noch im ersten Jahre seines römischen Aufenthaltes vollendete , » Der Kampf mit dem Adler « , hatte einen unglaublichen Erfolg , und trug den Namen des bis dahin ganz unbekannten jungen Malers in alle Welt . Es war in fast allen Hauptstädten Deutschlands ausgestellt worden und hatte überall die ungeteilte Bewunderung errungen . Schließlich wurde es von der großen Galerie in B. angekauft , und was der Maler in den letzten beiden Jahren geschaffen hatte , hielt sich durchaus auf der Höhe dieses ersten Werkes . Die Herbstsonne schien hell herein in das Atelier , dessen Fenster sich auf einen Garten öffneten . Der weite , prächtige Raum war mit echt künstlerischem Geschmack eingerichtet . Alle diese Waffen , Stoffe und Geräte , die in malerischer Anordnung überall zerstreut und zum Teil sehr wertvoll waren , gaben Zeugnis davon , daß , nachdem der Künstler sich Ruhm und Ehre errungen hatte , das Schicksal ihm auch den äußeren Lohn nicht schuldig geblieben war . Professor Bertold saß behaglich in einen Sessel zurückgelehnt und hielt Umschau in dem Atelier seines ehemaligen Schülers , der ihm gegenüber an der Staffelei stand , wo er soeben ein Bild in die rechte Beleuchtung gerückt hatte . Es wäre schwer gewesen , in der schlanken vornehmen Erscheinung des jetzt dreißigjährigen Mannes mit der ruhig sicheren Haltung den alten Siegbert wiederzuerkennen . Sein Gesicht verriet , daß er jahrelang unter der Sonne des Südens gelebt hatte ; aber mit der kräftig dunkleren Färbung war auch ein ganz anderer Ausdruck in diese Züge gekommen , die nichts mehr von Müdigkeit und Abspannung zeigten . Es war ein Antlitz voll Leben und Lebensmut , auf dem der Blick des Professors mit väterlichem Wohlgefallen ruhte . Nur in den Augen lag noch der alte Ernst und die alte Träumerei , aber sie hatte nichts Düsteres mehr . » Du hast dich ja hier ganz vortrefflich eingerichtet , « sagte der Professor umherblickend . » Du scheinst bereits wieder ganz heimisch in Deutschland zu sein . Seit wie lange bist du denn eigentlich hier in der Residenz ? « » Erst seit acht Tagen , « entgegnete Siegbert . » Aber ich hatte schon bei meiner Ankunft vor zwei Monaten alle nötigen Anordnungen getroffen , und die Einrichtung wurde während meines Aufenthaltes in den Bergen vollendet . Das meiste habe ich ja auch aus Italien mitgebracht . « » Ja , du warst nicht zu halten bis zu meiner Abreise , « sagte Bertold ein wenig unmutig . » Du wolltest durchaus noch in das Gebirge , ehe der Herbst kam . Freilich , ich kann es mir denken , daß es dich einmal wieder nach der Egidienwand zog ! Von dort hat ja dein Ruhm so recht eigentlich den Ausgang genommen . « » Und mein Glück ! « ergänzte Siegbert mit einem Aufleuchten der dunklen Augen . » Allerdings , Ruhm ist immer Glück , aber es ist doch merkwürdig , daß es bei uns beiden mit einer unglücklichen Liebe begonnen hat . Was wendest du dich denn ab , Siegbert ? Jetzt nach drei Jahren wird man wohl endlich darüber sprechen können , wenn du auch bisher hartnäckig jeder Andeutung ausgewichen bist . Es war ein ganz vorzüglicher Gedanke von mir , dich auf dieselbe Weise zu kurieren , wie mich einst das Schicksal kuriert hat , wenn auch die Kur etwas gewaltsam war . Geschadet hat sie übrigens nicht , du hast überhaupt diese Leidenschaft merkwürdig schnell überwunden . « » Meinen Sie ? « Die Frage klang beinahe spöttisch . » Ja , das meine ich ! Ich brauchte sechs Monate , um mit meinem Liebesjammer und meinem Bilde fertig zu werden , du warfst die ganze Geschichte in acht Tagen über Bord . Es war gar nicht notwendig , daß ich dich so ängstlich vor Selbstmordideen hütete , denn kaum waren wir in Rom , so benahmst du dich wie ein Gefangener , dem der Kerker aufgeschlossen wird , und von Verzweiflung war auch nicht das mindeste mehr bei dir zu spüren . Ich glaubte , bei deinem Charakter würde dir die Sache noch mehr zu Herzen gehen wie einstmals mir . « Um Siegberts Lippen schwebte ein leises , aber triumphierendes Lächeln , als er entgegnete : » Sie bestehen immer darauf , die Parallele zwischen unseren beiderseitigen Schicksalen zu ziehen . Bei näherer Betrachtung würde sich doch einiger Unterschied finden . « » Gar kein Unterschied ! « erklärte Bertold hartnäckig . » Es war ganz dasselbe . Unglückliche Liebe – Trennung – Verzweiflung – und als Resultat des Ganzen ein Bild , das uns berühmt machte . Die einzige Variante ist , daß ich das Ideal meiner Jugendschwärmerei malte und du Adrian Tuchner . « Siegbert gab keine Antwort , aber seine Augen schweiften wie suchend in den Garten hinaus , der trotz der vorgerückten Jahreszeit noch im grünen Schmucke prangte , aber in diesem Augenblicke ganz leer war . » Ich habe dir auch einen Gruß auszurichten , « begann der Professor von neuem . » Wiesenheim ist unterwegs , um seinem berühmten Sohne Gruß und Huldigung zu bringen . Ich traf gestern auf dem Bahnhof von L. den Herrn Bürgermeister Eggert nebst Familie . Sie haben unglücklicherweise von deiner Ankunft gehört und sich schleunigst auf den Weg gemacht , um dich , wenn auch ohne Reuetränen , in die Arme zu schließen . Morgen überfällt dich die ganze Gesellschaft in deinem Atelier , und sie bringen auch die Wiesenheimer Musen mit , in Gestalt des Schwiegersohnes . Du weißt doch , daß der poetische Redakteur des » Tagesboten « dein glücklicher Nebenbuhler geworden ist ? « » Ich weiß es , mein Pflegevater hat es mir ausführlich geschrieben , als er mir seinen Besuch ankündigte . « » Und du warst gutmütig genug , diesen Besuch anzunehmen , nach der Art , wie man dich verabschiedete ? Ich habe den Herrn Bürgermeister nachdrücklich daran erinnert , ich hätte