der Wurst zum ewigen Gedächtnuß abconterfeie . Am vierten Tag mußte der Herzog richtig mit saurer Miene alle Drommeter und Heerpauker dem Herrn Hilmar zu Ehren posaunen und pauken lassen , und die Ritterschaft hat den Juncker mit Triumph auf den Schultern in sein Quartier getragen und ihn auf das Stroh gelegt zum Verdauen . Der Liegnitzer und Der von Schweinichen sind am folgenden Tage abgezogen , nachdem sie den Wirt kahl genug gemacht ; allein Der von Lawen lag acht Tage und grunzte im Schlaf , und sein Knecht Zwiebrecht Affen pflegte ihn lieblich . Der Liegnitzer und Der von Schweinichen ritten zu Herzogen Heinz von Dannenberg auf das nämbliche Spiel , aber mein gnädiger Juncker Hilmar kam auf einem bekränzten Leiterwagen mit Geschnarrch und im tiefsten Schlaf auf dem Lawenhofe an , und hätt der getreue Knecht Zwiebrecht der Frauen nicht verzählet , was der Gestrenge ausgeführet und zu ewigem Ruhm des Hauses Lawen ausgefressen , mein gestrenger Juncker selber hätt wenig darvon sagen können . « Zweites Kapitel Auf einem etwas später geschriebenen Blatte der Chronik des Lauenhofes ist zu lesen , daß der Herzog Julius eine heftige Abneigung gegen das Geschlecht der Lauen bekommen habe und daß er den Namen nie hören konnte , ohne einen argen Verdruß und Widerwillen kundzugeben ; wir aber hoffen fest , daß jene große Wurst weder in dem Magen noch in dem Gemüte einer unserer zartsinnigen Leserinnen einen Ekel an dem guten Geschlechte und unserer Geschichte erregte , und verpfänden unser Wort , daß ein ähnlicher Diätfehler im fernern Verlaufe ebendieser Geschichte nicht wieder vorfallen soll . Das silberne Glöcklein erklingt , und auf das etwas schauerliche mittelalterliche Schattenspiel , welches doch ein wenig gegen unsern Willen an der Wand aufdämmerte , folgt das Schattenspiel der süßen Gegenwart , die ihrer Verdauungskraft sicher nicht auf eine Viertelmeile Weges hinaus trauen dürfte , allein dafür in anderer Weise Taten ausübt , auf welche sie ebenso stolz sein darf wie der Junker Hilmar auf die seinige im Provianthause zu Wolfenbüttel . Auf den Junker Hilmar folgte der Junker Asche , der noch ziemlich weit in den Dreißigjährigen Krieg hineinreichte und welchem es hundeelend darin ging . Auf diesen folgte Jobst und auf diesen wiederum ein Asche , der unter den Brandenburgern vor Turin das Leben verlor , allein glücklicherweise vorher einen Sohn erzeugt hatte , welcher den Alten Fritz noch als blutjungen Burschen zu Küstrin aus dem Fenster gucken sah und von dessen sechs Söhnen fünf im Siebenjährigen Kriege fielen . Der Überlebende tat das Seinige , den Verlust auszugleichen ; doch auf dem Lauenhofe regierten nur noch zwei Herren von Lauen bis zu Hennig , der bei Beginn dieser Geschichte Stammhalter des Geschlechtes ist und gewissermaßen eine Rolle darin spielt , zuerst freilich nur eine Rolle unter der Vormundschaft seiner Frau Mutter , die sich selber einführen mag , sobald sich die Gelegenheit dazu bietet . Die gnädige Frau ist resolut genug dazu , und wir haben andere Leute , welche einer teilnahmsvollen Einführung eher bedürftig sind als jene . Da ist zuerst und vor allen Dingen mit dem größten Respekt Herr Karl Eustachius von Glaubigern , ein westfälischer Edelmann und armer Vetter , der nach Abschluß des zweiten Pariser Friedens aus dem Kriege verwundet , mit Rheumatismen behaftet und sehr kahl in Beutel und Hoffnungen auf dem Lauenhofe einrückte und - nebst dem Kinde der schönen Marie - den höchsten Anspruch auf Achtung in dieser Historie hat . Er ist langen Wuchses , hält sich ungemein reinlich und nimmt sowenig als möglich Dienstleistungen an . Er geht und spricht langsam , sammelt Wappen , weiß darüber zu reden und zu schreiben und ist der einzige , welchen die gnädige Frau nach dem Tode ihres Gemahls dann und wann um Rat angeht und welcher diesen Rat auch wirklich zu geben weiß . Die Nachbarschaft gibt ihm den Ehrentitel des Ritters , und das Fräulein Adelaide Klotilde Paula von Saint-Trouin nennt ihn den Chevalier ; er aber verdient die Bezeichnung , und zwar nicht allein deshalb , weil er in einem Kürassierregimente gegen die Franzosen zu Felde zog . Das Fräulein Adelaide Klotilde Paula de Saint-Trouin kam einige Jahre früher als er auf dem Lauenhofe an , ist auch einige Jahre älter als er und würde ohne die abscheuliche französische Revolution von 1789 nicht unter den Barbaren des Herzynischen Waldes leben . Sie ist die Tochter des Grafen von Pardiac , der im Anfang dieses neunzehnten Jahrhunderts einer der tüchtigeren Zeichenlehrer zu Berlin war , aber doch in großer Armut starb und seine Tochter dem Großvater des Junker Hennig vermachte . Das Hofgesinde bezeichnet sie kurz als » Frölen « oder höchstens » Frölen Trine « ; aber sie selbst nennt und schreibt sich : Très noble et très puissante Dame Comtesse de Pardiac , Dame Haute-Justicière du Comté de Valcroissant , née Chevalière de Malte par privilège accordé par le Pape Honorius III à la très illustre famille de Jehan de Brienne , premier Prince de Tyr et ensuite Empereur de Constantinople . Zu deutsch : Sehr edle und mächtige Frau Gräfin von Pardiac , Frau und Gerichtsherrin der Grafschaft Valcroissant , geborene Ritterin von Malta zufolge des Privilegs des Papstes Honorius des Dritten , verliehen der sehr glorreichen Familie Johanns von Brienne , ersten Fürsten zu Tyrus und späterhin Kaisers von Konstantinopel . Die Last aller dieser Titel und Würden , welche alle , bis auf die Malteserritterschaft und den Papst Honorius , dem Chevalier ungemein » plausibel « erschienen , hat nicht in der vorteilhaftesten Weise auf den Charakter des Fräuleins eingewirkt . Es fühlt sich selbstverständlich leicht in seiner Würde gekränkt und ist etwas zänkischer Natur . Der Chevalier hat am meisten unter den Launen der Chevalière zu leiden , denn die Gutsfrau hat selten Zeit , darauf zu achten , und weist noch dazu alle Zumutungen mit ihrem Lieblingsworte ab : » Herze , das ist alles dummes Zeug , und darauf kann ich mich nicht einlassen