welche mich mit namenlosem wonnevollem Schmerz erfüllte , nun zu tötender heilloser Qual wird ! - Der Pfarrer war die Güte selbst , er wußte meinen lebhaften Geist zu fesseln , er wußte seinen Unterricht so nach meiner Sinnesart zu formen , daß ich Freude daran fand und schnelle Fortschritte machte . - Meine Mutter liebte ich über alles , aber die Fürstin verehrte ich wie eine Heilige , und es war ein feierlicher Tag für mich , wenn ich sie sehen durfte . Jedesmal nahm ich mir vor , mit den neuerworbenen Kenntnissen recht vor ihr zu leuchten , aber wenn sie kam , wenn sie freundlich mich anredete , da konnte ich kaum ein Wort herausbringen , ich mochte nur sie anschauen , nur sie hören . Jedes ihrer Worte blieb tief in meiner Seele zurück , noch den ganzen Tag über , wenn ich sie gesprochen , befand ich mich in wunderbarer feierlicher Stimmung , und ihre Gestalt begleitete mich auf den Spaziergängen , die ich dann besuchte . - Welches namenlose Gefühl durchbebte mich , wenn ich , das Rauchfaß schwingend , am Hochaltare stand , und nun die Töne der Orgel von dem Chore herabströmten und , wie zur brausenden Flut anschwellend , mich fortrissen - wenn ich dann in dem Hymnus ihre Stimme erkannte , die wie ein leuchtender Strahl zu mir herabdrang und mein Inneres mit den Ahnungen des Höchsten - des Heiligsten erfüllte . Aber der herrlichste Tag , auf den ich mich wochenlang freute , ja , an den ich niemals ohne inneres Entzücken denken konnte , war das Fest des heiligen Bernardus , welches , da er der Heilige der Zisterzienser ist , im Kloster durch einen großen Ablaß auf das feierlichste begangen wurde . Schon den Tag vorher strömten aus der benachbarten Stadt sowie aus der ganzen umliegenden Gegend eine Menge Menschen herbei und lagerten sich auf der großen blumichten Wiese , die sich an das Kloster schloß , so daß das frohe Getümmel Tag und Nacht nicht aufhörte . Ich erinnere mich nicht , daß die Witterung in der günstigen Jahreszeit ( der Bernardustag fällt in den August ) dem Feste jemals ungünstig gewesen sein sollte . In bunter Mischung sah man hier andächtige Pilger , Hymnen singend , daherwandeln , dort Bauerbursche sich mit den geputzten Dirnen jubelnd umhertummeln - Geistliche , die in frommer Betrachtung , die Hände andächtig gefaltet , in die Wolken schauen - Bürgerfamilien im Grase gelagert , die die hochgefüllten Speisekörbe auspacken und ihr Mahl verzehren . Lustiger Gesang , fromme Lieder , die inbrünstigen Seufzer der Büßenden , das Gelächter der Fröhlichen , Klagen , Jauchzen , Jubel , Scherze , Gebet erfüllen wie in wunderbarem , betäubendem Konzert die Lüfte ! - Aber sowie die Glocke des Klosters anschlägt , verhallt das Getöse plötzlich - soweit das Auge nur reicht , ist alles , in dichte Reihen gedrängt , auf die Knie gesunken , und nur das dumpfe Murmeln des Gebets unterbricht die heilige Stille . Der letzte Schlag der Glocke tönt aus , die bunte Menge strömt wieder durcheinander , und aufs neue erschallt der minutenlang unterbrochene Jubel . - Der Bischof selbst , welcher in der benachbarten Stadt residiert , hielt an dem Bernardustage in der Kirche des Klosters , bedient von der untern Geistlichkeit des Hochstifts , das feierliche Hochamt , und seine Kapelle führte auf einer Tribüne , die man zur Seite des Hochaltars errichtet und mit reicher , seltener Hautelisse behängt hatte , die Musik aus . - Noch jetzt sind die Empfindungen , die damals meine Brust durchbebten , nicht erstorben , sie leben auf in jugendlicher Frische , wenn ich mein Gemüt ganz zuwende jener seligen Zeit , die nur zu schnell verschwunden . Ich gedenke lebhaft eines Gloria , welches mehrmals ausgeführt wurde , da die Fürstin eben diese Komposition vor allen andern liebte . - Wenn der Bischof das Gloria intoniert hatte und nun die mächtigen Töne des Chors daher brausten : Gloria in excelsis deo ! - war es nicht , als öffne sich die Wolkenglorie über dem Hochaltar ? - ja , als erglühten durch ein göttliches Wunder die gemalten Cherubim und Seraphim zum Leben und regten und bewegten die starken Fittiche und schwebten auf und nieder , Gott lobpreisend mit Gesang und wunderbarem Saitenspiel ? - Ich versank in das hinbrütende Staunen der begeisterten Andacht , die mich durch glänzende Wolken in das ferne bekannte , heimatliche Land trug , und in dem duftenden Walde ertönten die holden Engelsstimmen , und der wunderbare Knabe trat wie aus hohen Lilienbüschen mir entgegen und frug mich lächelnd : » Wo warst du denn so lange , Franziskus ? - ich habe viele schöne bunte Blumen , die will ich dir alle schenken , wenn du bei mir bleibst und mich liebst immerdar . « - Nach dem Hochamt hielten die Nonnen unter dem Vortritt der Äbtissin , die mit der Inful geschmückt war und den silbernen Hirtenstab trug , eine feierliche Prozession durch die Gänge des Klosters und durch die Kirche . Welche Heiligkeit , welche Würde , welche überirdische Größe strahlte aus jedem Blick der herrlichen Frau , leitete jede ihrer Bewegungen ! Es war die triumphierende Kirche selbst , die dem frommen gläubigen Volke Gnade und Segen verhieß . Ich hätte mich vor ihr in den Staub werfen mögen , wenn ihr Blick zufällig auf mich fiel . - Nach beendigtem Gottesdienst wurde die Geistlichkeit sowie die Kapelle des Bischofs in einem großen Saal des Klosters bewirtet . Mehrere Freunde des Klosters , Offizianten , Kaufleute aus der Stadt , nahmen an dem Mahle teil , und ich durfte , weil mich der Konzertmeister des Bischofs liebgewonnen und gern sich mit mir zu schaffen machte , auch dabei sein . Hatte sich erst mein Innres , von heiliger Andacht durchglüht , ganz dem Überirdischen zugewendet , so trat jetzt das frohe Leben auf mich ein und umfing mich