übel genommen wurde . Er bestimmte mich nämlich zu einem Wissenschafter im allgemeinen . Ich hatte bisher sehr fleißig gelernt und jeden neuen Gegenstand , der von den Lehrern vorgenommen wurde , mit großem Eifer ergriffen , so daß , wenn die Frage war , wie ich in einem Unterrichtszweige genügt habe , das Urteil der Lehrer immer auf großes Lob lautete . Ich hatte den angedeuteten Lebensberuf von dem Vater selber verlangt , und er dem Verlangen zugestimmt . Ich hatte ihn verlangt , weil mich ein gewisser Drang meines Herzens dazu trieb . Das sah ich wohl trotz meiner Jugend schon ein , daß ich nicht alle Wissenschaften würde erlernen können ; aber was und wie viel ich lernen würde , das war mir eben so unbestimmt , als mein Gefühl unbestimmt war , welches mich zu diesen Dingen trieb . Mir schwebte auch nicht ein besonderer Nutzen vor , den ich durch mein Bestreben erreichen wollte , sondern es war mir nur , als müßte ich so tun , als liege etwas innerlich Gültiges und Wichtiges in der Zukunft . Was ich aber im einzelnen beginnen , und an welchem Ende ich die Sache anfassen sollte , das wußte weder ich , noch wußten es die Meinigen . Ich hatte nicht die geringste Vorliebe für das eine oder das andere Fach , sondern es schienen alle anstrebenswert , und ich hatte keinen Anhaltspunkt , aus dem ich hätte schließen können , daß ich zu irgend einem Gegenstande eine hervorragende Fähigkeit besäße , sondern es erschienen mir alle nicht unüberwindlich . Auch meine Angehörigen konnten kein Merkmal finden , aus dem sie einen ausschließlichen Beruf für eine Sache in mir hätten wahrnehmen können . Nicht die Ungeheuerlichkeit , welche in diesem Beginnen lag , war es , was die Leute meinem Vater übel nahmen , sondern sie sagten , er hätte mir einen Stand , der der bürgerlichen Gesellschaft nützlich ist , befehlen sollen , damit ich demselben meine Zeit und mein Leben widme , und einmal mit dem Bewußtsein scheiden könne , meine Schuldigkeit getan zu haben . Gegen diesen Einwurf sagte mein Vater , der Mensch sei nicht zuerst der menschlichen Gesellschaft wegen da , sondern seiner selbst willen . Und wenn jeder seiner selbst willen auf die beste Art da sei , so sei er es auch für die menschliche Gesellschaft . Wen Gott zum besten Maler auf dieser Welt geschaffen hätte , der würde der Menschheit einen schlechten Dienst tun , wenn er etwa ein Gerichtsmann werden wollte : wenn er der größte Maler wird , so tut er auch der Welt den größten Dienst , wozu ihn Gott erschaffen hat . Dies zeige sich immer durch einen innern Drang an , der einen zu einem Dinge führt , und dem man folgen soll . Wie könnte man denn sonst auch wissen , wozu man auf der Erde bestimmt ist , ob zum Künstler , zum Feldherrn , zum Richter , wenn nicht ein Geist da wäre , der es sagt , und der zu den Dingen führt , in denen man sein Glück und seine Befriedigung findet . Gott lenkt es schon so , daß die Gaben gehörig verteilt sind , so daß jede Arbeit getan wird , die auf der Erde zu tun ist , und daß nicht eine Zeit eintritt , in der alle Menschen Baumeister sind . In diesen Gaben liegen dann auch schon die gesellschaftlichen , und bei großen Künstlern , Rechtsgelehrten , Staatsmännern sei auch immer die Billigkeit , Milde , Gerechtigkeit und Vaterlandsliebe . Und aus solchen Männern , welche ihren innern Zug am weitesten ausgebildet , seien auch in Zeiten der Gefahr am öftesten die Helfer und Retter ihres Vaterlandes hervorgegangen . Es gibt solche , die sagen , sie seien zum Wohle der Menschheit Kaufleute , Ärzte , Staatsdiener geworden ; aber in den meisten Fällen ist es nicht wahr . Wenn nicht der innere Beruf sie dahin gezogen hat , so verbergen sie durch ihre Aussage nur einen schlechteren Grund , nämlich daß sie den Stand als ein Mittel betrachteten , sich Geld und Gut und Lebensunterhalt zu erwerben . Oft sind sie auch , ohne weiter über eine Wahl mit sich zu Rate zu gehen , in den Stand geraten oder durch Umstände in ihn gestoßen worden , und nehmen das Wohl der Menschheit in den Mund , das sie bezweckt hätten , um nicht ihre Schwäche zu gestehen . Dann ist noch eine eigene Gattung , welche immer von dem öffentlichen Wohle spricht . Das sind die , welche mit ihren eigenen Angelegenheiten in Unordnung sind . Sie geraten stets in Nöten , haben stets Ärger und Unannehmlichkeiten , und zwar aus ihrem eigenen Leichtsinne ; und da liegt es ihnen als Ausweg neben der Hand , den öffentlichen Zuständen ihre Lage schuld zu geben , und zu sagen , sie wären eigentlich recht auf das Vaterland bedacht , und sie würden alles am besten in demselben einrichten . Aber wenn wirklich die Lage kömmt , daß das Vaterland sie beruft , so geht es dem Vaterlande , wie es früher ihren eigenen Angelegenheiten gegangen ist . In Zeiten der Verirrung sind diese Menschen die selbstsüchtigsten und oft auch grausamsten . Es ist aber auch kein Zweifel , daß es solche gibt , denen Gott den Gesellschaftstrieb und die Gesellschaftsgaben in besonderem Maße verliehen hat . Diese widmen sich aus innerem Antriebe den Angelegenheiten der Menschen , erkennen sie auch am sichersten , finden Freude in den Anordnungen , und opfern oft ihr Leben für ihren Beruf . Aber in der Zeit , in der sie ihr Leben opfern , sei sie lange oder sei sie ein Augenblick , empfinden sie Freude , und diese kömmt , weil sie ihrem innern Andrange nachgegeben haben . Gott hat uns auch nicht bei unseren Handlungen den Nutzen als Zweck vorgezeichnet , weder den Nutzen für uns noch für andere , sondern er hat der