Hektor folgte . Zweites Kapitel Hohen-Vietz In der Halle schwelen noch einige Brände ; schütten wir Tannäpfel auf und plaudern wir , ein paar Sessel an den Kamin rückend , von Hohen-Vietz . Hohen-Vietz war ursprünglich ein altes , aus den Tagen der letzten Askanier stammendes Schloß mit Wall und Graben und freiem Blick ostwärts auf die Oder . Es lag auf demselben Höhenzuge wie die Kirche , deren schattenhaftes Bild uns am Schloß des vorigen Kapitels entgegentrat , und beherrschte den breiten Strom wie nicht minder die am linken Flußufer von Frankfurt nach Küstrin führende Straße . Es galt für sehr fest , und jahrhundertelang hatten sie einen Reim im Lebusischen , der lautete : De sitt so fest up sinen Sitz As de Vitzewitz ' up Hohen-Vietz . Die Pommern lagen zweimal davor ; die Hussiten berannten es , als sie sengend und brennend in Lebus und Barnim vordrangen , aber die Heilige Jungfrau im Kirchenbanner schützte das Schloß , und als der damalige Vitzewitz , über dessen Vornamen die Urkunden verschiedene Angaben bringen , ein griechisches Feuer in das Lager der Hussiten warf , zogen sie ab , nachdem sie alle umhergelegenen Dörfer verwüstet hatten . Die Kunst des griechischen Feuers aber hatte der Schloßherr von Rhodus mit heimgebracht , wo er unter den Rittern an zwei Feldzügen gegen die Türken teilgenommen hatte . Das war 1432 . Ruhigere Zeiten kamen . Der hohe Ruf von Hohen-Vietz lebte fort , ohne daß er Gelegenheit gehabt hätte , sich neu zu bewähren . Erst der Dreißigjährige Krieg brachte neue und schwerere Prüfungen . Am 29. März 1631 fast genau zweihundert Jahre nach der Hussitenüberschwemmung , erschienen von Frankfurt aus sechs Compagnien Kaiserlicher vor Hohen-Vietz , das am Tage vorher , den Protesten des Schloßherrn Rochus von Vitzewitz zum Trotz , von den von Stettin und Garz her heranziehenden Schweden besetzt worden war . Oberst Maradas , der die Kaiserlichen führte , forderte die Übergabe des Schlosses . Als diese verweigert wurde , legten die Kaiserlichen , die aus je zwei Compagnien der Regimenter Butler , Lichtenstein und Maradas zusammengesetzt waren , die Leitern an , stürmten das Schloß , brannten es bis auf die nackten Mauern aus und ließen die schwedische Besatzung über die Klinge springen . Einen Augenblick stand Rochus von Vitzewitz in Gefahr , das Schicksal der Besatzung zu teilen ; seine beiden halberwachsenen Söhne aber , sie mochten siebzehn und sechzehn Jahre zählen , warfen sich dazwischen und retteten ihn durch ihre Geistesgegenwart . Oberst Maradas , an den jungen Leuten Gefallen findend , bot ihnen an , im kaiserlichen Heere Dienst zu nehmen , ein Anerbieten , das von seiten des jüngeren , Matthias , ohne langes Säumen , auch ohne Widerspruch des Vaters angenommen wurde . Es waren nicht Zeiten , um über erfahrene Unbill , wie sie der Lauf des Krieges für Freund und Feind gleichmäßig mit sich brachte , lange zu grübeln . Matthias trat als Cornet in das Regiment Lichtenstein ein , Anselm aber , der ältere , erklärte , bei dem Vater ausharren und demselben bei Wiederaufbau des Schlosses zur Seite stehen zu wollen . Dieser Wiederaufbau jedoch verzögerte sich . Als er endlich nach dem Abzug der feindlichen , nunmehr Süddeutschland zum Schauplatz ihrer Kämpfe wählenden Heere beginnen sollte , hatten sich unter den fortwährenden Opfern des Krieges die Verhältnisse derart verschlechtert , daß es an den nötigen Mitteln zu einem Schloßbau gebrach . Rochus entschied sich also , von der Hohen-Vietzer-Höhe , von der aus die Seinen dreihundert Jahre und länger ins Land geblickt hatten , herabzusteigen und zu Füßen derselben , am Nordrande des sich hier hinziehenden alten Wendendorfes , ein einfaches Herrenhaus herzurichten . Dies war 1634 . Anselm ging ihm dabei in allen Stücken zur Hand , und schon Sonntag Exaudi , elf Monate nach Beginn des Baues , konnte die neue Heimstätte der Vitzewitze bezogen werden . Es war ein Fachwerkhaus , lang , niedrig , mit hohem Dach . In dem Balken aber , der über der Türe hinlief , war ein Spruch eingeschnitten : Dies ist der Vitzewitzen Haus , Aus dem alten zog es aus ; Gottes Segen komm herein , Wird es wohl geschützet sein . Und fast schien es , als ob der Spruch sich erfüllen und inmitten aller Kriegstrübsal , die über dem Lande lag , an dieser neugegründeten Stätte ein neues Glück erblühen solle . Von Matthias , der aus dem Regiment Lichtenstein in das Regiment Tiefenbach übergetreten , bei Nördlingen verwundet und ein halbes Jahr später , erst zwanzig Jahre alt , zum kaiserlichen Hauptmann aufgestiegen war , trafen Nachrichten ein , die des alten Rochus Herz , trotzdem es den Schweden zuneigte , mit Stolz und Freude erfüllten . Anselm , ohne darum nachgesucht zu haben , sah sich an den Hof gezogen und trat in dieselbe Leibtrabantengarde , in der schon seit hundert Jahren alle Vitzewitze ihrem Herrn , dem Kurfürsten , gedient hatten ; was aber vor allem zu Dank und Hoffnung stimmte , das waren zwei gesegnete Fruchtjahre , die der Himmel der Hohen-Vietzer Feldmark schenkte , wahre Prachternten , aus deren Erträgen nunmehr die Mittel zur Aufführung eines stattlichen , rechtwinklig an das eigentliche Wohnhaus sich anlehnenden Anbaues entnommen werden konnten . Dieser Anbau , eine einzige mit Emporen , Wappen und Hirschgeweihen geschmückte Halle , richtete das Gemüt des alten Rochus , der eine hohe Vorstellung von den Repräsentationspflichten seines Hauses hatte , wieder auf und gemahnte ihn an alte gastliche Zeiten . Als er das erste Mal den Nachbaradel in diesem » Bankettsaal « , wie er die Halle gern nennen hörte , bewirtete , hielt er eine Ansprache an die Versammelten , die der Überzeugung Ausdruck gab , daß das Haus Vitzewitz auch wieder » bergan « ziehen und nicht immer » geduckt unterm Winde « stehen werde . All Ding , so etwa schloß er , habe seine Zeit , auch Krieg und Kriegesnot , und