etwas erleiden , und er könnte leicht eine haben , welche viel mehr brauchte und dazu nicht verrichtete , was sein Änneli . Änneli kam es allerdings manchmal bis in die Fingerspitzen , wenn ein Metzger für eine Kuh bot , daß es ihr schien , sie dürfte das Geld kaum nehmen , und die Kuh gab wenig Milch , nicht einmal gute und nur kurze Zeit . Die Kuh war nichts als schön , und Christen konnte doch nicht von ihr lassen , nahm das Geld nicht , behielt sie im Stalle , wo sie nichts nutzte , als einer bessern den Platz zu verschlagen und daß hie und da jemand sagte : Das sei die schönste Kuh in manchem Dorfe weit herum , man könne weit laufen , ehe man eine solche antreffe . Und manchmal kam es ihr vor , als sollte sie aus der Haut fahren , wenn die Sonne so warm am Himmel stand , das Korn so reif auf dem Felde , der Montag war aber noch nicht da , und Christen saß behaglich ums Haus herum oder ging erst ans Bändermachen , welche in andern Häusern längst fertig waren . Und wenn dann endlich der Montag kam und mit ihm alle die vielen Leute , welche Christen nötig glaubte , für welche alle Änneli kochen mußte , und eine Wolke stand in einer Ecke am Himmel , und von wegen der Wolke stand Christen mit allen seinen Leuten vom Morgenessen bis zum Mittagessen ums Haus herum , werweisend , ob sie einhauen wollten oder nicht , und sie kamen am Mittag alle wieder zum Essen , und kein Halm war noch abgehauen , so wollte es Änneli fast über den Magen kommen , und es legte sich wie ein Stein über ihr Herz . Und dann dachte sie , es müsse jeder Mensch seine Fehler haben und jeder seine Bürde , und wenn Christen nicht so wäre , so hätte sie auch gar nichts und müßte fürchten , daß etwas viel Ärgeres käme . Darum wollte sie sich auch nicht beklagen ; andere Weiber hätten es ja viel schlimmer , und während der Mann alles vertäte , sollten sie nichts brauchen . Und was hätte sie davon , wenn ihr Christen in alle Spitzen gestochen wäre und in allem der Erste , und er wäre dann wüst gegen sie und gegen Andere , gönnte niemand etwas und dächte nur ans Raxen und hätte kein Herz als nur fürs Geld und das Fürschlagen ? Sie wollte doch mit hundert Andern nicht tauschen , und wenn Christen auch nicht der Erste hinterm Korn sei , so sei er auch nicht der Erste hinterm Wirtshaustische , und wenn er auch oft der Letzte im Heuet sei , so sei er doch nie der Letzte , der von einem Markt heimkomme oder sonst von einer Lustbarkeit , und wenn man so eins ins Andere rechne , so wüßte sie nur zu rühmen , und Sünde wäre es , zu klagen , und Keinen wüßte sie , an welchen sie ihren Christen tauschen möchte . Wo das Gemüt der Menschen noch auf diese Weise rechnet , da weist es sich nicht nur zurecht , sondern es ist auf dem Wege zur Zufriedenheit mit seinem Schicksale , ist rechter Dankbarkeit gegen Gott fähig , nimmt dem Mißgeschick seinen Stachel , den Fehlern der Mitmenschen ihre Säure . Nur da , wo der Gesichtskreis sich verengert , so daß man das Gute nicht mehr sieht , sondern nur das Böse , wo das Gefühl sich schärft für das Unbeliebige und in gleichem Maße der Sinn abnimmt für das Dankenswerte , nur da ist das Unglück fertig und der Abgrund öffnet sich , aus welchem als grauenvolles Gespenst die Zwietracht steigt . Wie der östreichische Soldat auf die Haselbank , ist der arme Mensch mit seinen eigenen Gedanken fast wie mit seinen Haaren gefesselt an das , was ihn drückt , beschwert , kann nicht mehr loskommen , stöhnt , klöhnt , zappelt , zanket , webert , wimmert , aber alles umsonst , er ist angeschmiedet mit Fesseln , gegen welche keine Feile hilft . Menschen können ihm nicht helfen , und Gott will es nicht , denn wer sich hinstreckt auf diese Bank , der hat auch von Gott gelassen . Christen und Änneli waren also allerdings glücklich und auf dem Wege zu noch größerem Glück , weil sie sich und ihr Geschick wogen mit der Wage der Dankbarkeit , welche der Mensch Gott schuldig ist . Nun geschah es freilich auch , daß dem Einen oder dem Andern ein empfindlich Wort entfuhr , aber so verblümt , daß es unter vielredenden Stadtleuten nicht einmal beachtet worden wäre . Daß Christen zum Beispiel sagte , wenn Änneli es anbot , ein Schnäfeli Fleisch ihm ins Hinterstübli zu stellen : » He , es ist mer gleich , wenn du noch hast . « Das fühlte Änneli schon als Trumpf , weil sie das Bewußtsein hatte , daß sie allerdings aus Erbarmen manches weggegeben , was Christen auch genommen und vielleicht vermißt hatte . Wenn aber Christen so drehte und an nichts hin wollte und seine vielen Leute im Taglohn , aber nicht an der Arbeit hatte , so gramselte es Änneli wohl in den Gliedern und es entfuhr ihm die Frage : Wenn sie nichts zu tun wüßten , so wollte es sie an den Kabis z ' bschütten reisen . Christen empfand das übel , weil er wohl wußte , daß sie viel genug zu tun hätten , wenn er nur daran hin könnte , und daß seiner Frau so viele Leute , welche nichts täten und doch Lohn und Essen wollten , katzenangst machen müßten . Solche Worte kamen freilich selten , aber hier und da entrannen sie doch . Es wurde darüber nicht geeifert und gezankt , wie es zuweilen unter hochgebildeten Leuten der Fall ist , daß vor aller Welt um einen halben Birnenstiel Mann