Schoppe an : auf dem linken Arme trage sie das Kindlein leichter2 ; aber der Irrtum des guten Jünglings ist ein Verdienst wie die Wahrheit . Unter dem Glanze des Vollmondes bestiegen sie die Barke und glitten über die leuchtenden Wellen dahin . Schoppe schiffte einige Weine mit ein , » weniger « , sagt ' er , » weil auf der Insel nichts zu haben sei , als weil er , wenn das Fahrzeug leck würde , dann nichts auszupumpen brauchte als die Flaschen3 ; dann höb ' es sich wieder « . Cesara sank schweigend immer tiefer in die dämmernden Schönheiten des Ufers und der Nacht . Die Nachtigallen schlugen begeistert auf dem Triumphtore des Frühlings . Sein Herz wuchs in der Brust wie eine Melone unter der Glocke , und er hob sie immer höher über der schwellenden Frucht . Auf einmal bedacht ' er , daß er so den Tulpenbaum des prangenden Morgens und die Kränze der Insel nur wie eine italienische Seidenblume Staubfaden für Staubfaden , Blatt für Blatt zusammenlegen sehe ; - da befiel ihn sein alter Durst nach einem einzigen erschütternden Guß aus dem Füllhorn der Natur ; er verschloß die Augen , um sie nicht eher zu öffnen als oben auf der höchsten Terrasse der Insel vor der Morgensonne . Schoppe dachte , er schlafe ; aber der Grieche erriet lächelnd die Schwelgerei dieser künstlichen Blindheit und band selber vor die großen unersättlichen Augen das breite schwarze Taftband , das als eine weibliche Binde und Spitzenmaske sonderbar und lieblich gegen das blühende , aber männliche Gesicht abstach . Nun neckten ihn beide freundlich mit mündlichen Nachtstücken von den herrlichen Ufer-Ornamenten , zwischen denen sie zogen . » Wie stolz « ( sagte Dian zu Schoppen ) » richtet sich dort das Schloß Lizanza und sein Berg , gleich einem Herkules , mit zwölffachen Gürteln aus Weinlaub in die Höhe ! « - » Den Grafen « ( sagte Schoppe leiser zu Dian ) » bringt der Augen-Schmachtriemen um viel . Seht Ihr nicht , Baumeister , poetisch zu reden , den Glimmer von Aronens Stadt ? Wie schön legt sie Lunens blanc d ' Espagne auf und scheint sich im umgeworfnen Pudermantel des Mondscheins für morgen aufzusetzen und zu putzen ! - Doch ist das wenig , sieht man dort den heiligen Borromäus , der den Mond als eine frischgewaschene Nachtmütze aufhat , besser an : steht der Gigant nicht wie der Mikromegas des deutschen Staatskörpers dort , ebenso hoch , ebenso starr und so steif ? « - Der Glückliche schwieg und gab statt der Antwort einen Handdruck der Liebe - er träumte nur die Gegenwart und zeigte , er könne warten und entbehren . Wie ein Kinderherz , dem die Vorhänge und die Nachmitternacht das nahe Weihnachtsgeschenk verdecken , zog er auf dem Lustschiffe mit fester Binde dem nahen Himmelreiche entgegen . Dian trug , soweit es das Doppellicht des Mondscheins und der nachhelfenden Aurora zuließ , eine Zeichnung von dem verhüllten Träumer in sein Studienbuch . - - Ich wollt ' , ich hätte sie da und säh ' es , wie mein Liebling mit dem unterbundenen Sehnerven auf ihr zugleich das gegen die innere Welt gerichtete Auge des Traumes und das gegen die äußere Welt gespitzte Ohr der Aufmerksamkeit anstrengt . Wie schön ist so etwas , gemalt - wieviel schöner , erlebt ! Der Mantel der Nacht wurde dünner und kühler - die Morgenluft wehte lebendig an die Brust - die Lerchen mengten sich unter die Nachtigallen und unter die singenden Ruderleute - und er hörte hinter seiner lichtern Binde die frühen Entdeckungen der Freunde , die in den offnen Städten der Ufer das Menschengewühl aufleben und an den Wasserfällen der Berge bald Himmelsrot , bald Nebel wechseln sahen . - Endlich hing die zerlegte Morgenröte als eine Fruchtschnur von Hesperidenäpfeln um die fernen Kastaniengipfel ; und jetzt stiegen sie auf Isola bella aus . Der verhangne Träumer hörte , als sie mit ihm die zehen Terrassen des Gartens hinaufgingen , neben sich den einatmenden Seufzer des Freudenschauders und alle schnelle Gebete des Staunens ; aber er behielt standhaft die Binde und stieg blind von Terrasse zu Terrasse , von Orangendüften durchzogen , von höhern freiern Winden erfrischt , von Lorbeerzweigen umflattert - und als sie endlich die höchste Terrasse erstiegen hatten , unter der der See 60 Ellen tief seine grünen Wellen schlägt , so sagte Schoppe : » Jetzt ! jetzt ! « - Aber Cesara sagte : » Nein ! Erst die Sonne ! « Und der Morgenwind warf die Sonne leuchtend durchs dunkle Gezweig empor , und sie flammte frei auf den Gipfeln - und Dian zerriß kräftig die Binde und sagte : » Schau umher ! « - » O Gott ! « rief er selig erschrocken , als alle Türen des neuen Himmels aufsprangen und der Olymp der Natur mit seinen tausend ruhenden Göttern um ihn stand . Welch eine Welt ! Die Alpen standen wie verbrüderte Riesen der Vorwelt fern in der Vergangenheit verbunden beisammen und hielten hoch der Sonne die glänzenden Schilde der Eisberge entgegen - die Riesen trugen blaue Gürtel aus Wäldern - und zu ihren Füßen lagen Hügel und Weinberge - und zwischen den Gewölben aus Reben spielten die Morgenwinde mit Kaskaden wie mit wassertaftnen Bändern - und an den Bändern hing der überfüllte Wasserspiegel des Sees von den Bergen nieder , und sie flatterten in den Spiegel , und ein Laubwerk aus Kastanienwäldern faßte ihn ein Albano drehte sich langsam im Kreise um und blickte in die Höhe , in die Tiefe , in die Sonne , in die Blüten ; und auf allen Höhen brannten Lärmfeuer der gewaltigen Natur und in allen Tiefen ihr Widerschein - ein schöpferisches Erdbeben schlug wie ein Herz unter der Erde und trieb Gebirge und Meere hervor . - - O als er dann neben der unendlichen Mutter die kleinen wimmelnden Kinder sah , die unter der Welle und unter