mein hochverehrtester , mein teurer , mein geschätzter Meister Abraham ! - Nur zwei Personen nannten ihn schlechtweg » Mein Lieber ! « Ein großer dürrer Mann in papageigrünen Hosen und weißseidenen Strümpfen und eine kleine , sehr dicke Frau mit schwarzem Haar und einer Menge Ringe an allen Fingern . Jener Herr soll aber ein Fürst , die Frau hingegen eine jüdische Dame gewesen sein . Dieser vornehmen Besucher unerachtet , wohnte Meister Abraham doch in einem kleinen hochgelegenen Stübchen , so daß ich meine ersten Promenaden sehr bequem durchs Fenster aufs Dach und auf den Hausboden machen konnte . - Ja ! es ist nicht anders , auf einem Boden muß ich geboren sein ! - Was Keller , was Holzstall - ich entscheide mich für den Boden ! - Klima , Vaterland , Sitten , Gebräuche , wie unauslöschlich ist ihr Eindruck , ja , wie sind sie es nur , die des Weltbürgers äußere und innere Gestaltung bewirken ! - Woher kommt in mein Inneres dieser Höhesinn , dieser unwiderstehliche Trieb zum Erhabenen ? Woher diese wunderbar seltene Fertigkeit im Klettern , diese beneidenswerte Kunst der gewagtesten genialsten Sprünge ? - Ha ! es erfüllt eine süße Wehmut meine Brust ! - Die Sehnsucht nach dem heimatlichen Boden regt sich mächtig ! - Dir weihe ich diese Zähren , o schönes Vaterland , dir dies wehmütig jauchzende Miau ! - Dich ehren diese Sprünge , diese Sätze , es ist Tugend darin und patriotischer Mut ! - Du , o Boden , spendest mir in freigebiger Fülle manch Mäuslein , und nebenher kann man manche Wurst , manche Speckseite aus dem Schornstein erwischen , ja wohl manchen Sperling haschen und sogar hin und wieder ein Täublein erlauben . » Gewaltig ist die Liebe zu dir , o Vaterland ! « - Doch ich muß rücksichte meiner - ( Mak . Bl . ) » - - und erinnern Sie sich , gnädigster Herr , denn nicht des großen Sturms , der dem Advokaten , als er zur Nachtzeit über den Pontneuf wandelte , den Hut vom Kopfe herunter in die Seine warf ? - Ähnliches steht im Rabelais , doch war es eigentlich nicht der Sturm , der dem Advokaten den Hut raubte , den er , indem er den Mantel dem Spiel der Lüfte preisgab , mit der Hand fest auf den Kopf gedrückt hielt , sondern ein Grenadier riß mit dem lauten Ausruf : Es weht ein großer Wind , mein Herr , vorüberlaufend , schnell den feinen Kastor dem Advokaten unter der Hand von der Perücke , und nicht dieser Kastor war es , der in die Wellen der Seine hinabgeschleudert wurde , sondern des Soldaten eignen schnöden Filz führte wirklich der Sturmwind in den feuchten Tod . Sie wissen nun , gnädigster Herr , daß in dem Augenblick , als der Advokat ganz verblüfft dastand , ein zweiter Soldat mit demselben Ausruf : Es weht ein großer Wind , mein Herr ! vorüberrennend , den Mantel des Advokaten beim Kragen packte und ihn ihm herabriß von den Schultern , und daß gleich darauf ein dritter Soldat mit demselben Ausruf : Es weht ein großer Wind , mein Herr ! vorbeilaufend , ihm das spanische Rohr mit dem goldnen Knopf aus den Händen wand . Der Advokat schrie aus allen Kräften , warf dem letzten Spitzbuben die Perücke nach und ging dann barhäuptig ohne Mantel und Stock hin , um das merkwürdigste aller Testamente aufzunehmen , um das seltsamste aller Abenteuer zu erfahren . Sie wissen das alles , gnädigster Herr ! Ich weiß , erwiderte der Fürst , als ich dies gesprochen , ich weiß gar nichts und begreife überhaupt nicht , wie Ihr , Meister Abraham , mir solches wirres Zeug vorschwatzen könnt . Den Pontneuf kenne ich allerdings , er befindet sich zu Paris , und bin ich zwar niemals darüber zu Fuße gegangen , wohl aber oft darüber gefahren , wie es meinem Stande geziemt . Den Advokaten Rabelais habe ich niemals gesehen und um Soldatenstreiche in meinem ganzen Leben mich nicht bekümmert . Als ich in jüngern Jahren noch meine Armee kommandierte , ließ ich wöchentlich einmal sämtliche Junkers durchfuchteln für die Dummheiten , die sie begangen oder künftig noch begehen möchten , das Prügeln der gemeinen Leute war aber die Sache der Leutenants , die damit meinem Beispiel gemäß auch allwöchentlich verfuhren , und zwar Sonnabends , so daß Sonntags es keinen Junker , keinen gemeinen Kerl in der ganzen Armee gab , der nicht seine gehörige Tracht Schläge erhalten , wodurch die Truppen , nächst der eingeprügelten Moralität , auch ans Geschlagenwerden überhaupt gewöhnt wurden , ohne jemals vor dem Feinde gewesen zu sein , und in diesem Fall nichts anders tun konnten als schlagen . - Das leuchtet Euch ein , Meister Abraham , und nun sagt mir um tausend Gottes willen , was wollt Ihr mit Eurem Sturm , mit Eurem auf dem Pontneuf beraubten Advokaten Rabelais , wo bleibt Eure Entschuldigung , daß das Fest sich auflöste in wilder Verwirrung , daß mir eine Leuchtkugel ins Toupet fuhr , daß mein teurer Sohn in das Bassin geriet und von verräterischen Delphinen bespritzt wurde über und über , daß die Prinzessin entschleiert mit aufgeschürztem Rock wie Atalanta durch den Park fliehen mußte , - daß - daß - wer zählt die Unglücksfälle der verhängnisvollen Nacht ! - Nun , Meister Abraham , was sagt Ihr ? Gnädigster Herr , erwiderte ich , mich demutsvoll verbeugend , was war an allem Unheil schuld , als der Sturm - das gräßliche Unwetter , welches einbrach , als alles im schönsten Gange . Kann ich den Elementen gebieten ? - Hab ' ich denn nicht selbst dabei schlimmes Malheur erlitten , habe ich nicht wie jener Advokat , den ich untertänigst bitte , nicht mit dem berühmten französischen Schriftsteller Rabelais zu verwechseln , Hut , Rock und Mantel verloren ? Habe ich nicht - « » Höre