, die er selber auch bald begrüßen sollte . » O Leben und Reisen , wie bist du schön ! « rief er freudig , zog dann seinen Diamant vom Finger und zeichnete den Namen Rosa in die Fensterscheibe . Bald darauf wurde er unten mehrere Reuter gewahr , die auf der Landstraße schnell dem Gebirge zu vorüberflogen . Er verwandte keinen Blick davon . Ein Mädchen , hoch und schlank , ritt den andern voraus und sah flüchtig mit den frischen Augen den Berg hinan , gerade auf den Fleck , wo Friedrich stand . Der Berg war hoch , die Entfernung und Schnelligkeit groß ; doch glaubte sie Friedrich mit einem Blicke zu erkennen , es war Rosa . Wie ein plötzlicher Morgenblick blitzte ihm dieser Gedanke fröhlich über die ganze Erde . Er bezahlte eiligst seine Zeche , schwang sich auf sein Pferd , und stolperte so schnell als möglich den sich ewig windenden Bergpfad hinab ; seine Blicke und Gedanken flogen wie Adler von der Höhe voraus . Als er sich endlich bis auf die Straße hinausgearbeitet hatte und freier Atem schöpfte , war die Reuterin schon nicht mehr zu sehen . Er setzte die Sporen tapfer ein und sprengte weiter fort . Ein Weg ging links von der Straße ab in den Wald hinein . Er erkannte an der frischen Spur der Rosseshufe , daß ihn die Reuter eingeschlagen hatten . Er folgte ihm daher auch . Als er aber eine große Strecke so fortgeritten war , teilten sich auf einmal wieder drei Wege nach verschiedenen Richtungen und keine Spur war weiter auf dem härteren Boden zu bemerken . Fluchend und lachend zugleich vor Ungeduld , blieb er nun hier eine Weile still stehen , wählte dann gelassener den Pfad , der ihm der anmutigste dünkte , und zog langsam weiter . Der Wald wurde indes immer dunkler und dichter , der Pfad enger und wilder . Er kam endlich an einen dunkelgrünen , kühlen Platz , der rings von Felsen und hohen Bäumen umgeben war . Der einsame Ort gefiel ihm so wohl , daß er vom Pferde stieg , um hier etwas auszuruhen . Er streichelte ihm den gebogenen Hals , zäumte es ab und ließ es frei weiden . Er selbst legte sich auf den Rücken und sah dem Wolkenzuge zu . Die Sonne neigte sich schon und funkelte schräge durch die dunkeln Wipfel , die sich leise rauschend hin und her bewegten . Unzählige Waldvögel zwitscherten in lustiger Verwirrung durcheinander . Er war so müde , er konnte sich nicht halten , die Augen sanken ihm zu . Mitten im Schlummer kam es ihm manchmal vor , als höre er Hörner aus der Ferne . Er hörte den Klang oft ganz deutlich und näher , aber er konnte sich nicht besinnen und schlummerte immer wieder von neuem ein . Als er endlich erwachte , erschrak er nicht wenig , da es schon finstere Nacht und alles um ihn her still und öde war . Er sprang erstaunt auf . Da hörte er über sich auf dem Felsen zwei Männerstimmen , die ganz in der Nähe schienen . Er rief sie an , aber niemand gab Antwort und alles war auf einmal wieder still . Nun nahm er sein Pferd beim Zügel und setzte so seine Reise auf gut Glück weiter fort . Mit Mühe arbeitete er sich durch die Rabennacht des Waldes hindurch und kam endlich auf einen weiten und freien Bergrücken , der nur mit kleinem Gesträuch bewachsen war . Der Mond schien sehr hell , und der plötzliche Anblick des freien , grenzenlosen Himmels erfreute und stärkte recht sein Herz . Die Ebene mußte sehr hoch liegen , denn er sah ringsumher eine dunkle Runde von Bergen unter sich ruhen . Von der einen Seite kam der einförmige Schlag von Eisenhämmern aus der Ferne herüber . Er nahm daher seine Richtung dorthin . Sein und seines Pferdes Schatten , wie er so fortschritt , strichen wie dunkle Riesen über die Heide vor ihm her und das Pferd fuhr oft schnaubend und sträubend zusammen . » So « , sagte Friedrich , dessen Herz recht weit und vergnügt war , » so muß vor vielen hundert Jahren den Rittern zumute gewesen sein , wenn sie bei stiller , nächtlicher Weile über diese Berge zogen und auf Ruhm und große Taten sannen . So voll adeliger Gedanken und Gesinnungen mag mancher auf diese Wälder und Berge hinuntergesehen haben , die noch immer dastehen , wie damals . Was mühn wir uns doch ab in unseren besten Jahren , lernen , polieren und feilen , um uns zu rechten Leuten zu machen , als fürchteten oder schämten wir uns vor uns selbst , und wollten uns daher hinter Geschicklichkeiten verbergen und zerstreuen , anstatt daß es darauf ankäme , sich innerlichst nur recht zusammenzunehmen zu hohen Entschließungen und einem tugendhaften Wandel . Denn wahrhaftig , ein ruhiges , tapferes , tüchtiges und ritterliches Leben ist jetzt jedem Manne , wie damals , vonnöten . Jedes Weltkind sollte wenigstens jeden Monat eine Nacht im Freien einsam durchwachen , um einmal seine eitlen Mühen und Künste abzustreifen und sich im Glauben zu stärken und zu erbauen . Wie bin ich so fröhlich und erquickt ! Gebe mir Gott nur die Gnade , daß dieser Arm einmal was Rechtes in der Welt vollbringe ! « Unter solchen Gedanken schritt er immer fort . Der Fußsteig hatte sich indes immer mehr gesenkt , und er erblickte endlich ein Licht , das aus dem Tale heraufschimmerte . Er eilte darauf los und kam an eine elende , einsame Waldschenke . Er sah durch das kleine Fenster in die Stube hinein . Da saß ein Haufen zerlumpter Kerls mit bärtigen Spitzbubengesichtern um einen Tisch und trank . In allen Winkeln standen Gewehre angelehnt . An dem hellen Kaminfeuer , das einen gräßlichen Schein über den Menschenklumpen warf , saß ein altes Weib gebückt , und zerrte , wie