lag auch etwas so Ehrbares und Züchtiges in ihrem Auftreten , das allen Begegnenden Achtung einflößte und die sie erblickenden Männer , mochten sie dem weltlichen oder geistlichen Stande angehören , nöthigte mit höflichen Grüßen an ihnen vorüberzugehen . Und auch unter den einfacher gekleideten Bürgermädchen , von denen manches den schönen Fremdling mit schelmischen Augen neugierig musterte , gab es liebliche Erscheinungen , an denen Alles nett und sauber war , von dem goldgestickten Riegelhäubchen herab bis zum Schuh , der bis an den Knöchel reichte . Wenn sie das Wasser schöpften , am Brunnen sich neigten und dann das Gefäß zum Kopf mit den bloßen Armen emporhoben , so war so viel Grazie in diesen Bewegungen , als Würde bei dem stolzen Auftreten jener Patrizierinnen . All ' dies Leben und Treiben voll Anmuth und Schönheit der Häuser wie ihrer Bewohner war wohl geeignet den Fremden zu fesseln und gleichsam zu übertäuben , daß er ziel- und planlos durch dasselbe schritt , bis er plötzlich sich am Fuße der Veste gewahrend sich doch besann , daß er hier unmöglich auf dem rechten Wege sein könne und daß es Zeit werde , nun einmal danach zu fragen . Er befand sich eben in einer im Augenblick ziemlich menschenleeren Gasse , als an einem der Häuser eine Thür sich öffnete und ein junger Bursche daraus hervortrat ; hinter ihm hörte man polternde Stimmen und vernahm zuletzt die Worte : » Und somit lass ' es dir gesagt sein , halte dich dazu , Albrecht , und verträumere die Zeit nicht , wie es deine Art ist ! « Dem knabenhaften Jüngling , dem diese Worte mit rauhem Tone ausgesprochen galten , schoß das Blut in ' s feine blasse Gesicht und in die klaren schwärmerischen Augen trat etwas wie eine Thräne . Er schüttelte die langen braunen Locken zurück , die so üppig fast wie Löwenmähnen auf seine Schultern niederflossen , hob einen Topf mit grüner Farbe darauf , indeß er in der andern Hand Pinsel und Richtscheit trug . Diese Hände , zumal die auf das Haupt emporgehaltene , erschienen so weiß , klein und durchsichtig , als wären sie von Alabaster künstlerisch gemeißelt . Die Gestalt war fast klein und schwächlich , aber es lag etwas freudig Selbstbewußtes in ihrer Haltung und sprach von der edlen Stirn trotz der Thräne des Unmuthes im Auge und dem Roth der Scham auf den Wangen , daß der Fremde unwillkürlich davon angezogen ward und gerade ihn sich ausersah nach dem Wege zu fragen . » Gott grüße Euch ! « rief er ihm zu ; » wie es scheint , seid Ihr hier zu Hause und könnt mich berichten ; wie heißt hier diese Gasse ? « » Unter der Veste , « antwortete Albrecht bescheiden den Gruß erwiedernd . » Da bin ich wohl weit von meinem Ziel ? « antwortete der Wanderer mit etwas fremdartigem Idiom , » ich bin an die Bauhütte der freien Steinmetzzunft von Nürnberg gewiesen . « » Da habt Ihr freilich dahin noch durch manche Straße und manches Gäßlein zu gehen , « antwortete Albrecht , » und da Ihr fremd hier zu sein scheint , werdet Ihr Euch schwerlich zurecht finden . Ein Stücklein Wegs aber kann ich Euch jedenfalls geleiten und ich bitt ' Euch mir zu folgen . Und welche Hütte sucht Ihr wohl ? Die große steinerne Bauhütte zu St. Sebald , welche die Baubrüder aufgeschlagen haben , da sie die schöne Sebaldskirche bauten , steht noch dem Rathhaus gegenüber , und bis dahin haben wir nicht weit ; wollt Ihr aber in die Bauhütte bei der St. Lorenzkirche , drinnen wieder fleißig gearbeitet wird , weil ein hoher Chor und eine neue Kapelle zum schönen Bau hinzu gestiftet worden , so müssen wir auf die Lorenzer Seite über die steinerne Brücke hinüber . « » Ihr seid hier wohl bewandert , junger Freund , « antwortete der Fremde , » es ist die Bauhütte von St. Lorenz , in die ich gesandt bin ; aber wiewohl mir Euer Geleit gar willkommen ist , so will ich Euch doch nicht veranlassen um deswillen einen Umweg zu machen , da Ihr wohl keine Zeit zu verlieren habt - « Albrecht erröthete , weil er aus dieser Bemerkung schloß , daß der Fremde die scheltenden Worte , mit denen er vorhin entlassen worden , und wohl gar die Schimpfreden , die vorhergegangen , könne gehört haben . Er unterbrach ihn daher schnell , indem er antwortete : » Mein Weg führt mich auch in diese Gegend . Mein Meister ist gut und wacker , und gerade weil ich an ihm einen nachsichtigen Herrn habe , kann ich ' s nur seinen rohen Knechten nicht zu Dank machen . « » Und wer ist Euer Meister ? « fragte der Fremde . » Der Maler Michael Wohlgemuth , « antwortete Albrecht ; » vielleicht habt Ihr von ihm gehört , denn sein Name klingt wohl weit in das Reich hinaus , da von vielen entfernten Orten Bestellungen an ihn kommen . « » Ei freilich kenn ' ich seinen Namen und habe schon manch ' ein schönes Gemälde in glänzenden Farben auf Goldgrund von ihm gesehen . Hätte ich gewußt , daß es seine Werkstatt war , aus der Ihr tratet , so würde ich der Lust nicht haben widerstehen können mich drinnen umzusehen , « erklärte der Wanderer . Wenn Ihr hier bleibt , « antwortete der Lehrling des Malers , » so findet Ihr Euch schon ein andermal wieder in Michael Wohlgemuth ' s Werkstatt unter der Veste , und es wird mich freuen Euch wieder zu sehen und dem Meister zuzuführen , dessen Verehrer Ihr seid ! « » Ihr wollt also wohl auch ein Maler werden ? « sagte der Fremde . » Ich hoffe es zu Gott , « antwortete Albrecht , » da er mir einmal diesen Drang gegeben , der mir keine Ruhe ließ , obwohl