, das in der Nähe des Schlosses lag , auch Felix zu dem äußern Gottesdienste anzuhalten , was ganz gegen die Ansicht ihres Mannes verstieß . Caroline , an beständigen Streit mit der Stiefmutter gewöhnt , war gegen das Verletzende der oft wiederkehrenden Zerwürfnisse zwischen sich und ihrem Manne nicht allzu empfindlich , während sein feineres Gemüth beständig darunter litt und bei jedem neuen Anlasse schmerzlicher blutete , so daß das Leben an der Seite seiner Frau ihm bald zu einer drückenden Bürde wurde , gegen die er nur in rastloser Thätigkeit Trost und Zerstreuung fand . Schulen und Fabriken wurden auf seinen Gütern gegründet , Noth und Elend schwanden von seinen Besitzungen , er sah sich nach wenig Jahren von frohen , dankbaren Menschen umgeben und sein großer , ererbter Reichthum nahm mächtig zu . Er wußte , daß er seine Pflicht that , und er that sie gern . Aber je mehr er es fühlte , wie er in dem Gelingen dieser Bestrebungen , in seinen dichterischen Erfolgen und vor Allem in dem fröhlichen Heranwachsen seines Sohnes , alle Mittel zu dem vollkommensten Glück besitze , um so schmerzlicher entbehrte er in der Mutter dieses Knaben die gleichfühlende Gefährtin , die all das Gute mit ihm theilen sollte , und um so größer ward die Entfernung , die ihn geistig von ihr trennte . Was blieb ihm also übrig , als sich endlich vor dem Unerreichbaren entsagend zu bescheiden ? Alles , was er erlangen konnte , war eine verhältnißmäßige Ruhe , und diese strebte er also an . Er gab den Launen Carolinen ' s so weit als möglich nach , ließ sie in ihrer Neigung für Luxus gewähren , er aber lebte seinen Pflichten , seinen Arbeiten und seinem Sohne . III Noch klang die Erinnerung an die letzten Streitigkeiten in Alfred ' s mißmuthiger Stimmung fort , als schon ein neues Unwetter an seinem Ehehimmel heraufzog . Er hatte eine bestimmte Menge von Lebensmitteln festgesetzt , welche allwöchentlich an diejenigen Gutsinsassen vertheilt werden sollten , die durch Alter oder Krankheit zur Arbeit unfähig geworden waren . Jahre lang hatte diese Maßregel ruhig fortbestanden , jetzt aber trat plötzlich der Verwalter mit der Frage an ihn heran , wie er es künftig mit der Austheilung dieser Unterstützung zu halten habe , da er mit dem dazu bewilligten Quantum nicht mehr auszureichen vermöge . Woran liegt das , fragte Alfred , grade jetzt , wo der Gesundheitszustand bei dem schönen Wetter vortrefflich und alle Welt bei der Ernte beschäftigt ist ? In dieser Zeit pflegte doch sonst die Nothwendigkeit der Unterstützung sehr gering zu sein und die Sommermonate mußten den Winter übertragen helfen . Gnädiger Herr ! wendete der Verwalter ein , sonst hatten wir die wöchentlichen Sendungen in ' s Kloster Maria Gnad nicht zu machen . Nach Maria Gnad ? In ' s Kloster ? Was soll das heißen ? Ich meine die Sendung , die ich seit einigen Wochen dort hin schaffen muß . Alfred sah den Verwalter überrascht an , faßte sich aber schnell , den Zusammenhang errathend , und sagte : Ja so ! - nun , ich will das überlegen . Ich werde Ihnen morgen den Bescheid geben , wenn Sie in der Frühe zu mir kommen . Mit dieser Weisung empfahl sich der Verwalter und Alfred eilte zu seiner Frau . Hast Du den Befehl gegeben , fragte er , regelmäßige Lieferungen von Lebensmitteln nach Maria Gnad zu machen ? Ich sehe nicht ein , entgegnete Caroline , die gerade Antwort umgehend , weshalb Du allein Dir das Recht aneignest , Wohlthaten zu spenden ; weshalb ich nicht Theil an den guten Werken haben soll , auf meine Weise ? Daß Du nicht Theil daran nahmst auf vernünftige Weise , hat mich oft genug verdrossen ! entgegnete er ihr . Wie häufig habe ich Dir gesagt , Du könntest wahre Wohlthaten thun auf unsern Gütern , wenn Du Deinen Einfluß auf die Frauen der Leute verständig geltend machen wolltest . Du könntest mir die Hälfte der Arbeit abnehmen , die mir die Gewöhnung der Einwohner zu verständigem Gebrauch ihrer Mittel verursacht ! Ich wollte Dich so gern als die Schöpferin des Guten verehren lassen , das hier allmälig geschieht . Immer bist Du mir dann aber mit kleinlicher Sparsamkeit , mit pietistischen Bedenken entgegengetreten ; und nun befiehlst Du , ohne mich zu fragen , plötzlich Sendungen in das Kloster zu machen , die meinen arbeitsamen Leuten entzogen werden , um drüben die faulen Mönche fett zu füttern ! Um von den frommen Herren an fromme , gottgefällige Christen vertheilt zu werden , die sich durch christlichen Wandel des Beistandes würdig machen , fiel ihm Caroline fest ins Wort . So lange Du Deine Leute in dem unkirchlichen Leben bestärkst , so lange Du sie ermunterst , an den heiligen Tagen zu arbeiten und die Messe zu versäumen , so lange kann Deine Wohlthätigkeit nicht die meine sein ; und sie wird auch keinen Segen bringen weil ihr der Segen des Himmels fehlt . Immer das alte Einerlei ! rief Alfred verdrießlich . Daß ich doch endlich die Mittel begreifen lernte , durch die alle Lehren der Pfaffen Eingang bei Dir finden , während Du bei meinen Vorstellungen , meinen dringendsten Bitten taub bleibst ! Warum bleibst Du taub bei meiner flehentlichen Bitte , Felix , wenigstens im Christenthum , von dem würdigen jungen Manne unterrichten zu lassen , den Kaplan Ruhberg uns vorschlägt ? Weil ich nicht will , daß man den gesunden Verstand des Knaben mit unklaren Begriffen verdunkle ; weil er ein verständiger Mensch werden soll und kein Heuchler , wie Ruhberg und sein Gehilfe es sind . Ehe ich diesen jungen Mann in meinem Hause dulde , lieber - Lieber ? - fragte Caroline spöttisch . Zwinge mich nicht , das Härteste zu sagen ! rief Alfred , als der Diener erschien und den Besuch einer adligen Dame von dem Nachbargute meldete . Sehr willkommen !