Bruder , das versichere ich dich , sehr viel Charakter , und eine Melankolie und eine Weltverachtung , die unsere Theilnahme immer anregt , wäre es auch nur um den stolzen , kalten Sinn zu bezwingen . Blansche war während dem an das Fenster getreten und knüpfte in bunten Seiden allerlei Figuren und Bilder , der schwierigen Mosaic-Arbeit gleich . Der Herzog maß lächelnd ihre schöne Gestalt , und sagte leise zur Schwester geneigt , wer weiß , ist es diesem Engel nicht aufbehalten , den freundlich feindlichen Fremden zu versöhnen ! Glaube mir , wir Franzosen brauchen solche Engel . Viertes Kapitel Frau von Saint Alban hatte recht gesehen . Der junge Mann , der ihre Dankbarkeit verdiente , ihre Theilnahme , ihren Stolz reizte , war ein Spanier , Don Alonzo de Mendoz . Seit Jahren in französischer Gefangenschaft , hatte ihn jetzt Ferdinand der Siebente in Aufträgen nach Paris gesandt . Hier lastete die Luft centnerschwer auf seiner Brust . Der plötzliche Umschwung äußerer Gestaltung konnte ihn weder mit der Gegenwart überhaupt , noch mit einer Nation versöhnen , die ihm in allen Bedingungen seines Wesens entgegenstand , die er aus persönlicher nicht ausgewaschener Ehrenkränkung , aus Grundsatz und Ueberzeugung hassen zu müssen glaubte . Alles , bis auf die unbetonte , dumpf verschwimmende Sprache war ihm an ihr in der Seele zuwider . Er hielt sich deshalb still und eingezogen , und wehrte das Außenleben von sich ab , so viel es die Natur seines Geschäftes wie seiner Stellung zu hiesiger Welt erlaubte . Zu den Kunstschätzen flüchtete er noch am liebsten . Sie ermangelten eben auch durch rohe Gewaltthat heimathlicher Uebereinkunft , und er konnte sie sich , losgerissen wie sie waren , ganz frei von aller störenden Beziehung aneignen . Unter den hohen Gebilden früherer , arbeitender Gedanken ward ihm das Herz weit , er vergaß Zeit und Ort , sich selbst , und ließ den beschwichtigenden Eindruck stiller Harmonie friedlich über sich walten . Er konnte sich so hineinsehen und empfinden , daß er , wie in völliger Einsamkeit nicht allein , wenig oder gar nicht auf solche achtete , die Neugier und Ruhmsucht , das Außerordentliche gesehen zu haben , hieher lockte , sondern auch unbewußt an Gleichfühlende vorüberging . Wie sich indeß der Mensch auch umbauen und verschanzen mag , Empfänglichkeit ohne Mittheilung wird zur drückenden Ueberfülle . Man schwelgt ungesellig , heimlich und im Dunkeln . Das Licht des antwortenden Auges fehlt . Herz und Gemüth brauchen den spiegelnden Strom der Rede , um sich klar zu werden . Unzähligemal schwebte auf Alonzos Lippe ein Laut der Bewunderung , jener staunende Ruf der Seele , die plötzlich das Geahndete erkennt . Aber er drängte ihn ängstlich in sich zurück , und erstickte fast im Uebermaaß des Entzückens . Sehr willkommen daher , wenn gleich überraschend , war es ihm , als er eines Tages einen jungen preußischen Offizier an seiner Seite vernahm , der mit gleicher Lust und Innerlichkeit aufmerksam ein vor ihnen stehendes Bild betrachtete , und das beseelte Auge langsam zu Alonzo hinwendend , ihn bequem und sicher in spanischer Sprache anredete . Alonzo ehrte die preußische Armee weit mehr als er es sagen konnte , er achtete die Ration wie die seine , und konnte nicht ohne demüthige Rührung den reinsten Heldenkönig sehen und nennen hören . Wenn er gleichwohl die ehrenwerthesten aller Kampf- und Waffengenossen auch jetzt nicht aufgesucht hatte , sich nicht von ihnen finden ließ , so lag es wohl darin , daß der Spanier wie der Deutsche niemals unaufgefordert in des Andern Weg tritt , und beide es verschmäheten die französische Sprache in diesem Augenblick zur Vermittlerin zu machen . Denn es ist natürlich und dem Menschen eigen , sich von dem mit Widerwillen abzuwenden , was man los zu werden einmal beschlossen hat . Es fiel daher jetzt jede bisherige Scheidewand vor Alonzo nieder . Hatte ihn früher die frische , fröhliche Weise der tapfern Preußen , ihre naive Wißbegier und aufmerkende Theilnahme eben so wie die abhaltende Höflichkeit ihres Benehmens erfreuet , so gelangte er hier durch die Fülle frei und kräftig gebildeter Künstlernatur , den Scharfsinn und die gemüthvollste Gewandtheit unversehens zum Einverständniß deutscher Nationalität . Wer sich eine Zeitlang vor der Welt verschlossen und alles daraus abgewehrt hat , was ihn ansprechen könnte , wird dem neu hineinfallenden Lebensstrahle um so mehr Gewalt über sich gönnen müssen . Die wohlthätige Wärme und Klarheit eines hellen Gespräches treibt Blut und Sinn und Worte zu schnellerem Lauf , ein Funke zündet den andern , es glühet von allen Seiten . Gedanken brennen zusammen , die Flamme leuchtet weit über die gewohnten Gränzen hinaus . Alonzo fühlte sich immer freier und verständlicher , sein Gefühl immer lebendiger umgetrieben , je leiser und sachter der junge Fremde ihm entgegentrat , ohne ihn gleichwohl absichtlich suchen zu wollen . Beide gingen bald von der Kunst zu dem Leben und der Gegenwart über , und in den Sälen , als der gemeinsamen Heimath , auf und ab gehend , redeten sie ohne Zwang über den gemischten und höchst wunderbaren Eindruck , den Paris unter den gegenwärtigen Zeitumständen auf sie mache . Alonzo hütete seinen Haß zu sorgfältig , um ihn in Worten zersplittern zu wollen , er äußerte sich nur im allgemeinen , daß er den ganzen Streit nicht für geschlichtet halte , so lange noch ein Einziger in dem eigenen Bewußtsein gefesselt bleibe . Er könne sich nun einmal mit der Freiheit nicht beruhigen , die ihm Andre erkämpften . Teuflische List habe ihn um die Mitwirkung betrogen und daß er das nicht rächen dürfe , hetze ihm eben das Blut durch alle Adern . Ehe gebe es auch keine Ruhe für ihn , bis dies heiße Blut auf eine oder die andere Art sich gekühlt habe . Der Deutsche war bei weitem milder . Er konnte manches Tadelnswerthe nicht in Abrede sein , gleichwohl ging er , als etwas Außerwesentlichem , nur leicht