Stall , wenn er ein Weibsbild von weitem sah . Wem es vielleicht auffallen mag , daß Uli solche Angst vor Anne Lisi hatte , daß seine Liebe zu demselben so schnell vergangen schien , dem muß ich bemerken , daß Uli gar keine Liebe hatte . Er gehörte unter die vielen , vielen Bursche , welche aus Großtuerei die leidige Sitte des Kiltganges treiben so früh möglich , welche dabei ohne Gewissensbisse , ich mochte fast sagen ganz gedankenlos , alles treiben , was Lust und Gelegenheit ihnen darbieten , welche ohne Ahnung von Gefahr flattern um das Licht wie die Fliegen und auf eine , wenn man dieser Leute Gedankenlosigkeit nicht kennte , fast unglaubliche Art aufschrecken , wenn die notwendigen , natürlichen Folgen eintreten , wenn ein Mädchen sie der Vaterschaft beklagt , aufschrecken wie Menschen , die man mit verbundenen Augen an einen Abgrund geführt , ihnen die Binde erst abnimmt , wenn man sie hineinstößt . Bei ihnen wird nie Liebe sichtbar , sobald ein Mädchen sie anklagt ; sie fliehen die Mädchen , mit welchen sie früher so zärtlich getan , sie so oft zu Gast gehalten , nicht nur , sie hassen sie recht eigentlich . Und dies wollen die Mädchen trotz tausendfältiger Erfahrung nie begreifen , die Mädchen , welche mit ihrer lästerlichen Willfährigkeit , ja Zutäppigkeit sich Huld und Liebe zu erwerben und zu erhalten meinen . Der Bauer und seine Frau ließen den Burschen machen ; es war , als ob sie sich nicht um ihn kümmerten . Es war aber nicht so . Die Frau hatte ein paar Male zum Manne gesagt : Uli tue doch so wüst , sie hätte ihn noch nie so gesehen ; ob er ihm wohl nicht zu scharf zugesprochen ? Der Mann wollte das nicht glauben ; Uli sei ja nicht über ihn allein böse , sondern über die ganze Welt , sagte er . Er glaube , er sei eigentlich am meisten böse über sich selbst und lasse es nun an Andern aus . Am Sonntag wolle er mit ihm noch einmal reden , so könne es nicht mehr gehen , das müsse nun einmal halten oder brechen . Er solle es aber doch nicht zu grob machen , sagte die Frau . Daneben sei Uli nicht der Schlimmste ; man wisse , was man an ihm habe , aber nie , was man bekomme . Zweites Kapitel Ein heiterer Sonntag in einem schönen Baurenhause Der Sonntag kam am Himmel herauf , hell , klar , wunder schön . Die dunkelgrünen Gräslein hatten mit demantenen Kränzlein ihre Stirnen geschmückt und funkelten und dufteten als süße Bräutlein in Gottes unermeßlichem Tempel . Tausend Finken , tausend Amseln , tausend Lerchen sangen die Hochzeitlieder ; weißbärtig , ernst und feierlich , aber mit den Rosen der Jugend auf den gefurchten Wangen , sahen die alten Berge als Zeugen auf die holden Bräutlein nieder , und als Priesterin Gottes erhob sich hoch über alle die goldene Sonne und spendete in funkelnden Strahlen ihren Hochzeitsegen . Der tausendstimmige Gesang und des Landes Herrlichkeit hatten den Bauer früh geweckt , und er wandelte andächtigen Gemütes dem Segen nach , den ihm Gott beschert hatte . Er durchging mit hochgehobenen Beinen und langen Schritten das mächtige Gras , stund am üppigen Kornacker still , an den wohlgeordneten Pflanzplätzen , dem sanft sich wiegenden Flachse , betrachtete die schwellenden Kirschen , die von kleiner Frucht starrenden Bäume mit Kernobst , band hier etwas auf und las dort etwas Schädliches ab und freute sich bei allem nicht nur des Preises , den es einsten gelten , nicht nur des Gewinnes , den er machen werde , sondern des Herren , dessen Güte die Erde voll , dessen Herrlichkeit und Weisheit neu sei jeden Morgen . Und er gedachte : wie alles Kraut und jedes Tier jetzt den Schöpfer preise , so sollte es auch der Mensch tun , und mit dem Munde nicht nur , sondern mit seinem ganzen Wesen , wie der Baum in seiner Pracht , wie der Kornacker in seiner Fülle , so der Mensch in seinem Tun und Las sen. » Gott Lob und Dank ! « dachte er , » ich und mein Weib und meine Kinder , wir wollen dem Herren dienen , und er braucht sich unser nicht zu schämen . Wir sind wohl auch arme Sünder und haben nur einen geringen Anfang der Gottseligkeit , aber wir haben doch ein Herz zu ihm und vergessen ihn nie einen ganzen Tag lang und essen nichts , trinken nichts , daß wir ihm nicht danken , und nicht nur mit Worten , sondern von Herzensgrund . « Aber wenn er des Uli gedachte und wie der liebe Gott ihn so fürstlich ausgestattet mit Gesundheit und Kraft und wie Uli seines Schöpfers so ganz vergesse , so schnöde seine Gaben mißbrauche , so wurde er ganz wehmütig und stund oft und lange still , sinnend , was er ihm wohl sagen solle , daß er wie , der werde ein Preis seines Schöpfers . Es war ihm an seiner eigenen Seele viel gelegen , darum an den Seelen Anderer auch , und wie er teilnahm , wenn ein Knecht oder eine Magd am Leibe krank war , so schmerzte es ihn auch , wenn er ihre Seelen in Gefahr sah , und wie er für kranke Diensten den Doktor kommen ließ , so suchte er auch ihre kranken Seelen zu doktern . So was ist nicht immer der Fall . Den meisten Menschen ist an den eigenen Seelen nichts gelegen , darum auch an den Seelen der Andern nicht . Das ist ein Grundübel dieser Zeit . So verweilete sich der Bauer unvermerkt , und die Mutter hatte schon lange gesagt , sie wollte zum Essen rufen , wenn der Ätti da wäre . Als er zur Küchetüre ein kam mit der freundlichen Frage , ob sie gekochet hätten , und als ihm die freundliche