, nichts Übertriebenes wollend , aber viel und vielerlei wollend , freimütig , wohltätig , brav , ja tapfer im Fall - was konnte in der Welt seinen Wünschen entgegenstehen ! Bisher war alles nach seinem Sinne gegangen , auch zum Besitz Charlottens war er gelangt , den er sich durch eine hartnäckige , ja romanenhafte Treue doch zuletzt erworben hatte ; und nun fühlte er sich zum erstenmal widersprochen , zum erstenmal gehindert , eben da er seinen Jugendfreund an sich heranziehen , da er sein ganzes Dasein gleichsam abschließen wollte . Er war verdrießlich , ungeduldig , nahm einigemal die Feder und legte sie nieder , weil er nicht einig mit sich werden konnte , was er schreiben sollte . Gegen die Wünsche seiner Frau wollte er nicht , nach ihrem Verlangen konnte er nicht ; unruhig wie er war , sollte er einen ruhigen Brief schreiben ; es wäre ihm ganz unmöglich gewesen . Das Natürlichste war , daß er Aufschub suchte . Mit wenig Worten bat er seinen Freund um Verzeihung , daß er diese Tage nicht geschrieben , daß er heut nicht umständlich schreibe , und versprach für nächstens ein bedeutenderes , ein beruhigendes Blatt . Charlotte benutzte des andern Tags auf einem Spaziergang nach derselben Stelle die Gelegenheit , das Gespräch wieder anzuknüpfen , vielleicht in der Überzeugung , daß man einen Vorsatz nicht sicherer abstumpfen kann , als wenn man ihn öfters durchspricht . Eduarden war diese Wiederholung erwünscht . Er äußerte sich nach seiner Weise freundlich und angenehm ; denn wenn er , empfänglich wie er war , leicht aufloderte , wenn sein lebhaftes Begehren zudringlich ward , wenn seine Hartnäckigkeit ungeduldig machen konnte , so waren doch alle seine Äußerungen durch eine vollkommene Schonung des andern dergestalt gemildert , daß man ihn immer noch liebenswürdig finden mußte , wenn man ihn auch beschwerlich fand . Auf eine solche Weise brachte er Charlotten diesen Morgen erst in die heiterste Laune , dann durch anmutige Gesprächswendungen ganz aus der Fassung , so daß sie zuletzt ausrief : » Du willst gewiß , daß ich das , was ich dem Ehemann versagte , dem Liebhaber zugestehen soll . Wenigstens , mein Lieber , « fuhr sie fort , » sollst du gewahr werden , daß deine Wünsche , die freundliche Lebhaftigkeit , womit du sie ausdrückst , mich nicht ungerührt , mich nicht unbewegt lassen . Sie nötigen mich zu einem Geständnis . Ich habe dir bisher auch etwas verborgen . Ich befinde mich in einer ähnlichen Lage wie du und habe mir schon eben die Gewalt angetan , die ich dir nun über dich selbst zumute . « » Das hör ich gern , « sagte Eduard ; » ich merke wohl , im Ehestand muß man sich manchmal streiten , denn dadurch erfährt man was voneinander . « » Nun sollst du also erfahren , « sagte Charlotte , » daß es mir mit Ottilien geht , wie dir mit dem Hauptmann . Höchst ungern weiß ich das liebe Kind in der Pension , wo sie sich in sehr drückenden Verhältnissen befindet . Wenn Luciane , meine Tochter , die für die Welt geboren ist , sich dort für die Welt bildet , wenn sie Sprachen , Geschichtliches und was sonst von Kenntnissen ihr mitgeteilt wird , so wie ihre Noten und Variationen vom Blatte wegspielt ; wenn bei einer lebhaften Natur und bei einem glücklichen Gedächtnis sie , man möchte wohl sagen , alles vergißt und im Augenblicke sich an alles erinnert ; wenn sie durch Freiheit des Betragens , Anmut im Tanze , schickliche Bequemlichkeit des Gesprächs sich vor allen auszeichnet und durch ein angebornes herrschendes Wesen sich zur Königin des kleinen Kreises macht , wenn die Vorsteherin dieser Anstalt sie als kleine Gottheit ansieht , die nun erst unter ihren Händen recht gedeiht , die ihr Ehre machen , Zutrauen erwerben und einen Zufluß von andern jungen Personen verschaffen wird , wenn die ersten Seiten ihrer Briefe und Monatsberichte immer nur Hymnen sind über die Vortrefflichkeit eines solchen Kindes , die ich denn recht gut in meine Prose zu übersetzen weiß : so ist dagegen , was sie schließlich von Ottilien erwähnt , nur immer Entschuldigung auf Entschuldigung , daß ein übrigens so schön heranwachsendes Mädchen sich nicht entwickeln , keine Fähigkeiten und keine Fertigkeiten zeigen wolle . Das wenige , was sie sonst noch hinzufügt , ist gleichfalls für mich kein Rätsel , weil ich in diesem lieben Kinde den ganzen Charakter ihrer Mutter , meiner wertesten Freundin , gewahr werde , die sich neben mir entwickelt hat und deren Tochter ich gewiß , wenn ich Erzieherin oder Aufseherin sein könnte , zu einem herrlichen Geschöpf heraufbilden wollte . Da es aber einmal nicht in unsern Plan geht und man an seinen Lebensverhältnissen nicht soviel zupfen und zerren , nicht immer was Neues an sie heranziehen soll , so trag ich das lieber , ja ich überwinde die unangenehme Empfindung , wenn meine Tochter , welche recht gut weiß , daß die arme Ottilie ganz von uns abhängt , sich ihrer Vorteile übermütig gegen sie bedient und unsre Wohltat dadurch gewissermaßen vernichtet . Doch wer ist so gebildet , daß er nicht seine Vorzüge gegen andre manchmal auf eine grausame Weise geltend machte ! Wer steht so hoch , daß er unter einem solchen Druck nicht manchmal leiden müßte ! Durch diese Prüfungen wächst Ottiliens Wert ; aber seitdem ich den peinlichen Zustand recht deutlich einsehe , habe ich mir Mühe gegeben , sie anderwärts unterzubringen . Stündlich soll mir eine Antwort kommen , und alsdann will ich nicht zaudern . So steht es mit mir , mein Bester . Du siehst , wir tragen beiderseits dieselben Sorgen in einem treuen , freundschaftlichen Herzen . Laß sie uns gemeinsam tragen , da sie sich nicht gegeneinander aufheben ! « » Wir sind wunderliche Menschen , « sagte Eduard lächelnd . » Wenn wir nur etwas , das uns