bunten Farben um ihn her abstach , gaben ihm ein ernstes , beinahe trauriges Aussehen , das kaum ein wenig milder wurde , wenn ein Schimmer von Freundlichkeit , hervorgelockt durch die glücklichen Einfälle der Blondine , wie ein Wetterleuchten durch das finstere Gesicht zog . Diese Gruppe , so verschieden in sich durch Farbe und Schattierung , wie durch Charakter und Jahre , zog hin und wieder die Aufmerksamkeit der Untenstehenden auf sich . Manches Auge hing an den schönen Mädchen , und sie beschäftigten eine Weile durch ihre überraschende Erscheinung jene müßige Menge , die schon ungeduldig zu werden anfing , daß das Schauspiel , dessen sie harrten , noch immer sich nicht zeigen wollte . Es ging schon stark auf Mittag ; die Menge wogte immer ungeduldiger , preßte sich stärker , und hin und wieder hatte sich schon einer oder der andere aus den Reihen der ehrsamen Zünfte auf den Boden gelagert , da tönten drei Stückschüsse von der Schanze auf dem Luginsland herüber , die Glocken des Münsters begannen tiefe volle Akkorde über die Stadt hinzurollen , und im Augenblick hatten sich die verworrenen Reihen geordnet . » Sie kommen , Marie , sie kommen « , rief die Blonde im Erkerfenster , und schlang ihren Arm um den Leib ihrer Nachbarin , indem sie sich weiter zum Fenster hinausbeugte . Das Haus des Herrn von Besserer bildete die Ecke der vorerwähnten Straße , von dem Erker konnte man hinab beinahe bis an das Donautor , und hinüber bis in die Fenster des Rathauses , sehen , und die Mädchen hatten also ihren Standpunkt trefflich gewählt , um das Schauspiel , dessen sie harrten , ganz zu genießen . Die Gasse zwischen den beiden Reihen des Volkes war indes mit Mühe weiter gemacht worden , die Stadtwächter stellten sich mit weit ausgestreckten Hellebarden auf , tiefe Stille herrschte unter der ungeheuren Menge , nur das Geläute der Glocken tönte noch fort . Jetzt hörte man den dumpfen Schall der Pauken , vermischt mit den hohen Klängen der Zinken und Trompeten , und durch das Tor herein bewegte sich ein langer glänzender Zug von Reitern . Die Stadtpauker und Trompeter , die berittene Schar der Ulmer Patriziersöhne war eine zu alltägliche Erscheinung , als daß das Auge lange darauf verweilt hätte . Als aber das schwarze und weiße Banner der Stadt , mit dem Reichsadler , als Fahnen und Standarten aller Größen und Farben , zum Tor hereinschwankten , da gedachten die Zuschauer , daß jetzt der rechte Augenblick gekommen sei . Auch unsere Schönen im Erkerfenster schärften jetzt ihre Blicke , als man die Menge am untern Teil der Straße ehrerbietig die Mützen abnehmen sah . Auf einem großen starkknochigen Rosse nahte ein Mann , dessen kräftige Haltung , dessen heiteres , frisches Ansehen in sonderbarem Kontrast stand , mit der tief gefurchten Stirne und dem schon ins Graue spielenden Haar und Bart. Er trug einen zugespitzten Hut mit vielen Federn , einen Brustharnisch über ein enganschließendes rotes Wams , Beinkleider von Leder mit Seide ausgeschlitzt , die wohl von neuem recht hübsch gewesen sein mochten , aber durch Regen und Strapazen eine einförmige dunkelbraune Farbe erhalten hatten . Weite schwere Reiterstiefel schlossen sich unter den Knien an . Seine einzige Waffe ein ungewöhnlich großes Schwert mit langem Griffe ohne Korb , vollendet das Bild eines gewaltigen , unter Gefahren früh ergrauten Kriegers . Der einzige Schmuck dieses Mannes war eine lange goldene Kette von dicken Ringen , fünfmal um den Hals gelegt , an welcher ein Ehrenpfennig von gleichem Metall auf die Brust herabhing . » Sagt geschwind , Oheim ! wer ist der stattliche Mann , der so jung und alt aussieht « , rief die Blonde , indem sie das Köpfchen ein wenig nach dem schwarzen Herrn , der hinter ihr stand , zurückbeugte . » Das kann ich dir sagen , Berta « , antwortete dieser , » es ist Georg von Frondsberg6 , oberster Feldhauptmann des bündischen Fußvolkes , ein wackerer Mann , wenn er einer besseren Sache diente ! « » Behaltet Eure Bemerkungen für Euch , Herr Württemberger « , entgegnete ihm die Kleine , indem sie lächelnd mit dem Finger drohte , » Ihr wißt , daß die Ulmer Mädchen gut bündisch sind ! « Der Oheim aber , ohne sich irremachen zu lassen , fuhr fort : » Jener dort auf dem Schimmel ist Truchseß Waldburg , der Feldlieutenant7 , dem auch etwas von unserem Württemberg wohl anstünde ; dort hinter ihm kommen die Bundesobersten ; weiß Gott , sie sehen aus wie Wölfe , die nach Beute gehen . « » Pfui ! verwitterte Gestalten ! « bemerkte Berta , » ob es wohl auch der Mühe wert war , Bäschen Marie , daß wir uns so putzten ? Aber siehe da , wer ist der junge schwarze Reiter auf dem Braunen ? sieh nur das bleiche Gesicht und die feurigen schwarzen Augen ! Auf seinem Schilde steht , ich hab ' s gewagt . « » Das ist der Ritter Ulerich von Hutten « , erwiderte der Alte , » dem Gott seine Schmähworte gegen unsern Herzog verzeihen wolle . Kinder ! das ist ein gelehrter frommer Herr ; er ist zwar des Herzogs bitterster Feind , aber ich sage so , denn was wahr ist , muß wahr bleiben ! 8 Und siehe , da sind Sickingens9 Farben , wahrhaftig da ist er selbst ; schaut hin Mädchen , das ist Franz von Sickingen , sie sagen , er führe tausend Reiter in das Feld , der ist ' s mit dem blanken Harnisch und der roten Feder . « » Aber sagt mir Oheim « , fragte Berta wieder , » welches ist denn Götz von Berlichingen , von dem uns Vetter Kraft so viel erzählt ; er ist ein gewaltiger Mann und hat eine Faust von Eisen ; reitet er nicht mit den Städten ? « » Götz und die Städtler