der Schöpfung entgegengejubelt . Zur Zeit , da unsere Geschichte anhebt , trug der hohe Twiel schon Turm und Mauern , eine feste Burg . Dort hatte Herr Burkhard gehaust , der Herzog in Schwaben . Er war ein fester Degen gewesen und hatte manchen Kriegszug getan ; die Feinde des Kaisers waren auch die seinen , und dabei gab es immer Arbeit : wenn ' s in Welschland ruhig war , fingen oben die Normänner an , und wenn die geworfen waren , kam etwann der Ungar geritten , oder es war einmal ein Bischof übermütig oder ein Grafe widerspenstig , - so war Herr Burkhard zeitlebens mehr im Sattel als im Lehnstuhl gesessen . Demgemäß ist erklärlich , daß er sich keinen sanften Leumund geschaffen . In Schwaben sprachen sie , er habe die Herrschaft geführt , sozusagen als ein Zwingherr , und im fernen Sachsen schrieben die Mönche in ihre Chroniken , er sei ein kaum zu ertragender Kriegsmann gewesen1 . Bevor Herr Burkhard zu seinen Vätern versammelt ward , hatte er sich noch ein Ehgemahl erlesen . Das war die junge Frau Hadwig , Tochter des Herzogs in Bayern . Aber in das Abendrot eines Lebens , das zur Neige geht , mag der Morgenstern nicht freudig scheinen . Das hat seinen natürlichen Grund2 . Darum hatte Frau Hadwig den alten Herzog in Schwaben genommen ihrem Vater zu Gefallen , hatte ihn auch gehegt und gepflegt , wie es einem grauen Haupt zukam , aber wie der Alte zu sterben ging , hat ihr der Kummer das Herz nicht gebrochen . Da begrub sie ihn in der Gruft seiner Väter und ließ ihm von grauem Sandstein ein Grabmal setzen und stiftete eine ewige Lampe über das Grab ; kam auch noch etliche Male zum Beten herunter , aber nicht allzuoft . Dann saß Frau Hadwig allein auf der Burg Hohentwiel ; es waren ihr die Erbgüter des Hauses und mannigfalt Befugnis , im Land zu schalten und zu walten , verblieben , sowie die Schutzvogtei über das Hochstift Konstanz und die Klöster um den See , und hatte ihr der Kaiser gebrieft und gesiegelt zugesagt , daß sie als Reichsverweserin in Schwaben gebieten solle , solange der Witwenstuhl unverrückt bleibe . Die junge Witib war von adeligem Gemüt und nicht gewöhnlicher Schönheit . Aber die Nase brach unvermerkt kurz und stumpflich im Antlitz ab , und der holdselige Mund war ein wenig aufgeworfen , und das Kinn sprang mit kühner Form vor , also , daß das anmutige Grüblein , so den Frauen so minnig ansteht , bei ihr nicht zu finden war . Und wessen Antlitz also geschaffen , der trägt bei scharfem Geist ein rauhes Herz im Busen und sein Wesen neigt zur Strenge . Darum flößte auch die Herzogin manchem ihres Landes trotz der lichten Röte ihrer Wangen einen sonderbaren Schreck ein3 . An jenem nebligen Tag stand Frau Hadwig im KlosettA2 ihrer Burg und schaute in die Ferne hinaus . Sie trug ein stahlgrau Unterkleid , das in leichten Wellen über die gestickten Sandalen wallte , drüber schmiegte sich eine bis zum Knie reichende schwarze Tunika ; im Gürtel , der die Hüften umschloß , glänzte ein kostbarer Beryll . Ein goldfadengestricktes Netz hielt das kastanienbraune Haar umfangen , doch unverwehrt umspielten sorgsam gewundene Locken die lichte Stirn . Auf dem Marmortischlein am Fenster stand ein phantastisch geformtes dunkelgrün gebeiztes Metallgefäß , drin brannte ein fremdländisch Räucherwerk und wirbelte seine duftig weißen Wölklein zur Decke des Gemachs . Die Wände waren mit buntfarbigen gewirkten Teppichen umhangen . Es gibt Tage , wo der Mensch mit jeglichem unzufrieden ist , und wenn er in Mittelpunkt des Paradiesgartens gesetzt würde , es wär ' ihm auch nicht recht . Da fliegen die Gedanken mißmutig von dem zu jenem und wissen nicht , wo sie anhalten sollen , - aus jedem Winkel grinst ein Fratzengesicht herfür , und wenn einer ein fein Gehör hat , so mag er auch der Kobolde Gelächter vernehmen . Man sagt dortlands , der schiefe Verlauf solcher Tage rühre gewöhnlich davon her , daß man frühmorgens mit dem linken Fuß zuerst aus dem Bett gesprungen sei , was bestimmtem Naturgesetz zuwider . Die Herzogin hatte heute ihren Tag . Sie wollte zum Fenster hinausschauen , da blies ihr ein feiner Luftzug den Nebel ins Angesicht ; das war ihr nicht recht . Sie hub einen zürnenden Husten an . Wenn Sonnenschein weit übers Land geglänzt hätte , sie würde auch an ihm etwas ausgesetzt haben . Der Kämmerer Spazzo war eingetreten und stand ehrerbietig am Eingang . Er warf einen wohlgefälligen Blick auf seine Gewandung , als wär ' er sicher , seiner Gebieterin Augen heut auf sich zu lenken , denn er hatte ein gestickt Hemde von Glanzleinwand angelegt und ein saphirfarbiges Oberkleid mit purpurnen Säumen , alles nach neustem Schnitt ; erst gestern war des Bischofs Schneider von Konstanz damit herübergekommen4 . Der Wolfshund dessen von Fridingen hatte zwei Lämmer der Burgherde zerrissen , da gedachte Herr Spazzo pünktlichen Vortrag zu erstatten und Frau Hadwigs fürstliches Gutachten einzuholen , ob er in friedlichem Austrag sich mit dem Herrn des Schädigers vergleichen oder am nächsten Gaugericht Wehrgeld und Buße einklagen solle5 . Er hub seinen Spruch an . Aber eh ' und bevor er zu Ende gekommen , sah er , daß ihm die Fürstin ein Zeichen machte , dessen Bedeutung einem verständigen Mann nicht fremd bleiben konnte . Sie fuhr mit dem Zeigefinger der Rechten erst nach der Stirn , dann wies sie mit gleichem Finger nach der Tür . Da merkte der Kämmerer , daß es seinem eigenen Witz anheimgestellt sei , nicht nur den Bescheid wegen der Lämmer zu finden , sondern auch sich mit möglichster Beschleunigung zu entfernen . Er verbeugte sich und ging . Mit heller Stimme rief Frau Hadwig jetzt : » Praxedis ! « - Und wie ' s nicht sogleich die Stufen zum Saal herauf huschte , rief sie noch einmal