daß er es anfangen möge , wie er wolle , er beglücke niemand . Leute seiner Art , die an völlige Isolation und in ihren Geschäften an etwas Mechanisches gewöhnt sind , werden gleich ungeduldig , wenn sie irgend etwas Fremdes durchkreuzt . Seit vier Jahren , daß wir verheirathet sind , habe ich den Sommer immer still hier verlebt . Eduard würde sehr frappirt über den Gedanken gewesen sein , ihn auf seiner Sonnabendsfahrt begleiten zu wollen . Das geschah nie . Warum jetzt ? Fühlen Sie nicht , wie der Einsame das zum Gegenstande mißtrauender Grübeleien gemacht hätte ? Nein , Sophie , Sie heben auch nur Menschen nach vorausgesetzten Annahmen heraus . Das hindert Sie , zu sehen , was Sie sonst sehen würden . Ich hoffe , Ihre Geschäfte sind beendet , und Sie kommen morgen , mich zu versöhnen . Eduard an Elise Arbeiten dringender Art zwingen mich , meinen hiesigen Aufenthalt um mehrere Tage zu verlängern . Ich ergreife eine schickliche Gelegenheit , welche sich mir in der Amtsreise unsers Justizraths darbietet , Dich , liebe Elise , in Zeiten davon zu benachrichtigen . Sein Weg nach dem Schlosse des Comthur geht bei unserm Landsitze vorbei , und so paßt sich alles genau zu meinem Zwecke . Du wirst noch diesen Abend von meiner verspäteten Rückkehr unterrichtet , bevor Du im mindesten in Ungewißheit über deren Veranlassung sein kannst . Ich nehme diese Vorsichtsmaaßregeln mehr in meiner als in Deiner Seele , weil mir der Gedanke jeder Unbestimmtheit zuwider und der thätigen Wirksamkeit so überaus hemmend ist . Auch benutze ich diese Veranlassung , Dich in ähnlichen Fällen zu derselben Aufmerksamkeit zu verpflichten . Vergebliches Warten hat immer den peinlichsten Zeitverlust zur Folge ; und einmal aus dem Gleise , in dem man sich bequem fühlt , herausgerissen , werden wir zuletzt auch für das stumpf , was wir herbei wünschten , und das uns nun in einer gewissen Unordnung der Empfindungen überrascht , ohne doch zu befriedigen . Wenn es Dir schwer werden sollte , hierin meinem Beispiele zu folgen , so wird Dich vielleicht die Betrachtung williger dazu machen , daß die meisten Verdrüßlichkeiten und Mißverständnisse im Umgange , aus Mangel rücksichtlicher Beachtung der Lebensordnung herrühren , wodurch , mit der einen Störung , welche Diesen oder Jenen empfindlicher als Andere trifft , zugleich eine allgemeine Erschütterung und eine ganze Kette häuslicher Unbilden hervorgeht . Mit dem Wunsche , Dich und Georg bei meiner Rückkehr wohl zu finden , umarme ich Euch beide zärtlichst . Elise an Sophie Können Sie sich denn keinen Augenblick abmüßigen ? - Ich sitze hier in tausend Aengsten , von Gewissensbissen und Sorgen gemartert . Fort kann ich nicht , allein wird mirs zu viel , und Sie schweigen und kommen nicht . Denken Sie nur ums Himmels Villen , die gute kleine Amtmannsfrau ist tödlich erkrankt . Erhitzung , Erkältung , Gott weiß , ob on später her oder jetzt erst veranlaßt ? hat sie mit einem Fieber niedergeworfen , das selbst den Arzt für ihr Leben zittern läßt . Gestern Abend ward ich hinüber gerufen . Die Leute wußten nichts mehr mit dem Manne anzufangen . Ich war im Augenblicke dort . Schon von aussen hörte ich die Kranke laut und hell sprechen . Mir schlug das Herz , die Kniee zitterten mir , ich öffnete zögernd die Thüre . Vorn , in der Wohnstube , saßen die ältesten Knaben und weinten still in ihrem Winkelchen . Ein allerliebstes kleines Mädchen aß in seliger Unbewußtheit unter Lachen und Kreischen die Abendsuppe . Der rüstige starke Amtmann schwankte mit gefaltenen Händen , ganz zusammengebrochen , von einer Thüre zur andern , wollte Dies und Jenes bestellen , holen , wußte nicht , was er sagte , was er that ; die Augen waren ihm , von der ungewohnten Thränenfluth , wie erloschen , die Stimme bebte , unaussprechlicher Jammer sprach aus den schlaffen Zügen . Als er mich gewahr wurde , brach er von neuem in Thränen aus . Ach ! stöhnte er , meine Hand in der seinen pressend , und sie krampfhaft festhaltend ! » Wer hätte das gedacht . « Es war alles , was er hervorbringen konnte . Während dem rief ihn die Kranke wiederholt . Er stürzte an ihr Bett . Sie schien unruhig . Es waren aber nur wirthschaftliche Erinnerungen , die sie zu machen hatte . In diesem Augenblick war sie gewiß besonnen . Es hatte alles Zusammenhang , und Hand und Fuß , was sie sagte . Ich näherte mich ihr . Sie bemerkte es . Ganz verständig sagte sie mir guten Abend . Ich drückte blos ihre Hand , die sie mir reichte , ohne etwas zu sagen , aus Furcht , sie durch fremde Vorstellungen zu verwirren . Allein die Vorsicht war unnütz . Mein bloßer Anblick zog sie in ein Zwielicht schwankender Erinnerungen zurück . Sie lächelte , sprach von ihrem Vater , und sagte dann noch etwas , das mir recht auffiel . Es war , als rede sie vom Comthur , indem sie des Fremden auf dem Schlosse erwähnte und hinzu fügte : Jetzt bereuet er alles ! was wird ' s helfen ! der Bruder ist todt ! Der junge Mensch ! - - Sie warf den Kopf in die Höhe , so , als gehe sie der nicht sonderlich viel an . Hernach fragte sie etwas , das ich nicht verstand . Das ging alles durch einander . Allein jedesmal , wenn ihr die Besonnenheit zurückkehrte , war sie mit den Gedanken in ihrer Wirthschaft und den häuslichen Angelegenheiten . Sie hatte recht freundliche Worte für ihren Mann . Der Kinder gedachte sie nur , in Hinsicht ihrer Pflege und Wartung , auch Einiges zu erinnern . Verfiel sie dann wieder in Phantasien , so hatte sie eine ganz andere Sprache , erhöhte Gefühle , confuse , aber doch besondere Bilder . Es war Vater und Mutter , und eine schöne