Gebieter seiner eignen Thaten und eines sehr bedeutenden Vermögens geworden . Er verbrachte seine Jugend theils auf Reisen , theils an Höfen auswärtiger Fürsten , und fand überall die Aufnahme , zu welcher Rang , Reichthum und eine ausgezeichnet vortheilhafte Gestalt ihn berechtigten . Durch keinen äußern Zwang zurückgehalten , stürzte er sich in den Strudel des großen Lebens , suchte rastlos alle Genüsse , gab sich ohne Maaß und Ziel allen Freuden hin , welche es bietet , bis er , erschöpft und abgestumpft , im reifern Alter des ewig wiederkehrenden Einerleis überdrüssig ward und ihm entsagte , um ernstern Plänen zu folgen . Herrschsucht und Ehrgeiz traten jetzt in seinem Gemüth an die Stelle der Sucht nach ewigem Wechsel des Vergnügens ; die Gunst des Fürsten , an dessen Hofe er eben lebte , zeichnete ihn vor allen andern aus und steigerte seinen Wunsch nach dem nächsten Platz neben dem Thron bis zur Leidenschaft , indem sie ihm ein Recht darauf zu geben schien . Anfänglich war es , als ob das Glück sein Streben begünstigen wollte ; er erklimmte eine Stufe nach der andern , stieg immer höher und höher ; aber das Gelingen machte ihn unvorsichtig , es schläferte seine Wachsamkeit ein , Feinde , die er gar nicht beachtete , arbeiteten im Verborgnen ihm entgegen ; und so ward auch ihm das Schicksal , das schon so viele in seiner Lage traf , er fiel plötzlich , als er am sichersten zu stehen glaubte , und um so tiefer , je höher er gestiegen war . Aarheims Fall zerriß die Verbindung mit der Tochter eines großen , glänzenden Hauses , wenig Tage vor dem zur Vermählungsfeier bestimmten , und als er Besinnung genug gewann , um sich zu schauen , sah er sich furchtbar verlassen . Kein einziger Freund war ihm geblieben , seine Jugend früh und längst an ihm vorüber geschwunden , den größten Theil seines Vermögens hatten seine frühere Lebensweise und seine spätern großen Pläne verzehrt , seine Gesundheit war zerrüttet , er selbst erkannte in sich nur noch den Schatten von dem , was er einst gewesen war . Sein Gemüth erstarrte in bitterm Haß , in tiefer Verachtung aller Menschen , vor allem der Frauen , und er schwur sich selbst , jeden geselligen Umgang so viel möglich Zeitlebens zu meiden . Von seinen vielen Gütern war ihm nur sein Stammgut geblieben , es lag tief im Gebirge , im Gebiet eines andern Fürsten ; dorthin beschloß er vor dem Anblick der Welt zu fliehen , die ihn so unbarmherzig gemißhandelt hatte . Er raffte die Trümmern seiner übrigen Habe zusammen und eilte , sich in die tiefste Einsamkeit zu vergraben , in welcher nur demüthige Diener und zitternde Unterthanen seine Umgebung bildeten . So lebte er mehrere Jahre und ward mit jedem Tage härter , schroffer und finsterer . Der Brief eines Verwandten erinnerte ihn endlich einmal an die Außenwelt , die er so gern ganz vergessen hätte ; es fiel ihm ein , daß sein noch immer sehr beträchtliches Gut Mannlehn war , und nach seinem Tode an einen entfernten Vetter fallen müsse , den er allein schon deshalb als seinen ärgsten Feind betrachtete , ohne ihn weiter zu kennen . Er war es leider gewohnt worden , von allen Menschen das Aergste zu vermuthen , und ahnete also auch bei seinem muthmaßlichen Erben das sehnlichste Verlangen nach seinem baldigen Tode , vielleicht gar Pläne , ihn zu beschleunigen ; daher beschloß er plötzlich , sich noch im Spätherbst seines Lebens zu vermählen , um seinem Agnaten diese Hoffnung und Freude zu verderben . Seine Wahl fiel auf Augusten von Rohrbach , die elternlos und arm auf einem kleinen Gute unfern Schloß Aarheim einsam traurige Tage bei einer alten Tante verlebte . Er hatte das Fräulein nie gesehen , ehe er um ihre Hand sich bewarb , aber der Ruf ihrer Schönheit und der unermüdeten Geduld , mit der sie den Launen einer höchst wunderlichen Frau sich fügte , war bis in seine Einsamkeit gedrungen , und dies hinlänglich , ihn für sie zu bestimmen . An Liebe glaubte er nicht und war weit entfernt , sie zu fordern ; ihm genügte Gehorsam von seiner künftigen Gattin , und diesen zweifelte er nicht unter solchen Umständen zu erlangen oder zu erzwingen . Auguste von Rohrbach war in frühester Kindheit zur mutterlosen Waise geworden ; ihr Vater hatte sie erzogen . Sein diplomatischer Beruf erlaubte ihm keinen festen Wohnsitz , sondern trieb ihn rastlos durch fast alle die glänzendsten Städte Europens ; doch ließ er sich dadurch nicht hindern , seinem einzigen Kinde die möglichste Sorgfalt zu weihen . Ueberallhin mußte Auguste ihrem Vater folgen , und sobald ihr Alter es erlaubte , benutzte er alle Gelegenheiten , ihr in jeder Stadt , wo sie längere Zeit lebten , die besten Lehrer zu verschaffen , um sie in allen , ihrem Geschlechte zusagenden Wissenschaften und Künsten unterrichten zu lassen . Die freigebige Natur hatte das Kind nicht nur mit einer höchst anmuthigen Gestalt ausgestattet , sie begünstigte es auch mit seltenem Talent und schneller Fassungsgabe . Und so geschah es denn gar bald , daß Auguste der Stolz ihres Vaters ward , ein Kleinod , mit dem er gern bei jeder Gelegenheit prunkte und auf dessen seltnen Werth er große Pläne für kommende Zeiten erbaute . So wie sie älter ward , suchte er alle ihre Vorzüge ins hellste Licht zu stellen ; kein Schmuck , der ihre schöne Gestalt erheben konnte , war ihm zu kostbar , überall mußte das junge Mädchen vor den erlesensten Zirkeln ihr musikalisches Talent üben , im einzelnen Tanz oder durch die zu jener Zeit als etwas ganz neues bewunderten Attitüden der Lady Hamilton die Zuschauer entzücken , und auf alle Weise bestmöglichst glänzen und schimmern . Bei dieser Erziehung wäre Auguste eine eitle Thörin geworden , wenn nicht zum Glück den Kindern auffallende Fehler ihrer Eltern oft zu schützenden Warnern auf ihrem Lebenswege