da hinunter , es ist ja eine halbe Stunde ! Komm , Peter , lauf du mir schnell zurück und hol das Zeug , komm schnell und steh nicht dort und glotze mich an , als wärst du am Boden festgenagelt . « » Ich bin schon zu spät « , sagte Peter langsam und blieb , ohne sich zu rühren , auf demselben Fleck stehen , von dem aus er , beide Hände in die Taschen gesteckt , dem Schreckensausbruch der Base zugehört hatte . » Du stehst ja doch nur und reißest deine Augen auf und kommst , denk ' ich , nicht weit auf die Art !