war betrunken . Aber wo wären wir alle , und die lieben Kinder , die schrien , daß es ein Gotts Erbarmen war ; aber der Wachtmeister gab ' s dem Wirth , daß er mäuschenstill ward . Ich hätt ' s nicht gerathen , mit dem anzufangen . Er hat die Rheincampagne mitgemacht und trägt noch eine Kugel in der Schulter , Alles für seinen König ! sagt er , und wenn Friede bleibt , kriegt er eine Civilanstellung . « Es war eine Veränderung in dem Geheimrath vorgegangen . Von Zorn keine Spur mehr in seinem Gesichte , als er aus der emaillirten Dose ein lange Prise Spaniol nahm , und mit dem Battisttuch den Tabak , der sich ausgestreut , von den Kleidungsstücken abklopfte , und » Ja , ja , so geht ' s in der Welt ! « sagte . Man sah , zwischen Beiden hatte ein langer Verkehr eine Verständigung hervorgebracht , die gewissermaßen in hieroglyphischen Ausdrücken sich Luft machte . Und Jeder verstand den Andern . Offenbar war er an etwas erinnert worden , was er nicht liebte , und ebenso offenbar , daß Charlotte auf einen andern Gegenstand übergesprungen war , entweder , um ihm die Verlegenheit abzukürzen , oder weil dieser Gegenstand für sie einen Zweck hatte . Und doch schien der Geheimrath nicht recht zu wissen , was er sagen sollte , indem er mit einem Finger um den andern ein Rad schlug . » Ja , sieht Sie , Charlotte , « sagte er , » wer das wüsste , ob Friede bleibt , oder ' s wieder losgeht . - Und hat Sie auch das bedacht , ein Kavallerist riecht immer nach dem Stall « - wollte er sagen , oder hatte es gesagt - Zweites Kapitel . Die Geheimräthin mit den spitzen Fingern . - Als die Seitenthür aufging , und die Geheimräthin Schwägerin hereinrauschte . Rauschte , sage ich , denn ihr hellseidenes Kleid , obgleich die Schleppe abgeschnitten , bauschte noch immer in reichen Falten hinter ihr . » Ich hoffe doch nicht zu derangiren , « sagte die Dame , als der Geheimrath in einiger Verlegenheit aufsprang , und die Spanioldose auf die Erde fiel . Wenn sich Charlotte in Verlegenheit gefühlt , fand sie Gelegenheit , sie zu verbergen , indem sie die Dose auflangte , und mit dem zusammengefegten Tabak in der Schürze das Zimmer verließ . » Wie kann meine theure Frau Schwägerin mich überraschen ! « sagte der Ueberraschte . » Die Ueberraschung ist nicht ganz meine Schuld , denn der Herr Schwager hörten in dem konfidentiellen Gespräch , was ich zu meinem Bedauern stören musste , nicht mein Klopfen . Da musste ich endlich , ohne auf die Invitation zu warten , eintreten , denn ich liebe nicht das Lauschen . « Er drückte in verbindlicher Weise ihre Finger an die Lippen und führte sie auf das Canapé . Ob die Finger besonders spitz waren , kann ich für jetzt nicht sagen , denn sie waren in Tricothandschuhen versteckt , und während die eine Hand an den Lippen des Geheimraths ruhte , umfasste die andere den Fächer , um das Spiel zu beginnen , was bei einer Konversation auf dem Canapé nothwendig ist . Aber das ganze Gesicht war , was man spitz nennt . Vielleicht hätte man auch die kleine Gestalt der Dame so nennen mögen , indeß war ein Etwas darin , entweder nenne ich es Anmuth oder Elasticität , was diesen Eindruck verwischte , Alabasterarbeit hätte ein Dichter oder Künstler gesagt , der erst der Hauch des Gedankens oder Gefühls Farbe und Bewegung giebt . Weder jung noch alt , weder schön , noch eigentlich hübsch , konnten doch ihre dunkeln kleinen beweglichen Augen , wenn sie aus den blonden Augenbrauen besondere Blicke schossen , anziehen . Es war schwer zu sagen , wovon diese Blicke sprachen , ob von Verstand , Gefühl , Sinnlichkeit , ob sie stachen , suchten , lockten , ob sie aus einer beglückten oder zerissenen Brust kamen . Sie konnten einen sehr verschiedenen Glanz annehmen , nur nicht den der ursprünglichen Wahrheit , jenen Glanz , der auf den ersten Blick einnimmt und überzeugt . Man sah in diesen Augen , daß sich die Gedanken und Gefühle erst sammeln mussten , um ihrem Blick den Ausdruck zu geben , den sie wollte . Es war überhaupt etwas Besonderes in der Frau ; es lag in ihrem Wesen Ruhe und Unruhe . Man konnte sie in diesem Augenblick für sehr bedeutend , im nächsten für ein gewöhnliches Weib halten . Ihre Kleidung war einfach aber gesucht ; zwischen der zu Grabe getragenen Rokokomode und dem griechischen Ideal , das Mode geworden . Kurze eng anschmiegende Aermel , ein weit ausgeschnitten Kleid mit kurzer Taille , die eine rosaseidne Schärpe noch mehr hervorhob , aber ein Ueberwurf um die Schultern und die langen Handschuhe suchten die Entfaltung der griechischen Nacktheit wieder zu verbergen . Der Geheimrath entschuldigte sich wegen seiner Toilette . Er hatte Ursache . Die Geheimräthin sagte lächelnd , sie hätte für dieses Aeußerliche keinen Sinn . Aber während er seine Füße in den Pantoffeln zu verstecken suchte , ohne sich doch der Bemerkung enthalten zu können , daß er sich von ihnen nicht trennen könne , weil sie noch von seiner seligen Frau gestickt wären , verbarg die Geheimräthin keineswegs ihre sehr zierlichen Füße auf dem Schemel , als sie mit der sanften , fast süßen Stimme , durch die nur zuweilen ein seiner , schneidender Ton fuhr , sagte : » Man muß gestehen , daß der Herr Schwager die Treue gegen die selige Geheimräthin bis zum Exceß kultiviren . « » Und wie geht es denn meinem theuern Bruder , dem Geheimrath ? « seufzte er . » Wir haben uns so lange nicht gesehen . Ach Gott , wir Geschäftsmänner ! « » Er ist in seinen Büchern vergraben . « » Er kultivirt nicht das