ich zu , und eben diese angenommene Ritterlichkeit ist es , die mich so empört . Diese liebenswürdigen Unterhaltungen mit dem ewigen Spottpfeile auf den Lippen , diese Aufmerksamkeiten mit dem Hohne tief im Auge , das ist so recht die deutsche Art , unter der ich so oft gelitten habe in Eurem Norden , die uns in den Kreis der sogenannten Gesellschaftsregeln bannt , die uns darin festzuhalten weiß , und wenn man noch so erbittert mit einander kämpft . Dein Bruder versteht das meisterhaft ; den trifft nichts und verwundet nichts ; Alles gleitet ab an diesem ewigen Spottlächeln . Ich – ich hasse ihn und er mich nicht minder . “ „ Schwerlich ! “ sagte Reinhold bitter . „ Denn im Hassen bist Du eine Meisterin , die so leicht Keiner erreicht . Ich habe das oft genug gesehen , wenn Du Dich von irgend Jemandem beleidigt glaubtest . Das fluthet bei Dir gleich über alle Schranken . Diesmal aber wirst Du Dich erinnern , daß es mein Bruder ist , gegen den sich dieser Haß richtet , und daß ich nicht gesonnen bin , mir das erste kurze Zusammensein nach Jahren dadurch rauben zu lassen . Ich dulde keine Beleidigung und keinen Angriff gegen Hugo . “ „ Weil Du ihn mehr liebst als mich , “ rief Beatrice ungestüm , „ weil ich Dir nichts gelte neben Deinem Bruder . Freilich , was bin ich Dir auch – “ und jetzt war die Bahn gebrochen zu einer wahren Fluth von Vorwürfen , Klagen und Drohungen , die schließlich in einem Thränenstrom endigten . Die ganze Leidenschaft der Italienerin brach hervor ; aber Reinhold schien dadurch zu nichts weniger als zur Nachgiebigkeit gestimmt zu werden . Er versuchte einige Male , ihr Einhalt zu thun , und als dies nicht gelang , stampfte er wüthend mit dem Fuße . „ Noch einmal , Beatrice , laß diese Auftritte ! Du weißt , daß Du damit nichts bei mir ausrichtest , und ich dächte , Du hättest nun schon hinreichend die Erfahrung gemacht , daß ich nicht ein willenloser Sclave bin , dem ein Wort , eine Laune von Dir Befehl ist . Ich ertrage sie nicht länger , diese ewigen Scenen , die Du bei all ’ und jedem Anlasse hervorrufst . “ Er trat stürmisch zum Balcon und , dem Gemache den Rücken zukehrend , blickte er hinab auf die Straße , wo sich das rege Leben und Treiben des Corso entfaltete . Im Salon hörte man noch einige Minuten lang das leidenschaftliche Schluchzen Beatricens , aber dann verstummte es , und gleich darauf legte sich eine Hand auf die Schulter des am Fenster Stehenden . „ Rinaldo ! “ Halb widerstrebend wandte er sich um . Sein Blick begegnete Beatricens heißem , dunkelm Auge ; noch stand eine Thräne darin , aber es war keine Thräne des Zornes mehr , und die eben noch so erregte Stimme hatte einen weichen schmelzenden Klang . „ Du sagst , ich sei eine Meisterin im Hassen . Nur im Hassen , Rinaldo ? Du hast doch oft genug das Gegentheil erfahren . “ Reinhold wandte sich vollends zu ihr und trat vom Balcon zurück . „ Ich weiß , daß Du lieben kannst , “ entgegnete er milder , „ heiß und voll lieben . Aber Du kannst auch quälen mit dieser Liebe ; das muß ich täglich empfinden . “ „ Und dieser ‚ Qual ‘ möchtest Du entfliehen , wenigstens auf einige Zeit ? “ Aus ihrer Stimme sprach ein herber Vorwurf . Almbach machte eine ungeduldige Bewegung . „ Ich suche Ruhe , Beatrice , “ sagte er , „ und die finde ich nun einmal nicht in Deiner Nähe . Du kannst nur in fortwährender Gluth und Aufregung athmen ; beides ist Dir Lebensbedingung , und Du reißest Deine ganze Umgebung mit Dir in den ewig lodernden Feuerkreis Deines Wesens . Ich – bin müde . “ „ Der Gesellschaft , oder meiner ? “ fragte Beatrice mit wieder aufblitzender Heftigkeit . „ Kannst Du es denn nicht lassen , in jedem Worte einen Stachel zu suchen ? “ fuhr Reinhold auf . „ Ich sehe , daß wir heute wieder einander nicht verstehen . Leb ’ wohl ! “ „ Du gehst ? “ rief die Italienerin halb erschreckt , halb drohend . „ Und mit diesem Abschiede für eine wochenlange Trennung ? “ Reinhold , der schon an der Thür war , besann sich und kehrte langsam um . „ Ja so , ich vergaß die Abreise . Leb ’ wohl , Beatrice ! “ Aber so leicht sollte ihm der Abschied nicht gemacht werden . Signora Biancona hatte es längst verlernt , dem Manne dauernd zu trotzen , der es nun einmal verstand , ihren sonst so launenhaften Willen dem seinigen zu beugen , und als er sich ihr wieder näherte , da war es vorbei mit jedem ferneren Widerstande . Ihre Stimme bebte , als sie leise fragte : „ Und Du willst wirklich allein gehen , ohne mich ? “ „ Beatrice – “ [ 477 ] „ Allein , ohne mich ? “ wiederholte sie leidenschaftlicher . Reinhold machte einen Versuch , ihr seine Hand zu entziehen , aber es blieb bei dem Versuche . „ Cesario erwartet mich auf das Bestimmteste , “ sagte er abwehrend , „ und ich habe Dir schon einmal erklärt , daß Du mich nicht begleiten kannst – “ „ Nach Mirando nicht , “ fiel Beatrice ein , „ das weiß ich . Aber was hindert mich denn , den ursprünglichen Plan zu ändern und den ersten Sommeraufenthalt , anstatt im Gebirge , jetzt in S. , der großen Villeggiatur aller Fremden , zu nehmen ? Es liegt nahe genug bei Mirando , in einer halben Stunde trägt Dich das Boot zu mir herüber . Wenn ich Dir folgte – darf ich , Rinaldo ? “ Er war unwiderstehlich