wieder auf . - » Ein adliges Fräulein und unter den Augen der geistlichen Obrigkeit , sie muß doch ein Recht dazu besessen haben , « murmelte sie wohl noch , wurde aber nicht mehr gehört , denn ihr Gespons hatte den Faden bereits wieder aufgegriffen . » So viel steht fest , Lisette , « erklärte er , » hätte Fräulein Hardine mich lebtags mit Streichelfingerchen angefaßt , ich könnte sie vergessen haben . Nun sie sich tätlich an mir vergriffen hat , leibt und lebt sie vor meinen Augen , und würde ich hundert Jahre . Ich war auf diese Weise ein stämmiger Bursche geworden ; kopfhoch größer als sämtliche Kameraden , und in mir rumorte anjetzo nur noch ein einziges Gelüst . Nicht mehr : In den Wald ! wie früherhin . Nein : Ein Pferd unter den Leib und unter die Soldaten ! Ich hatte in meinem Leben die ersten Truppen gesehen . Preußen und Landeskinder waren an dem Kloster vorübergezogen . Nämlich während der Mobilmachung von Anno fünf , wo sie dem Österreicher zu Hilfe wollten . Der Österreicher wurde in der Klemme gelassen , und meine Preußen zogen wieder ab . Aber nächsten Herbst kamen sie retour . Rektamente dem Napoleon auf den Pelz , der bereits auf dem Wege sei , wie es hieß . Da prickelte es mir freilich vom Kopf bis zur Zeh ! Ich hatte aber doch so viel Einsehen , daß sie einen halbwüchsigen , verlaufenen Waisenjungen bei der Armee nicht nehmen würden . Einstweilen spielte ich daher nur Soldat , und es war eine Lust , wie ich die Jungens zusammenwalkte . Ich war der größte und darum von Rechts wegen unser Kurfürst , den ich mir immer nur wie einen Schlagetot vorstellen konnte . Die meisten , aber kleinsten , waren Franzosen und ein Knirps ihr Napoleon . Nun , ich habe ihn gebläut , wie vor zwei Jahren den richtigen Napoleon der alte Marschall Vorwärts und unser iron duke . « » Aber Fräulein Hardine ? « fragte von neuem die erwartungsvolle Hörerin , und der Exwachtmeister antwortete : » Nur Geduld , gleich ist sie wieder da ! Es war am 14. Oktober - solch ein Elendsdatum vergißt sich nicht , Lisette ! - Wir standen zum Morgenbrot im Kreuzgange aufgestellt , als der Propst zu uns trat mit Hut und Stock , zitternd über den ganzen Leib und weiß wie eine Wand . Das erste Blut ist geflossen , sagte er mit bebender Stimme , teures Blut , Heldenblut ! Ihr seid Soldatensöhne , meine Kinder . Eilt in den Wald , pflückt das letzte Eichenlaub und bindet einen Kranz auf das Grab eines tapferen Herrn , der , allen voran , im Kampfe für das Vaterland gefallen ist . Darauf , an mich herantretend , setzte er leise hinzu : Es ist der Vater von Fräulein Hardine , den man gestern als Leiche in ihr Haus gebracht hat . Dort erwarte ich dich , August , mit dem Kranze . Die Waschfrau Becker ( sie versah nämlich nebenbei den Botendienst nach der Stadt ) begleitet dich und zeigt dir das Haus . Damit ging er . Wir Jungen rannten in den Wald . Ich war zu oberst auf den Bäumen und warf die Zweige herab , die unten um einen Faßreif gebunden wurden . Es war ein Stück , daß eine Kuh sich daran hätte satt fressen können , Lisette . Kaum eine Stunde , und ich trabte neben der alten Beckern auf dem Wege nach der Stadt . « » Wenn die Botenfrau sowieso nach der Stadt ging , « fiel hier Frau Lisette , höchlichst gespannt , dem Redner ins Wort , » warum mußtest du sie begleiten , August ? du den Kranz zu Fräulein Hardine tragen ? von allen just du ? Mann , Mann , das war eine Finte ! « » Du kommst auf die Sprünge der alten Klosterklatsche Lisette , « versetzte der Invalid , der allmählich Feuer und Flamme über seiner Erzählung geworden war . » Aber höre nur weiter . Auf dem Wege hatte ich meinen Heidenärger mit dem dummen Weib . Es wäre im Oberlande eine Schlacht geschlagen worden , behauptete sie , die nämliche , in welcher Fräulein Hardines Vater gefallen sei , und der Franzose hätte obtiniert . Das konnte und wollte ich nicht glauben . Ich schimpfte die Alte ein Schandmaul , und würde sie handgreiflich zur Ruhe gebracht haben , wenn , na , wenn sie nicht eben ein Weib und obendrein ein altes Weib gewesen wäre . Die aber blieb baumfest bei ihrem Satz und in der Angst vor dem grausamen Bohnebart . Sie zitterte wie ein dürres Laub , sooft ihr der Name über die Lippen lief . Es war nicht anders , als ob der Bohnebart expreß ins Land gekommen sei , um der alten Beckern auf den Leib zu gehen . So in Gift und Galle kamen wir in die Stadt . Ich hatte noch nie eine gesehen und mir eine Stadt weit anders vorgestellt . Nur hoch oben das große Schloß , wie es allmählich aus dem Nebel hervortrat , das gefiel mir . Da möchte ich wohnen , sagte ich , und die Beckern schmunzelte geheimnisvoll : Nu , wer weiß , Gustel , ob du nicht noch eines Tages in einem Prinzenschlosse logieren tust . Der Bohnebart ist auch nur ein armer Junge gewesen wie du und am Ende ein Kaiser geworden . - Und so ein Knirps ! sagte ich verächtlich . Bei den Worten kamen wir auf den Markt . Die Alte wies auf ein Haus und sprach : Da wohnen die Majors . Das Haus , wiewohl ich es nur das eine Mal und seitdem viel tausend andere gesehen habe , das Haus könnte ich noch malen . Es glich einem Mops , dem einer eine Zipfelmütze aufgebunden hat . Die Beckern setzte sich neben dem Torweg auf eine