zauberische Beleuchtung , indem sie die Strahlen der Sonne , welche einen warmen Frühlingstag verklärt hatten , sanft verhüllten . Wer hätte nicht der Natur Momente abgelauscht , wo die wunderbare Gestaltung der Wolken oder das durch Nebel gebrochene Licht so phantastische Erscheinungen hervorruft , daß wir uns an die reizenden Fabeln erinnert fühlen , denen wir schon im Schooß der Wärterin horchten , und die mit ihren goldnen Bäumen auf Wiesen von Smaragd , ihren Palästen von Rubin und Edelstein , ihren Ursprung in nichts Anderem , als in solchen zauberischen Naturgemälden , gehabt haben mögen . Die weite Aussicht von dem Standpunkt , an den wir hier unsere Mittheilungen hauptsächlich anknüpfen , zeigte eine entzückende Vereinigung erhabener und lieblicher Naturgegenstände , und das Auge konnte von keinem unbefriedigt zurückkehren . Wir befinden uns in dem schönsten Theile der Grafschaft Nottingham , zwischen Chesterfield und den anmuthigen Höhen von Cheffield . Hier lag das Stammschloß der Grafen von Derbery , Herzöge von Nottingham , und bildete mit seinen weitläuftigen Wäldern und reizenden Thälern den vornehmsten Theil dieser Gegend , indem es zugleich ein prächtiges und ausgezeichnetes Denkmal verschiedener Jahrhunderte mit ihrem fortschreitenden Geschmack und erweitertem Bedürfniß darstellte . Es brachte seinen alten Namen , Godwie-Castle , aus einer so grauen Vorzeit herüber , daß selbst das alte Geschlecht , das sich jetzt seine Besitzer nannte , es nicht wohl erweisen konnte , ob es einen ihrer fernen Urväter als Erbauer des eigentlichen Castells nennen dürfe , das mit seinen von der Zeit fast spurlos verwischten Wappenschildern alle Bemühungen der Heraldik vereitelte . Nicht weniger aber ward es mit einer Sorgfalt geehrt und erhalten , von der es zweifelhaft blieb , ob sie der Verehrung für die früheste Periode der Baukunst angehöre , oder dem schmeichelhaften Glauben an einen bis in die graueste Vorzeit reichenden Besitz . Gewiß blieb es aber , daß die Vergrößerungen des Schlosses , die eben so vielen verschiedenen Zeiten , als Besitzern , angehörten , stets mit einem schonenden Rückblicke auf die erste , wenn auch rohe , doch von Ausdehnung zeugende Anlage unternommen wurden . So war , von dem frühesten Bedürfniß , nur eine gesicherte Wohnung zu besitzen , bis zu der freieren Existenz in einer Zeit , die , durch öffentliche Sicherheit , Reichthum und vorschreitende Bildung , das Schöne und Angenehme forderte und zuließ , ein überall beabsichtigter , wenn auch oft schwer zu erreichender Zusammenhang unter den verschiedenen Bauwerken beobachtet worden . Das Castell , das so als der älteste Theil bezeichnet ward , lag an dem Rande einer Höhe , die unfehlbar in früheren Zeiten einen Theil der Befestigungen getragen hatte und den späteren Besitzern , welche hier nur unscheinbare Trümmer vorfanden , den weiten Raum für ihre großartigen Anlagen gab . Das Castell war noch immer der Eingang zum Schlosse geblieben , und allerdings dazu durch den Ernst und die Größe seiner Formen und die überall noch sichtbaren Befestigungen sehr geeignet . Die breiten geebneten Wege , die das Thal und den Wald in verschiedenen Richtungen durchschnitten , liefen in dem weiten grünen Raume zusammen , der sich vor den Befestigungen ausbreitete und gegen Norden hin von dem prächtigen Walde in einem Halbkreis umschlossen ward . Die wasserreichen Gräben mit ihren grünen Wällen und befestigten Brücken schienen noch jetzt einer kriegerischen Macht jeden Widerstand bieten zu können , doch blieb dem gründlicheren Beobachter nicht lange verborgen , wie diese schirmenden Wälle und Gräben sich sanft hinter der Hügelreihe in den schönen Wiesengründen verloren , die dem Thal nach Süden hin mit dem Zauber der Kultur eine bessere Aussicht auf Schutz und Sicherheit gewährten . Von dort aus zogen sich die Meiereien und ländlichen Wohnungen der Fischer und Waldheger , welche zerstreut angebaut waren , in einem Kreise um den Park , der nach Abend hin einen See umschloß . Die größte Ausdehnung hatte dieser nach Norden und verband sich dort mit dem Walde , der bis dicht an die Terassen des Schlosses seine mächtigen Häupter trug und , durch roh in Stein gehauene Stufen damit verbunden , theilweis zu den Park-Anlagen benutzt war . Noch immer unterhielt man auf den verschiedenen Brückenthürmen Wächter , welche die Ankunft von Fremden aus der Ferne schon durch den Ruf ihrer Hörner verkündigten . Aber an die grauen Thürmchen mit ihren Schießscharten und Fallgattern lehnten sich freundliche Hütten ; und blühende rothwangige Kinder , in trauter Gemeinschaft mit den zahmen Bewohnern des Waldes , die die grünenden , von der Sonne beschienenen Wälle gern zu ihren Futterplätzen ersahen , schienen die einzige streitbare Macht dieser ersten Festungslinie . Doch überschritt wohl keiner die letzte Brücke , ohne einen Augenblick zu weilen und den Ueberblick zu genießen , der diese großartige Architektur zugleich als eine interessante Geschichte der Baukunst darstellte . Den Eingang zum Castell erreichte man über eine Zugbrücke , die unmittelbar in ein hohes gewölbtes Thor führte , das von zwei sonderbar gewundenen und mit Gallerien verbundenen Thürmen gehalten ward . Man hatte alsdann den Schloßhof erreicht , und dem Eingangsthor gegenüber zeigte sich die schönste , wenn auch nicht die älteste Seite des Castells . Sie gehörte einer spätern Zeit und schon bestimmt der gothischen Baukunst an ; aber sie war - durch welche Begebenheiten , blieb unentschieden , - in ihrem oberen Ausbaue der Zerstörung am meisten anheim gefallen und zeigte nur noch die unteren Räume erhalten , die in drei hohen gewölbten Hallen bestanden und den Durchgang nach dem zweiten Schloßhof bildeten . Mit angenehmem Erstaunen sah man sich von hier aus dem prächtigen Wohngebäude gegenüber , das , mit allem Glanz seiner stets reichen Besitzer in dem reinsten Style errichtet , den wohlthuenden Eindruck hervorrief , als ob man die Herrschaft des Schönen unter dem Schutze civilisirterer Zeiten hier aufgeblüht sähe . Das Schloß lag auf dem höchsten Punkte und daher höher , als das Castell , und der Schloßhof führte in breiten gemauerten Wegen die leichte Anhöhe hinan . Die Hinterseite des Schlosses lag auf der