, Gequiek und Gequak , Gefluch und Gepfeif , Gezeter und Gejodel , und die Sonne beschien heiter die Kirche , das Pfarrhaus , den Gutshof , das Wirtshaus und den Mühlenteich , die Wohnungen der Vollspänner , Halbspänner , Brinksitzer , Kotsassen , Häuslinge und Anbauer und das Haus des pensionierten Steuerinspektors Hagebucher , eines Mannes , der seiner wohlverdienten Ruhe in ländlich sittlicher Abgeschiedenheit , jedoch nicht gar zu entfernt von den Annehmlichkeiten des städtischen Lebens , genoß . Der Storch klapperte auf dem Dache des Steuerinspektors , die Schwalbe bewohnte ungestört ihr Nest an seinen Mauern : den frommen Tauben war alle Gelegenheit zu einer wünschenswerten Vermehrung geboten : über der Pforte stand der biblische Spruch : Gesegnet sei dein Eingang und Ausgang - und hinter der Tür stand der dicke Knüppel für unverschämte Bettelleute , Handwerksgesellen und fremde Hunde ; denn das Haus des Steuerinspektors war dicht an der Landstraße gelegen , und seine Küchenfenster waren nur durch einen Graben von derselben getrennt . Die Front des Hauses bildete mit der Nippenburger Landstraße einen rechten Winkel , und auf drei Seiten war es von einem nicht allzu großen , aber wohlgepflegten Garten mit Gemüsefeldern , Blumenbeeten , Grasplätzen , Obstbäumen und drei Lauben umgeben . Lebendige Hecken und stellenweise ein hölzernes Gitter zogen die Grenzen gegen die übrige Welt . Das Licht aus dem Fenster des Wohnzimmers im untern Stockwerk der Vorderseite und das Herdfeuer aus den Küchenfenstern der rechten Nebenseite warfen im Sommer wie im Winter einen gleich behaglichen Schein in die Abenddämmerung oder die schwarze Nacht . Der Dampf des Schornsteins war so appetitlich wie irgendein Opferrauch , der je zu der unsterblichen Nase Jehovas , Jupiters oder des Gottes der spanischen Inquisition emporstieg , von welchen letztern kirchlich-kulinarischen Darbietungen sich , beiläufig gesagt , die schöne Redensart herschreibt , daß jemand den Braten rieche . Tausende und aber Tausende von müden Wanderern , die auf der Landstraße an dem Hause des Steuerinspektors vorübergezogen waren , hatten den Mann beneidet , während der Winterabend düsterer herabsank und die Schneewolken tiefer sich zur Erde senkten ; wir aber beneiden ihn an diesem Frühlingsmorgen , welcher auf die Heimkehr seines Sohnes Leonhard folgte . Hund und Katze sonnten sich auf der Steinbank vor dem Hause des Steuerinspektors , und der Steuerinspektor selbst rauchte nachdenklich seine Morgenpfeife auf dem mit feinem Sand bestreuten Platze zwischen seiner Tür und seinen Rosenstöcken . Die Steuerinspektorin hielt die Hand über die Augen , um nicht von der Sonne geblendet zu werden , und sah nach den Fenstern des obern Stockwerks hinauf . Fräulein Lina Hagebucher aber saß im Innern des Hauses auf der Treppe , hielt die Hände im Schoße gefaltet , still wie ein Mäuschen , und bewegte in ihrem Herzchen alle Wunder , die sich seit gestern abend an ihr und dem Hause ihrer Eltern erfüllt hatten . Es ist keine Kleinigkeit , wenn ein Bruder , den man im Dienste des Vizekönigs von Ägypten gegen die Nubier gefallen glaubt , von dem man aus frühesten Kindheitsjahren her nur noch eine sehr dunkle Erinnerung hat und der allmählich in der Phantasie zu einem sehr romantischen , märchenhaften Wesen geworden ist , plötzlich auf der Landstraße von Nippenburg heranwandelt und , schlimmer von Aussehen als ein Zigeuner , über die Hecke in die Geißblattlaube guckt , nach dem Papa und der Mama fragt und dann entsetzlich nervös wird , unter lautem Schluchzen sein Inkognito fallenläßt und Lina beim Halse nimmt und sie abküßt , wie es ihr noch nie passierte . So war es geschehen , und Nikola von Einstein , das Ehrenfräulein aus der Residenz , welches sich auf dem Gutshofe zum Besuche oder , wie es sagte , » auf Urlaub « befand , und Sophie und Minchen , die beiden Bumsdorfer Ritterfräulein , konnten es bezeugen , denn sie waren alle drei bei dem Vorgange zugegen und schrien sämtlich mit um Hülfe . Der Papa und die Mama waren im höchsten Schrecken aus dem Hause hervorgestürzt , und Fräulein Nikola schrieb an demselben Abend noch die ganze Geschichte ausführlich , ihre eigenen Gefühle und die aller andern recht anschaulich schildernd , nach der Residenz ; - sie langweilte sich ein klein wenig bei ihrer Milch- und Molkenkur zu Bumsdorf und hatte jetzt zum erstenmal daselbst etwas erlebt , was des Berichtens wert war . Du kleines , flatterndes Herz auf der Treppe , nicht wahr , das war eine schlaflose Nacht ? Hinter der dünnen Wand schluchzte die Mutter , und der Vater lief auf und ab bis zum ersten Hahnenschrei , und du , du weintest und lachtest durcheinander und schwebtest in dem Mirakel von Mondenaufgang bis Mondenuntergang , um dann einen kurzen , unruhigen , ängstlichen Traum davon zu träumen . Nun war es Morgen , die Sonne war aufgegangen , man brauchte sich nicht mehr an der Nase zu zupfen , um sich zu vergewissern , daß man wach sei und seine fünf Sinne sämtlich beieinander habe : die Geschichte , welche Nikola nach der Residenz schrieb , war zweifellos wahr ; die wilden Mohren hatten den Bruder Leonhard nicht erschlagen - er war heimgekehrt und schlief in der blauen Stube . Die Welt und die Zeit hatten mit einem Schlage sich geändert : nicht das Kleinste erschien mehr so , wie es gestern gewesen war ; jeder Ton , jeder Schimmer und Schein hatten eine andere Bedeutung , und doch , wenn Baum und Busch , der Garten und das Feld über Nacht den grünen Rock aus- und einen blauen angezogen hätten , so wäre das durchaus von keiner Bedeutung und ganz und gar nicht merkwürdig gewesen . » Es ist in der Tat eine merkwürdige Geschichte « , sprach aber der Vater Hagebucher , zum dreizehntenmal seine Pfeife in Brand setzend . » Man gibt sich alle Mühe , das Faktum mit Überlegung und Fassung zu behandeln : allein es will nicht gelingen . Mutter , nimm dich zusammen und halte