und ich sprach nachher , als ich den Verband angelegt hatte und nach Hause gehen wollte , bei Gerhard ein , fand dort Bekannte , und blieb noch eine Stunde sitzen ! Mein Gott ! rief die Mutter , hat sich das schöne Mädchen schwer beschädigt ? Du hörst es ja , antwortete der Vater , sie hat den Fuß gebrochen , und ein schwerer Fall , ein ganz verzweifelter muß es wohl sein , wenn der alte Horn sich entschloß , gerade Eduard rufen zu lassen . Das kannst Du nicht behaupten , lieber Mann ! Eduard ist doch , obgleich einer der jüngern Mediciner , in den ersten Häusern der Stadt Hausarzt , sowohl bei Christen , als bei Juden ; und Du weißt selbst , wie ungemein zuvorkommend ihm überall begegnet wird , und wie sehr man für ihn eingenommen ist ! Ich weiß es wohl , und es freut mich , daß er sich diese Stellung errungen hat , aber eben so wohl weiß ich , daß es jener ganzen Clique gewiß die höchste Ueberwindung gekostet hat , den jüdischen Arzt in ihre engern Kreise zu ziehen . Sie entschuldigen sich vor sich selbst mit dem Nutzen , den er ihnen gewährt , und doch ! wer weiß , ob Eduard überall den gleichen Empfang fände , wenn er sich mit einer Jüdin verheirathete , und für seine Frau dieselben Rücksichten verlangte , als für sich ? Den einzelnen jungen Mann nehmen sie allenfalls gern auf . Eine Familie ? da würden sie vielleicht Bedenken haben . Das glaube ich nicht , sagte die Mutter , im Gegentheil , ich bin überzeugt , daß Eduard nur zu werben braucht , um eine Frau , aus welchem christlichen Hause er wollte , zu bekommen , und ich kann es nicht leugnen , daß ich nichts sehnlicher wünsche , als ihn recht bald eine solche Verbindung schließen zu sehen ! Der Vater lächelte , und Eduard erwiderte : Eine Verbindung der Art , liebe Mutter , werde ich nie eingehen , das weißt Du wohl . Ich werde mich niemals taufen lassen , und Deine ehrgeizigen Hoffnungen für mich , mit denen Du in der Zukunft eine große Laufbahn voll Ehrenstellen , Orden und Würden für mich erblickst , werden sich schwerlich jemals verwirklichen . Es sei denn , daß eine neue Zeit für uns heraufkäme . Die zu schaffen Du Dich berufen fühlst , mit Steinheim , Joseph und Andern , fiel Jenny ein . Ich bitte Dich Eduard , nur beim Frühstück verschone mich mit Politik , nur die eine Tasse Kaffee lasse mich ohne politische Zuthaten genießen . Vater ! verbiete ihm überhaupt , schon beim Frühstück vernünftig zu sein . Er hat ja dazu seine große Praxis , und den ganzen , langen Tag , der Morgen muß für uns sein . Der Vater gab scherzend den gewünschten Befehl und fragte , ob Eduard nicht wisse , wie man bei Horn ' s darauf gekommen sei , gerade ihn rufen zu lassen . Ihr Hausarzt , der alte Geheimrath , fand den Fall sehr bedenklich , berichtete der Sohn , that sehr ängstlich , und daher bestand das Fräulein selbst darauf , sich von ihm nicht den Verband anlegen zu lassen , und verlangte , man solle nach mir schicken . Wenigstens erzählte mir der Commerzienrath es so , ich weiß nicht , ob , um mir begreiflich zu machen , daß er selbst es nicht gethan hätte , oder um mir mitzutheilen , welch schmeichelhaftes Vertrauen die Tochter in mich setze . Ist sie so schön , als sie zu werden versprach ? Ich habe sie in der Schule gekannt , sagte Jenny ; aber spiele nicht den kalten , gefühllosen Arzt , der nichts sieht , als die Krankheit , fügte sie hinzu . Sie ist so schön , daß selbst der Kälteste sich an ihrem Anblick freuen muß , antwortete er ; dabei war sie so geduldig bei dem großen Schmerz , so liebenswürdig gegen die Umgebung , so dankbar gegen mich , daß ich ganz für sie eingenommen bin . Ich würde es sehr bedauern , wenn sie nicht völlig herzustellen wäre . Jenny war ganz glücklich , den Bruder so erwärmt zu sehen , und meinte , die Kranke könne sich glücklich schätzen , die werde gewiß sorgsamer und besser als manche Königin behandelt werden , aber Eduard möge sich bei der Kur nicht zu sehr anstrengen , damit er sich nicht etwa selbst eine Herzkrankheit zuziehe , die leicht unheilbar sein könnte . Nun kam auch Joseph Meier , der Neffe , welcher ebenfalls im Hause wohnte , dazu . Er war fast in gleichem Alter mit Eduard , doch ließ sein düsteres Wesen ihn älter erscheinen als er war . Er hatte ein kluges Aeußere , ohne hübsch zu sein , weil er sehr unregelmäßige Züge hatte , und gewöhnlich etwas mürrisch aussah . Nur selten flog ein Lächeln über das markirte Gesicht und verbreitete ein mildes Licht über die Augen , die eigentlich höchst gutmüthig waren , aber fast immer brütend zur Erde blickten . Joseph und Eduard waren von Kindheit an die besten Freunde gewesen , und hatten , einander gegenseitig ergänzend , sich zu dem gebildet , was sie geworden waren , zu tüchtigen Menschen , Jeder in seiner Art. Nur fehlte Joseph das liebenswürdige Wesen , der schöne ungezwungene Anstand , die Eduards Erscheinung so angenehm machten ; und vor Allem hatte dieser eine angeborene Beredsamkeit , während Joseph in den meisten Fällen nur kurz und abgebrochen sprach . Natürlich wurde bei Josephs Ankunft das eben Mitgetheilte wiederholt und nochmals besprochen . Er ließ sich das Ganze ruhig erzählen , und sagte dann mit seinem gewöhnlichen sonderbaren Lächeln : O ja , so sind sie , wenn sie Dich brauchen , können sie recht liebenswürdig sein . - Aber höre doch einmal , wie sie von Dir reden , wenn sie unter sich