er ersuchte mich darum , weil die Anwesenheit eines von uns jetzt schlechterdings auf der Villa nothwendig war , und er sich nicht entschließen konnte , Rom während der Saturnalien zu verlassen . Er schickt mich - ich gehe gern - denn Tiridates hält sich seiner Geschäfte wegen in Puteoli auf . Ich mache mir kein Verdienst aus dieser Reise , ich will nicht , daß Serranus sie dafür ansehe - es bleibt Alles klar und würdig zwischen ihm und mir . Doch genug von mir . Jetzt auch ein Weilchen von dir , meine Freundin . Wir haben noch eine kleine Rechnung mit einander abzuthun . Ist es wohl recht von dir , während ich , die Aeltere von uns Beiden , die Matrone , dir , dem Mädchen , meine Geheimnisse aufdecke , so verschlossen gegen mich zu seyn ? Woher weißt du meine Zusammenkünfte mit Tiridates ? Woher kömmt dir diese Allwissenheit ? Soll ich glauben , du könntest wie eine thessalische Zauberin das Verborgene errathen ? O halte mich nicht für leichtgläubig , weil ich so offenherzig bin . Soll auch ich dir einen Namen nennen , um dein Gesicht mit Purpur zu überziehen ? Agathokles ? - Nicht ? Er , der Freund des armenischen Prinzen , der Sohn des Hegesippus , der Gastfreund deines Hauses , ist jetzt in Rom , täglich in eurem Hause , ja ich glaube , er wohnt bei euch . Er ist edel , verständig , und ein düster glühender Schwärmer für Alles , was ihm Größe und Tugend scheint . Wie könnte es anders seyn , als daß die schöne blühende Römerin , mit allen Vorzügen , die Natur und Fleiß einem weiblichen Wesen geben können , geschmückt , den Beifall des feinen Kenners alles Schönen und Guten erhalten mußte , daß der liebenswürdige Sonderling zuerst Achtung , und dann vielleicht auch eine wärmere Empfindung für diese seltne Erscheinung fühlte . Erröthe nicht , Calpurnia ! Agathokles ist deiner würdig . Wenn ich wieder in Rom seyn werde , werde ich dir viel Schönes und Schätzbares von ihm erzählen , das ich durch Tiridates von ihm erfuhr , das aber für einen Brief viel zu lang wäre . Leb ' wohl , liebe Calpurnia , und zürne mir nicht , daß ich nicht wollen kann , weise und besonnen seyn . Bald hoffe ich bei dir in Rom zu seyn , denn ich denke mit meinen Geschäften hier nicht sehr lange zu thun zu haben . Ich habe die Villa in einem sehr zerrütteten Zustande angetroffen - wie es denn bei der gänzlichen Abwesenheit der Gebieter , wo Alles dem Gesinde überlassen wurde , nicht anders zu vermuthen war . Indessen habe ich mancherlei Anstalten und Einrichtungen getroffen , mit denen Serranus , wie ich glaube , zufrieden seyn wird , und die künftigen Unordnungen vorbeugen sollen . Sobald Alles in gehörigem Gange ist , eile ich in deine Arme . Fußnoten 1 Seneca de Providentia . 2 So hieß der Ort des Hauses , in welchem die Frauen abgesondert wohnten . 3. Calpurnia an Sulpicien . Rom , im Jänner 301 . Bald hätte mich dein Brief böse gemacht , wenn ich dir überhaupt jemals zürnen könnte , und wenn mich nicht die feinen Schmeicheleien am Ende wieder besänftiget hätten . Von dir sage ich also nichts mehr . Du scheinst es nicht zu wollen - und kannst auch jetzt nicht hören . Dir darzuthun , daß die Leidenschaft , die dich beherrscht , deine gesunde Vernunft gefangen halt , und dich Alles durch das gefärbte Glas ihrer Eingebungen ansehen läßt , würde eben so vergeblich seyn , als wenn ich mich jetzt an ' s Ufer des Meeres hinstellte , um den Fischen den Homer vorzulesen . Alles , was ich hinzufügen will , ist der fromme und gewiß herzliche Wunsch , daß die Bezauberung , in der ich dich zu meiner Betrübniß sehe , eher aufhören möge , als es für deine Ruhe zu spät ist . Nun also von mir und unserm Gastfreunde . Wie kannst du glauben , daß ich dir etwas verschweigen wollte ? Gewiß , der Gedanke kam nicht in meine Seele . Ich schrieb dir nicht von ihm , weil - weil ich nicht an ihn dachte , weil deine Angelegenheit mich zu sehr beschäftigte , um andern Gedanken Raum zu lassen . Du nennst ihn einen Sonderling , darin hast du vollkommen Recht - aber auch einen liebenswürdigen ? O da fehlt noch viel ! Erstlich ist seine Gestalt , obwohl edel und bedeutend , doch nichts weniger als schön . Zweitens ist seine Art , sich zu kleiden , viel zu einfach , ja beinahe nachlässig , und er wird nie zwischen allen den schöngelockten , geschmückten , von Salben duftenden Jünglingen , die uns umschwärmen , einen vortheilhaften Eindruck machen . Drittens ist mir seine Tugend und Philosophie zu rauh , zu düster . Er kömmt auch mit Niemand besser aus , als mit deinem Vater . Ich wünschte , du wärst einmal gegenwärtig , wenn diese zwei glühenden Republikaner , diese geschwornen Feinde der Tyrannei , mit einander eifrig reden . Der Contrast der Wirklichkeit mit ihren Ideen erhitzt ihre Einbildungskraft noch mehr , sie ergießen sich in bittern Tadel der jetzigen Zeit und Sitte , und erheben die Vergangenheits mit den ungemessensten Lobsprüchen . Dann bekömmt die Haltung unsers Gastfreundes etwas so hohes , edeltrotztges , sein dunkles Aug ' sprüht Funken , sein sonst bleiches Gesicht überzieht eine so feine Röthe , und um seinen Mund , der überhaupt nicht unangenehm ist , bildet sich ein so lieblicher Zug , daß man in solchen Augenblicken versucht wäre , den begeisterten Redner für hübsch , und das , was er sagt , für nicht ganz so abenteuerlich und überspannt zu halten , als sonst . Aber das sind nur Augenblicke , und so , wie er schweigt , und man Zeit hat , über seine