bald über den allzu großen Eifer , den sie verraten hatte . Der Professor nahm eine Prise , klopfte den Jabot aus und begann : » Es mögen nun ungefähr zwölf Jahre sein , als ich wegen eines Prozesses einige Monate in Stuttgart zubrachte . Ich wohnte in einem der ersten Gasthöfe und speiste auch dort gewöhnlich in großer Gesellschaft an der Wirtstafel . Einmal kam ich nach einigen Tagen , in welchen ich das Zimmer hatte hüten müssen , zum erstenmal wieder zu Tisch . Man sprach sehr eifrig über einen gewissen Herrn Barighi , der seit einiger Zeit die Mittagsgäste durch seinen lebhaften Witz , durch seine Gewandtheit in allen Sprachen entzücke ; in seinem Lob waren alle einstimmig , nur über seinen Charakter war man nicht recht einig , denn die einen machten ihn zum Diplomaten , die andern zu einem Sprachmeister , die dritten zu einem hohen Verbannten , wieder andere zu einem Spion . Die Türe ging auf , man war still , beinahe verlegen , den Streit so laut geführt zu haben ; ich merkte , daß der Besprochene sich eingefunden habe und sah - « » Nun ? ich bitte Sie ! denselben , der uns « - » denselben , der uns seit einigen Tagen so trefflich unterhält . Dies wäre übrigens gerade nichts Übernatürliches , aber hören Sie weiter : zwei Tage schon hatte uns Herr Barighi , so nannte sich der Fremde , durch seine geistreiche Unterhaltung die Tafel gewürzt , als uns einmal der Wirt des Gasthofs unterbrach : Meine Herren , sagte der Höfliche , bereiten Sie sich auf eine köstliche Unterhaltung , die Ihnen morgen zuteil werden wird , vor ; der Herr Oberjustizrat Hasentreffer zog heute aus , und zieht morgen ein . Wir fragten , was dies zu bedeuten habe , und ein alter grauer Hauptmann , der schon seit vielen Jahren den obersten Platz in diesem Gasthof behauptete , teilte uns den Schwank mit : Gerade dem Speisesaal gegenüber wohnt ein alter Junggeselle , einsam in einem großen öden Haus ; er ist Oberjustizrat außer Dienst , lebt von einer anständigen Pension , und soll überdies ein enormes Vermögen besitzen . Derselbe ist aber ein kompletter Narr und hat ganz eigene Gewohnheiten , wie z.B. daß er sich selbst oft große Gesellschaft gibt , wobei es immer flott hergeht . Er läßt zwölf Couverts aus dem Wirtshaus kommen , feine Weine hat er im Keller , und einer oder der andere unsrer Marqueurs hat die Ehre zu servieren . Man denkt vielleicht , er hat allerlei hungrige oder durstige Menschen bei sich ? Mitnichten ! alte , gelbe Stammbuchblätter , auf jedem ein großes Kreuz , liegen auf den Stühlen , dem alten Kauz ist aber so wohl , als wenn er unter den lustigsten Kameraden wäre ; er spricht und lacht mit ihnen , und das Ding soll so greulich anzusehen sein , daß man immer die neuen Kellner dazu braucht , denn wer einmal bei einem solchen Souper war , geht nicht mehr in das öde Haus . Vorgestern war wieder ein Souper , und unser neuer Franz dort schwört Himmel und Erde , ihn bringe keine Seele mehr hinüber . Den andern Tag nach dem Gastmahl kommt dann die zweite Sonderbarkeit des Oberjustizrats . Er fährt morgens früh aus der Stadt , und kehrt erst den andern Morgen zurück ; nicht aber in sein Haus , das um diese Zeit fest verriegelt und verschlossen ist , sondern hierher ins Wirtshaus . Da tut er dann ganz fremd gegen Leute , welche er das ganze Jahr täglich sieht , speist zu Mittag , und stellt sich nachher an ein Fenster , und betrachtet sein Haus gegenüber von oben bis unten . Wem gehört das Haus da drüben ? fragt er dann den Wirt . Pflichtmäßig bückt sich dieser jedesmal und antwortet : Dem Herrn Oberjustizrat Hasentreffer , Ew . Exzellenz aufzuwarten « . - » Aber Herr Professor , wie hängt denn Ihr toller Hasentreffer mit unserem Natas zusammen ? « fragte ich . » Belieben Sie sich doch zu gedulden , Herr Doktor « , antwortete jener , » es wird Ihnen gleich wie ein Licht aufgehen . Der Hasentreffer beschaut also das Haus und erfährt , daß es dem Hasentreffer gehöre . Ach ! derselbe , der in Tübingen zu meiner Zeit studierte ? fragt er dann , reißt das Fenster auf , streckt den gepuderten Kopf hinaus , und schreit Ha-a-asentreffer - Ha-a-asentreffer . Natürlich antwortet niemand , er aber sagt dann , Der Alte würde es mir nie vergessen , wenn ich nicht bei ihm einkehrte , nimmt Hut und Stock , schließt sein eigenes Haus auf , und so geht es nach wie vor . Wir alle « , fuhr der Professor in seiner Erzählung fort , » waren sehr erstaunt über diese sonderbare Erscheinung , und freuten uns königlich auf den morgenden Spaß . Herr Barighi aber nahm uns das Versprechen ab , ihn nicht verraten zu wollen , indem er einen köstlichen Scherz mit dem Oberjustizrat vorhabe . Früher als gewöhnlich versammelten wir uns an der Wirtstafel und belagerten die Fenster . Eine alte baufällige Chaise wurde von zwei alten Kleppern die Straße herangeschleppt , sie hielt vor dem Wirtshaus ; Das ist der Hasentreffer , der Hasentreffer , tönte es von aller Mund , und eine ganz besondere Fröhlichkeit bemächtigte sich unser , als wir das Männlein , zierlich gepudert , mit einem stahlgrauen Röcklein angetan , ein mächtiges Meerrohr in der Hand , aussteigen sahen . Ein Schwanz von wenigstens zehn Kellnern schloß sich ihm an ; so gelangte er ins Speisezimmer . Man schritt sogleich zur Tafel ; ich habe selten so viel gelacht , als damals , denn mit der größten Kaltblütigkeit behauptete der Alte , geraden Weges aus Kassel zu kommen , und vor sechs Tagen in Frankfurt im Schwanen recht gut logiert zu haben . Schon vor dem Dessert