die müden Soldaten mit Gewalt in das Haus , und ließen sich , da sie niemand fanden , ihr Essen von der Stadt dahin bringen , tranken die Nächte durch , lärmten im Hause und die armen geängsteten Mädchen horchten bange , wie sich der wilde Zug ihnen nahe . Einmal drang sogar ein raubgieriger Haufen durch alle Türen bis zu ihnen ein , immer glaubt das Volk versteckte Kostbarkeiten zu entdecken , wo es verschlossene Türen findet ; endlich traten sie nach aufgehauenen Türen in das Zimmer und fanden die Mädchen knieend vor einer Mutter Gottes , sie hatten einen ganzen Tag nichts gegessen ; von Furcht gebleicht , sahen sie rührenden Steinbildern gleich ; der Anblick erschütterte selbst das rohe Volk . Die Soldaten fragten , warum sie denn nicht zu ihnen gekommen wären , sie hätten ihnen schon etwas geben wollen , und somit warf ihnen jeder ein paar Geldstücke hin , die leichtsinnig erworben , und nahmen dafür ein paar Handküsse ; auch sagte einer zu der Gräfin Dolores , sie sei das schönste Mädchen , das er je erblickt , er wolle sie heiraten , sie möchte mitkommen . Er gefiel ihr auch recht wohl , doch wie er so in sie drang , mußte er schnell aufsitzen und auf und davon ; sie sah ihn nie wieder . - Der Krieg entfernte sich , der Mangel wurde um so fühlbarer aller Orten , je weniger er sich durch unbestimmte Hoffnung und gewaltsame Zerstreuungen vergessen machte . Manche der harten Schuldner waren eben so arm wie die Gräfinnen , die sich jetzt ohne Scheu durch Bearbeitung ihres Gartens zu nähren suchten . Leider waren nur wenige Fruchtbäume , meist wilde Waldbäume und amerikanische Gesträuche darin gepflanzt ; diese Bäume , zum Schatten in der Hitze bestimmt , mußten ihnen Feuerung geben , in den Gängen zogen sie Kartoffeln ; ein paar Ziegen , die sie sich für Handarbeiten der Klelia kauften , gaben ihnen Milch , einige wilde Kaninchen , die sie in Fallen fingen , eine geringe Fleischspeise . Der alte Bediente , der sie verlassen mußte , um ihnen nicht lästig zu fallen , brachte ihnen allerlei Mundvorrat ; sie schämten sich nicht von ihm etwas anzunehmen , er hatte ihnen von Jugend auf manches Leckere , das ihnen der Gesundheit wegen vorenthalten wurde , heimlich zugesteckt ; er brachte auch die artigen Handarbeiten der Klelia ganz heimlich zum Verkauf . Dolores stand meist zu spät auf , um in diesen Arbeiten etwas zu leisten , auch hatte sie am Zeichnen und an der Musik so überwiegende Freude , daß sie außer den notwendigen häuslichen Verrichtungen , selten etwas anderes vornahm . Ihr Zeichenbuch waren aber die großen weißen Wände im obersten Stockwerke des Schlosses , die sie sehr wunderlich mit allen ihren bekannten Historien in Kohle und Ruß bemalte . Zu ihrer Belehrung und Unterhaltung blieb ihnen an Büchern nichts , als was die Schuldner wegen der Altertümlichkeit verschmäht hatten . Doch die Einsamkeit führte sie durch einen Quartanten nach dem andern ; meist waren es alte historische Bücher , deren altadelige Gesinnung sie immer mehr gegen die damals allgemein sich regende Ausgleichung aller Stände einnahm ; und so entgingen sie der Art neuer frecher Geselligkeit , die mit kriegerischer Sittenlosigkeit gepaart das Leben ärmerer Mädchen des Städtchens erheiterte und verderbte . Der Adel der Gegend war teils entflohen , immer im Wahne dem unvermeidlichen Schicksale zu entgehen , teils zu sehr verarmt und in eigenen Angelegenheiten zu weit verloren , um auf ein paar junge Mädchen zu achten , die in Tagen des Glücks jeden Fremden ihnen vorgezogen ; denn ein Vorzug scheint es oft selbst da , wo nur die Artigkeit obwaltet , einem ganz Fremden Gelegenheit zu geben , sich bekannt zu machen . Dolores , wenn sie Morgens spät aufgestanden war und zum Stickrahmen ihrer Schwester trat , hatte immer einen wunderbaren Traum im Kopfe , der ihr großes Glück versprochen und sie beide belustigte ; bald war ein ritterlicher Fürst verwundet in ihr Haus gebracht worden und hatte sich ihr ehelich verbunden , zum Danke , wie sorgfältig sie seine Wunden verbunden ; bald hatte ihr von einem Baume geträumt im Garten , unter welchem ein Schatz liege - und dann ging sie wohl hin , grub eifrig und ließ auch der Schwester keine Ruhe , bis sie ihr geholfen , und dann gruben sie , bis die Quellen , die durchdringend den Sand näßten , auch ihre Hoffnung zu Wasser machten . So lebten die beiden Mädchen , jede in ihrer Art , in den Tag hinein ; Klelia betete und arbeitete , Dolores träumte und erlustigte sich , ein Tag kam zum andern und endlich behauptete einer , er fange ein neues Jahr an , und so wieder und wieder , daß sie schon dreimal seit dem großen Unglücke die Nester aus ihren Gartenhecken ausgenommen , die Vögel groß gezogen und heimlich verkauft hatten , aber kein Fürst kam sich im öden Hause ein Lager zu erflehen ; selbst die Bettler scheuten sich vor einem Hause zu singen , vor dem das Gras aus allen Steinritzen hoch aufgewachsen war . Dolores sah einmal mit einem wunderlichen Aufwallen die geputzten Stadtleute Sonntags vorüber ziehen und sagte zu ihrer Schwester : » Sieh einmal das Mädchen , welches dort geht , ich glaube , wenn man ihr ordentliche Kleider anzöge , sie sähe wie unser eins aus . « - » Wie unser einer ordentlich « , seufzte die Schwester , » ich glaube , wir könnten beide in den Röcken allein ordentlich gekleidet werden , die das Mädchen zum Überfluß trägt , ihre blanke Mütze schon gäbe ein paar Kleider . « - » Sonderbar « , meinte Dolores , » die Leute wissen nichts Rechts zu ihrem Vergnügen mit dem Gelde anzufangen , da fallen sie auf so abenteuerlichen Putz ; hör , ich wollte , wir hätten Verwandte unter den Leuten , ich glaube