Serben , Ungarn , Polen usw. - verschiedenerlei Menschen kennen , und so ging der Erfahrungszuwachs gleichen Schrittes mit den theoretischen Studien vorwärts . Meine weit jüngeren Studienkollegen waren zumeist rücksichtsvoll gegen mich , doch , wie ich früher das Gefühl gehabt , daß ich nicht recht zu den Bauernjungen passe , so war es mir jetzt , daß ich auch nicht zu den Söhnen der Kaufleute , Bankiers und Fabrikanten gehöre . Indes schloß ich Freundschaft mit einem Realschüler , später Bergakademiker , mit einem oberländischen Bergsohn , namens August Brunlechner . Wir verstanden uns , oder strebten wenigstens , uns zu verstehen ; beide Idealisten , beide ein wenig sentimental , uns gegenseitig zu Vertrauten zarter Jugendabenteuer machend und dann wieder uns zu ernster Arbeit ermunternd , uns darin unterstützend - so hielten wir zusammen , und die alte Freundschaft währt heute noch fort . Ferner finde ich in der Liste meiner damaligen Freunde und Gönner die Namen Falb ( des bekannten Gelehrten und Reisenden , damaligen Religionsprofessors an der Handelsakademie , der mir die Aufnahme an dieser Anstalt vermittelt hat ) , ferner v. Rebenburg , Reicher , Oberanzmayr , Kleinoscheg , Födransperg , Grein , Friedrich , Steiner , Meyer usw. Die damaligen Theaterdirektoren Kreibig und Czernitz gaben mir freien Eintritt in ihre Kunstanstalten ; freundlich zog man mich zu öffentlichen Vorlesungen , und so gedachte man meiner bei verschiedenen Gelegenheiten . Mir kann also nichts gefehlt haben . Ich hatte aber noch gar nichts geleistet . Dr. Svoboda hat es eben verstanden , durch wiederholte warme Notizen , durch Veröffentlichung manches meiner Gedichte das Interesse des Publikums für mich warm zu erhalten . Das Studieren kam mir nicht leicht an , ich hatte ein ungeübtes Gedächtnis und für kaufmännische Gegenstände eine Begriffsstützigkeit , wie man sie bei einem Poeten nicht besser verlangen kann . Doch arbeitete ich mit Fleiß und gelassener Ausdauer und nebenbei sehnte ich mich - nach Alpel . Die Südbahn schickte mir manche Freikarte , um mehrmals des Jahres dieses Alpel besuchen zu können . Bemerken möchte ich den Umstand , daß ich trotz meines oft krampfhaften Anschmiegens an die engste Heimat doch stets , und wohl ganz unbewußt , von einem kosmopolitischen Geiste beseelt war , der aber allemal in die Brüche ging , so oft ich in Kriegszeiten die Volkshymne klingen hörte und die schwarzgelbe Fahne flattern sah . Die ganze Welt , alle Völker , alle Menschen liebte ich , sofern sie meinem Vaterlande nicht feindlich waren . Andere Dinge gab es , an denen ich nicht so klar unterscheiden konnte , was das Richtige war . So zum Beispiel in Sachen der Rückhaltslosigkeit und Offenheit . Als Knabe hatte ich selbstverständlich gar keine Meinung , lächelte jeden zustimmend an , der eine Meinung dartat und konnte mich des Tages von mehreren , die verschiedene Ansichten vertraten , überzeugen lassen . Diese Unselbständigkeit dauerte ziemlich lange . Und später , als ich zu einer persönlichen und festen Überzeugung gekommen war , hatte ich lange nicht immer den Mut , dieselbe zu vertreten . Leuten , die oft ganz das Gegenteil von meiner Ansicht behaupteten , konnte ich in mir nicht zu nahe gehenden Dingen gleichgültig beistimmen , erstens um nicht unhöflich zu sein , zweitens um mich nicht Rohheiten auszusetzen , mit denen der Brutale den weicher gearteten Gegner in jedem Falle schlägt . Von diesem Fehler ging ich allmählich zu einer Tugend über , die aber auch mitunter wieder in einen Fehler auszuarten drohte . Ich wurde bei mir nahestehenden Personen und in mir naheliegenden Sachen die Rückhaltslosigkeit und Offenheit selbst . Ich war nicht mehr imstande , anders zu reden , als was in mir lebte . So wurde ich oft rücksichtslos selbst gegen meine Freunde ; es schmerzte mich oft , wenn ich merkte , daß ich ihnen weh getan , aber angeregt oder gereizt , mußte meine Meinung unverblümt über die Zunge . Auch gegen meine öffentlichen Widersacher hätte ich rücksichtsvoller sein dürfen , insofern sie es mit ihrer Sache redlich gemeint haben . Daß ich die Tückischen und Falschen zornig bekämpft , ja manchmal empfindlich verwundet habe , das tut mir nicht leid . So bin ich zu jenem Freimute gelangt , der dem Literaten wohl anstehen mag , dem Menschen im Verkehr mit Menschen aber nicht immer zur Zierde und zum Vorteile gereicht . Ich bin schon frühe in den unverdienten Ruf eines liebenswürdigen Burschen gekommen ; selbstverständlich hat sich von nun an dieser Ruf nicht mehr gesteigert , wodurch meine innere Festigung , Selbständigkeit und geistige Spannkraft allerdings nur gewonnen hat . Indes behaupte ich nicht , daß ich an einer einmal gefaßten Ansicht nun immer unumstößlich festgehalten hätte . Obschon meine Weltanschauung in Ganzen gleich geblieben ist , so habe ich mich einer wirklich überzeugenden Macht niemals verschlossen , habe mich im Laufe meiner Jahre , meiner Erfahrungen und Studien verbessert und mich im Leben , in der Geschichte und Philosophie soviel umgesehen , daß ich nun von einem unumstößlich fest überzeugt bin , nämlich von der Fehlbarkeit aller menschlichen Erkenntnis . Also verrannen die Studienjahre und ich wußte nicht , was aus mir werden sollte . Im günstigsten Falle konnte mich ein Grazer Kaufmann in sein Kontor nehmen , und für diesen Fall kam mir der Gedanke , daß ich ohnehin nicht mehr lange leben werde , wirklich recht bequem . Auf meinen Landausflügen war mir das Auge aufgegangen für etwas , was ich früher immer gesehen , aber niemals geschaut hatte , für die ländliche Natur und für die Landleute . Ich hatte allerdings schon als Kind - und zwar ganz unbewußt - ein Auge für die für Landschaft . Wenn ich mich an die ersten Wanderungen mit Vater und Mutter zurückerinnere , so weiß ich nicht mehr , weshalb wir die Gänge machten , oder was dabei vorfiel oder gesprochen wurde , aber ich sehe noch den Felsen und den Bach und den Baumschlag und weiß , ob