dem Sofa und hatte Migräne ; dabei redete ich ein Kauderwelsch von Französisch und Deutsch , wie es zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts während der großen Sprachverderbnis Mode war . In jenen wechselnden Kostümen , und in diesem Deutsch , gorge-de-pigeon , bestand das Interessante ; was aber den Spleen angeht , so führte ich immer Kampfer bei mir , um das Geheimnis frisch zu erhalten . Davon bekommt man nämlich eine blasse Couleur ; ich sah bald aus , als hätte ich schon zehn Jahre im Grabe gelegen . Als ich mich eines Tages in meinem Toilettenspiegel , deren ich damals , wo ich der Eitelkeit frönte , stets mehrere besaß , zu Gesichte bekam , und meine bleiche Farbe erblickte , ging mir ein lichter Gedanke im Kopfe auf . Sehe ich nicht wie eine Leiche aus ? sagte ich zu mir selber . Ich will mich den Verstorbenen nennen . Gesagt , getan ! Dieser Einfall hat Wunder gewirkt . Einen Verstorbenen hatten die Deutschen noch nicht gehabt . Und nun gar ein Verstorbener , der so traulich mit ihnen zu plaudern wußte , und ihnen tausend Geschichtchen erzählte , die ein Lebender allenfalls auch in jedem Klatschzimmer der Sozietät hätte auftreiben können ! Jung und alt , Männer und Weiber , Gelehrte und Idioten drängten sich zu den Leichenspuren des Verstorbenen ; die alte Fabel wurde wieder neu , welche das Volk hinter einem geschmückten Verwesten jubelnd herwandern läßt . Geheime Künste haben es aus der Gruft emporbeschworen , die Menge zu locken . Die Jünglinge drängen sich begehrlich heran , mit der buntgeschminkten Frau Venus zu tanzen ; immer weiter lockt die pestdampfende Schönheit , welche ihnen wie Zibet und Ambra riecht , die Lüsternen ; endlich auf einem Kirchhofe fallen die Gewänder von den klappernden Gebeinen ab , und ein scheußliches Skelett faucht ihnen den Spruch zu : Sic transit gloria mundi . Aber mit mir kam es nicht so weit , vielmehr blieb ich , obgleich ein duftender Verstorbener , recht inmitten der Gloria Mundi . Nachdem ich so berühmt geworden war , strich ich durch die ganze Welt , kam auch im Vorbeigehen durch Afrika ; in Algier wurde ich arabisch mit allen Formalitäten , hatte dann gutes Logis bei Vizekönigs von Ägypten . Er wurde mein Duzbruder , und ich mußte ihm tausend Sachen erzählen , die er mir alle geglaubt hat . Weiter oberhalb nach Nubien zu , unfern der großen Katarakte , stieß mir ein hübsches Abenteuer mit einem Nilpferde auf . Ich sitze am Strom im Schilf , in naturalibus , wie mich der Herr geschaffen hat , denn anders bin ich in Afrika nie gegangen ; esse mein Mittagsbrot in guter Ruhe , siehe da , schießt eine Bestie von Hippopotamos auf mich zu , und hat mich im Rachen , ehe ich noch rufen kann : Qui vive ! Ich indessen nehme in der Geschwindigkeit mein bißchen Geistesgegenwart zusammen , schreie in dem Rachen , als das Vieh mich eben verschlucken will : Monsieur ! Monsieur ! avec permission , je suis son Altesse telle et telle ! Was geschieht ? Sie mögen es mir glauben oder nicht : Die gute Seele von Nilpferd spuckt mich auf der Stelle aus , wischt sich die Tränen aus den Augen ... « » Womit ? Womit ? « rief der Baron . » ... mit einem Palmblatte , welches die ehrliche Haut in die rechte Vorderpfote nimmt ; errötet , und rennt beschämt davon . So weit haben es Vizekönigs schon in Ägypten gebracht , daß selbst die Hippopotamoi vor literarischen Sommitäten Respekt bezeigen . « » Ich meine , das Nilpferd nähre sich nur von Vegetabilien , nicht von Fleisch « , wandte das Fräulein bescheiden ein . » Es ist vermutlich kurzsichtig gewesen , und hat mich für eine Pflanze angesehen « , antwortete der Freiherr . » Ich weiß , was ich weiß ; ich habe im Rachen drin gesteckt . Wahrheit muß Wahrheit bleiben , und ehrlich währt am längsten . Wo blieb ich stehen ? Ja , in Afrika . Warum soll ich Sie aber mit solchen Kleinigkeiten aufhalten ? Ich war bald afrikamüde , wie ich europamüde gewesen war , beschloß daher nach Amerika zu reisen , vorher aber einen Abstecher nach Deutschland und England zu machen , wohin mich verschiedne Gründe zuvor riefen . Erstens hatte ich das Interessante und den Spleen etwas verlernt , und wollte daher wieder in Berlin und in London meinen Kursus machen . In Afrika sind die Leute gar nicht interessant , der Koran begünstigt diese Richtung nicht , eine arabische Schnauze ist wie die andre , und was den Spleen betrifft , so vertreibt den der Vizekönig von Ägypten durch die Bastonade ; es gibt kein efficaceres Mittel gegen Schwermut , als sie . Einmal hatte ich mich mit ihm etwas brouilliert , wie das unter Freunden wohl kommen kann ; da dachte ich an die möglichen Folgen für die Fußsohlen , und von dem Gedanken schon war aller Spleen weg , selbst bis auf die Erinnerung . Es kam zum Glücke nicht zu jenen Folgen , wir versöhnten uns und aßen noch denselben Mittag Sauerkraut mit Schweineohren zusammen , denn er ist ein aufgeklärter Türke , und will nächstens in einer Schrift beweisen , daß Mahomet ein Produkt der Gläubigen sei . Wo blieb ich stehen ? Ja so ; bei dem Spleen . Nun , das Interessante hatte ich aus Mangel an Anschauungen in meiner Umgebung ebenfalls wieder eingebüßt . Ich mußte also schon deshalb nach Deutschland und England . Diesmal war ich genötigt , in Berlin für den Unterricht im Interessanten eine Bonne zu nehmen , die Mère Oye , der es im Rückblick auf Personen und Zustände nicht gegangen war wie Lots Weibe bei einer ähnlichen Gelegenheit . Denn , anstatt zur Salzsäule zu erstarren , war sie nur immer gesprächiger und merkurialischer geworden . Viele Leute wollten der guten Mère