Nein , Wienke , weder Wasserweiber noch Seeteufel ; so etwas gibt es nicht ; wer hat dir davon gesagt ? « Sie sah mit stumpfem Blicke zu ihm herauf ; aber sie antwortete nicht . Er strich ihr zärtlich über die Wangen . » Sieh nur wieder hin ! « sagte er , » das sind nur arme hungrige Vögel ! Sieh nur , wie jetzt der große seine Flügel breitet ; die holen sich die Fische , die in die rauchenden Spalten kommen . « » Fische « , wiederholte Wienke . » Ja , Kind , das alles ist lebig , so wie wir ; es gibt nichts anderes ; aber der liebe Gott ist überall ! « Klein Wienke hatte ihre Augen fest auf den Boden gerichtet und hielt den Atem an ; es war , als sähe sie erschrocken in einen Abgrund . Es war vielleicht nur so ; der Vater blickte lange auf sie hin , er bückte sich und sah in ihr Gesichtlein ; aber keine Regung der verschlossenen Seele wurde darin kund . Er hob sie auf den Arm und steckte ihre verklommenen Händchen in einen seiner dicken Wollhandschuhe . » So , mein Wienke « – und das Kind vernahm wohl nicht den Ton von heftiger Innigkeit in seinen Worten – , » so , wärm dich bei mir ! Du bist doch unser Kind , unser einziges . Du hast uns lieb ... ! « Die Stimme brach dem Manne ; aber die Kleine drückte zärtlich ihr Köpfchen in seinen rauhen Bart. So gingen sie friedlich heimwäts . Nach Neujahr war wieder einmal die Sorge in das Haus getreten ; ein Marschfieber hatte den Deichgrafen ergriffen ; auch mit ihm ging es nah am Rand der Grube her , und als er unter Frau Elkes Pfleg und Sorge wieder erstanden war , schien er kaum derselbe Mann . Die Mattigkeit des Körpers lag auch auf seinem Geiste , und Elke sah mit Besorgnis , wie er allzeit leicht zufrieden war . Dennoch , gegen Ende des März , drängte es ihn , seinen Schimmel zu besteigen und zum ersten Male wieder auf seinem Deich entlangzureiten ; es war an einem Nachmittage , und die Sonne , die zuvor geschienen hatte , lag längst schon wieder hinter trübem Duft . Im Winter hatte es ein paarmal Hochwasser gegeben ; aber es war nicht von Belang gewesen ; nur drüben am andern Ufer war auf einer Hallig eine Herde Schafe ertrunken und ein Stück vom Vorland abgerissen worden ; hier an dieser Seite und am neuen Kooge war ein nennenswerter Schaden nicht geschehen . Aber in der letzten Nacht hatte ein stärkerer Sturm getobt ; jetzt mußte der Deichgraf selbst hinaus und alles mit eigenem Aug besichtigen . Schon war er unten von der Südostecke aus auf dem neuen Deich herumgeritten , und es war alles wohl erhalten ; als er aber an die Nordostecke gekommen war , dort , wo der neue Deich auf den alten stößt , war zwar der erstere unversehrt , aber wo früher der Priel den alten erreicht hatte und an ihm entlanggeflossen war , sah er in großer Breite die Grasnarbe zerstört und fortgerissen und in dem Körper des Deiches eine von der Flut gewühlte Höhlung , durch welche überdies ein Gewirr von Mäusegängen bloßgelegt war . Hauke stieg vom Pferde und besichtigte den Schaden in der Nähe : das Mäuseunheil schien unverkennbar noch unsichtbar weiter fortzulaufen . Er erschrak heftig ; gegen alles dieses hätte schon beim Bau des neuen Deiches Obacht genommen werden müssen ; da es damals übersehen worden , so mußte es jetzt geschehen ! Das Vieh war noch nicht auf den Fennen , das Gras war ungewohnt zurückgeblieben ; wohin er blickte , es sah ihn leer und öde an . Er bestieg wieder sein Pferd und ritt am Ufer hin und her : es war Ebbe , und er gewahrte wohl , wie der Strom von außen her sich wieder ein neues Bett im Schlick gewühlt hatte und jetzt von Nordwesten auf den alten Deich gestoßen war ; der neue aber , soweit es ihn traf , hatte mit seinem sanfteren Profile dem Anprall widerstehen können . Ein Haufen neuer Plag und Arbeit erhob sich vor der Seele des Deichgrafen ; nicht nur der alte Deich mußte hier verstärkt , auch dessen Profil dem des neuen angenähert werden ; vor allem aber mußte der als gefährlich wieder aufgetretene Priel durch neuzulegende Dämme oder Lahnungen abgeleitet werden . Noch einmal ritt er auf dem neuen Deich bis an die äußerste Nordwestecke , dann wieder rückwärts , die Augen unablässig auf das neugewühlte Bett des Prieles heftend , der ihm zur Seite sich deutlich genug in dem bloßgelegten Schlickgrund abzeichnete . Der Schimmel drängte vorwärts und schnob und schlug mit den Vorderhufen ; aber der Reiter drückte ihn zurück , er wollte langsam reiten , er wollte auch die innere Unruhe bändigen , die immer wilder in ihm aufgor . Wenn eine Sturmflut wiederkäme – eine , wie 1655 dagewesen , wo Gut und Menschen ungezählt verschlungen wurden – , wenn sie wiederkäme , wie sie schon mehrmals einst gekommen war ! – Ein heißer Schauer überrieselte den Reiter – der alte Deich , er würde den Stoß nicht aushalten , der gegen ihn heraufschösse ! Was dann , was sollte dann geschehen ? – Nur eines , ein einzig Mittel würde es geben , um vielleicht den alten Koog und Gut und Leben darin zu retten . Hauke fühlte sein Herz stillstehen , sein sonst so fester Kopf schwindelte ; er sprach es nicht aus , aber in ihm sprach es stark genug : Dein Koog , der Hauke-Haien-Koog müßte preisgegeben und der neue Deich durchstochen werden ! Schon sah er im Geist die stürzende Hochflut hereinbrechen und Gras und Klee mit ihrem salzen schäumenden Gischt bedecken . Ein Sporenstich fuhr in die Weichen des Schimmels , und einen Schrei ausstoßend