gehen und bei mir bleiben ? « » Ja , « sagte Amrei entschlossen . Da fühlte sie sich von hinten angefaßt und geschlagen . » Du darfst nicht , « rief Dami , der sie umfaßte und sein ganzes Wesen zitterte . » Sei stet , « beruhigte Amrei , » die gute Frau nimmt dich ja auch mit . Nicht wahr , mein Dami geht auch mit uns ? « » Nein , Kind , das geht nicht , ich hab ' Buben genug . « » Dann bleib ' ich auch da , « sagte Amrei und faßte ihren Bruder an der Hand . Die fremde Frau war in sich zusammengeschauert und jetzt sah sie mit einer Art von Erleichterung auf das Kind . In überwallender Empfindung , vom reinsten Zuge des Wohlthuns erfaßt , hatte sie eine That und eine Verpflichtung auf sich nehmen wollen , deren Schwere und Bedeutung sie nicht sattsam überlegt hatte , und namentlich wie ihr Mann , ohne vorher gefragt zu sein , das aufnehmen werde . Als jetzt das Kind selber sich weigerte , trat eine Ernüchterung ein und ihr ward Alles rasch klar ; darum ging sie mit einer gewissen Erleichterung schnell auf die Abwehr ihres Unternehmens ein . Sie hatte ihrem Herzen genügt , indem sie die That thun wollte , und jetzt , da sich Hindernisse entgegenstellten , hatte sie eine eigene Art von Befriedigung , daß die That unterblieb , ohne daß sie selbst ihr Wort zurücknahm . » Wie du willst , « sagte die Bäuerin . » Ich will dich nicht überreden . Wer weiß , vielleicht ist es auch besser so , daß du zuerst groß wirst . In der Jugend Noth ertragen lernen , das thut gut , das Bessere nimmt sich leicht an ; wer noch etwas Rechtes geworden ist , hat in der Jugend Schweres erfahren müssen . Sei nur brav . Aber das behalt ' im Andenken , daß du allzeit , wenn du brav bist , um deiner Eltern willen eine Unterkunft bei mir haben sollst , so lang mir Gott das Leben läßt . Denk ' daran , daß du nicht verlassen bist auf der Welt , wenn dir ' s übel geht . Merk ' dir nur die Landfriedbäuerin in Zusmarshofen im Allgäu . Und noch Eins . Sag ' im Dorf nichts davon , daß ich dich hab ' annehmen wollen ; es ist auch wegen der Leute , sie werden dir ' s übel nehmen , daß du nicht mitgegangen bist . Aber es ist schon gut so . Wart ' , ich will dir noch was geben , daß du an mich denkst . « Sie suchte in den Taschen , aber plötzlich fuhr sie sich an den Hals und sagte : » Nein , nimm nur das . « Sie hauchte sich mehrmals in die steifen Finger , bis sie es zu Stande brachte , denn sie nestelte eine fünfreihige Granatschnur , daran ein gehenkelter Schweden-Dukaten hing , vom Halse und schlang das Geschmeide um den Hals des Kindes , wobei sie es küßte . Amrei sah wie verzaubert drein unter all diesen Hantierungen . » Für dich hab ' ich leider Nichts , « sagte die Frau zu Dami , der eine Gerte , die er in der Hand hielt , in immer kleinere Stücke zerbrach , » aber ich schicke dir ein Paar lederne Hosen von meinem Johannes , sie sind noch ganz gut . Du kannst sie tragen , wenn du größer bist . Jetzt b ' hüt euch Gott , ihr lieben Kinder . Wenn ' s möglich ist , komme ich noch zu dir Amrei . Schicke mir nach der Kirche jedenfalls die Marann . ' Bleibet brav und betet fleißig für eure Eltern in der Ewigkeit und vergesset nicht , daß ihr im Himmel und auf Erden noch Annehmer habt . « Die Bäuerin , die zum behenden Gang ihren Oberrock in Zwickel aufgesteckt hatte , ließ ihn jetzt beim Eingange des Dorfes herab , und mit raschen Schritten ging sie das Dorf hinein und wendete sich nicht mehr um . Amrei faßte sich an den Hals , beugte das Gesicht nieder und wollte immer die Denkmünze betrachten , aber es gelang ihr nicht ganz . Dami kaute an dem letzten Stück seiner Gerte , und als ihn jetzt die Schwester betrachtete und Thränen in seinen Augen sah , sagte sie : » Wirst sehen , du kriegst das schönste Paar Hosen im Dorf . « » Und ich nehm ' sie nicht , « sagte Dami und spie dabei ein Stück Holz aus . » Ich will ihr schon sagen , daß sie dir auch ein Messer kaufen muß . Ich bleib ' heut ' den ganzen Tag daheim , sie kommt ja noch zu uns . « » Ja , wenn sie schon da wär ' , « entgegnete Dami , ohne zu wissen was er sagte ; nur sein Zorn und das Gefühl der Zurücksetzung hatte ihm diesen mißtrauischen Vorwurf eingegeben . Es läutete schon zum Erstenmal , die Kinder eilten ins Dorf zurück . Amrei übergab mit kurzem Bericht den neugewonnenen Schmuck der Marann ' , und diese sagte : » Du bist ja ein Glückskind ! Ich will dir ' s gut aufheben . Jetzt hurtig in die Kirche . « Während des Gottesdienstes sahen die beiden Kinder immer nach der Landfriedbäuerin und beim Ausgang warteten sie an der Thür ; aber die vornehme Bäuerin war von so vielen Menschen umringt , die alle in sie hineinredeten , daß sie sich immer im Kreise drehen mußte , um bald da , bald dort zu antworten . Für den wartenden Blick der Kinder und deren ständiges Nicken fand sie keine Aufmerksamkeit . Die Landfriedbäuerin hatte das jüngste Töchterchen des Rodelbauern , die Rosel , an der Hand ; sie war um ein Jahr älter als Amrei und diese stieß in der Entfernung