, sagte der Graf , » hat durch diese Hecke einen Teil des Waldes als Park erklärt , oder zur Freistatt für die Hirsche und Rehe , die , vom Jäger verfolgt , sich hierher retten ; denn hier darf weder der Huf eines Pferdes , noch das Anschlagen der Hunde oder ein Schuß gehört werden . Allenfalls läßt sie sich ein fröhliches Jägerstückchen gefallen , damit sie mich bei meiner Zurückkunft von fern höre . « Sie gingen den Weg gerade durch den Park auf das große hohe Schloß zu , das in den Zeiten der alten Ritter erbaut zu sein schien , über eine Zugbrücke durch einen großen Vorhof , wo ihnen am Gitter zwei Frauen entgegen kamen : ein Mädchen von außerordentlicher Schönheit zwischen fünfzehn und sechzehn Jahren , und die andre eine ebenfalls sehr schöne Frau , die ihre Mutter zu sein schien . Florentin gewann Fröhlichkeit und Zutrauen beim Anblick der beiden Schönheiten , die ihm der Graf als seine Gemahlin und seine älteste Tochter vorstellte . » Du lässest uns lange warten heute ! « rief die Gräfin ihnen entgegen . - » Dafür meine Liebe , wird dir ein werter Gast zugeführt . Heiße Herrn Florentin bei dir willkommen . Und unsre Kleinen ? sie werden ja wohl nicht weit sein ? « - » Sie erwarten noch immer im Garten des Vaters Ankunft . Therese war mit einer langen Kette von Blumenstengeln beschäftigt , mit der sie dich festmachen will , damit du nicht immer von ihr gehest . « - » Du siehst mich nun wieder , meine Liebe , unverletzt und am Leben , ( es hätte leicht anders sein können , ) und du ahndest nicht , wem du es verdankest ? « - » Nächst der Güte Gottes , meinem Gebete und deiner Tapferkeit wüßte ich nicht « - » Verdankst du es dem jungen Helden hier ; komm , ich erzähle dir hernach alles umständlich . « - » Sein Sie mir noch einmal und herzlich willkommen ! « sagte die Gräfin , und reichte dem Fremden freudig die Hand , die er küßte . Währenddem war auch Juliane wieder näher gekommen , die sich nach der ersten Begrüßung einige Schritte mit Eduard entfernt hatte , der ihr lebhaft etwas erzählte , und dem sie , soviel Florentin wahrnehmen konnte , mit Teilnahme zuhörte . Jetzt ging sie auf ihn zu : » Unser guter Engel führte Sie auf diesen Weg ! « flüsterte sie leise und schüchtern errötend . Eben kamen die Kinder aus dem Garten herzugesprungen , zwei Knaben und ein Mädchen ; der Lärm , das Getümmel und Schäkern ward allgemein . Die Kleinen umwanden den Vater mit ihren Ketten und zogen ihn mit ihren Händchen zur Treppe . Der Alte gab sich dem Mutwillen der Kinder ganz hin , und die andern folgten . Es kamen noch einige Hausgenossen hinzu , und man ging zur Tafel . Florentin fühlte sich leicht und wohl bei der allgemeinen Heiterkeit und der gutmütigen Laune , die durch nichts unterbrochen ward . Man begegnete ihm wie einem längst Bekannten , wie einem Hausgenossen . Die Unbefangenheit der Frauen bei seinem Empfang , die wenigen bedeutenden Worte , der herzliche Ton , der Blick von dem sie begleitet waren , hatten ihn leichter zu bleiben bewogen , als die dankbaren Einladungen der Männer . Auch mußte das offne , zutrauliche , arglose Benehmen der Eltern , Kinder , Geschwister , Hausgenossen , Domestiken gegeneinander wohl jeden Zwang und jedes Mißtrauen verscheuchen . Nicht leicht konnte man eine Familie finden , in der so wie in dieser jedes Verhältnis zugleich so rein und so gebildet sich erhielt , die ganz durch einen gemeinschaftlichen Geist belebt zu sein schien , indem jeder einzelne zugleich seinem eignen Werte treu blieb . Hier zum erstenmal bemerkte Florentin die wahre innige Liebe der Kinder zu den Eltern , und die Achtung der Eltern für die Rechte ihrer Kinder . Keiner verleugnete sich selbst , um dem andern zu gefallen , es bestand alles vollkommen gut nebeneinander . Ebenso stimmte alles Äußere zusammen . Allenthalben blickte durch die glänzende etwas antike Pracht die Bequemlichkeit und Eleganz anmutig durch : gleichsam der ernste Wille des Herrn , durch die gefälligere Neigung der Hausfrau gemildert . Ein allgemeines Wohlsein war ringsum verbreitet , eine gewisse Reichlichkeit und unbesorgte Ordnung . Nichts von dem Spärlichen neben der sinnlosen Verschwendung , was man so oft wahrnimmt , wo einseitiges Bestreben nach einem erzwungenen Glanze das übrige armselig erscheinen macht . Jetzt betrachtete Florentin auch die Schönheit der beiden Frauen mit großer Bewunderung . Julianens Gesicht gehörte nicht zu den regelmäßigen Schönheiten , die man anstaunt , aber deren Mangel an Lebhaftigkeit kalt läßt : das feine Spiel der sprechenden Züge , die so sichtbar alles abspiegelten , was in ihrer Seele vorging , war unwiderstehlich anziehend und liebenswürdig . Sie war im vollkommensten Ebenmaß gebaut , obgleich nicht sehr groß ; ein wahrer Reichtum an lichtbraunen Haaren umfloß in vielen Locken und Flechten das schöngeformte Köpfchen und den weißen Nacken ; an den aufblühenden Busen schloß sich in weichen Umrissen der schlanke Hals , der oft mit anmutiger Schalkhaftigkeit sich seitwärts neigte , und dann sich wieder frei und stolz erhob . Eine blühende Farbe , ein schöngeformter Arm , eine länglichte Hand , durch deren Weiße die Adern bläulich hindurch spielten , zarte Finger , die sich in ein fein getuschtes Rot endigten ; der helle und doch biegsame Ton ihrer Stimme ; der kleine Eigensinn in den nah zusammenstehenden Augenbrauen und in dem etwas aufgeworfnen Munde ; die Anmut im Spiel der leicht entstehenden und verschwindenden Grübchen in Wange und Kinn ; große dunkelblaue Augen , die bald voll Seele und frohem Leben blitzten , bald tränenschwer , wie taubenetzte Veilchen sich unter die langen seidnen Wimpern senkten , bald mit kindlicher Unbefangenheit vertrauend in ein andres Auge schauten , bald mit großer , beinah zurückschreckender