, die sein Wesen ist , nicht zerstören kann . Und ich , der ein Mensch , aus heidnischem Blute und nicht so gelassen bin , als ich scheine , ich soll über mich bringen , was mein Meister nicht vermocht hätte ! Und doch , es soll geschehen . Aber um ein Lösegeld , Seelen gegen Seele ! Sammle deine Sinne , König , höre mich an und überlege . Siehe , ich habe noch andere Kinder , deine Sachsen , deren Seelen du selbst einst meiner Hut anvertraut hast . Aber wie soll sie der verbannte Hirte weiden ? Und wie sollen diese Seelen gedeihen , wenn ihre Leiber das Eigentum deiner Wölfe , deiner unersättlichen Barone sind ? Seit dein Ahn der Eroberer , viele Tausende dieser überwundenen Sachsen einer Handvoll eiserner Normannen unterworfen hat , wohnen die Beraubten nicht mehr auf eigenem Grunde . Du verstümmelst die Männer wegen eines erlegten schädlichen Wildes kraft deiner barbarischen Jagdgesetze und scheuchst Jünglinge und Mägde in den Schatten der Klöster weg von der Sonne und von der ererbten nährenden Erde , die sie friedlich bauen und bevölkern sollten . Laß mich gewähren ! Höre mich an : ich will dir und dem Sohne , der dir bleibt , ein Volk schaffen . Nicht mit Eroberung und Gewalttat , sondern mit Weisheit und Gerechtigkeit , mit dem sanften Stabe des Bischofs will ich überwinden . Weil ich die Seelen beherrsche , so fürchte ich mich nicht vor den Schwertern deiner Normannen . Ich bin in diesen Tagen des blinden Zornes und der plumpen List noch immer der Klügste der Sterblichen . O mein König , wie töricht hast du gehandelt , da du , meine Macht zu zerstören , deinen Sohn Heinrich gekrönt hast ! Und wie ungerecht ! Denn du selbst hast mich zu deinem Primas gemacht und dein Primas bin ich auf immer . Siehe hier ‹ – er hob eine Rolle aus seinem Busen , › den Bannstrahl des Papstes in Rom , den er gegen dich wirft , weil du an die Rechte meines Stuhles getastet hast – ein unreines Feuer , das ich nicht auf dein Haupt heraufbeschworen habe ! – Heute ist der Heilige Vater ein Mietling deines königlichen Vetters von Frankreich , wie er einst , da ich dir diente , der deinige war . Du hast die Seele des Latiners nicht verstanden und spartest das Geld zur Unzeit . Gib dich , mein Herr und Gebieter , in meine Hände zurück und ich trete dir diese käufliche Brandfackel aus ! Auch auf die Rechte meines Stuhles werde ich einst verzichten , wann ich sie gebraucht haben werde , um in deinem Königreiche jedem Raum und Recht und dir ein Volk zu schaffen . Denn nicht des Latiners Knecht bin ich , sondern ein Diener und Bruder des Nazareners . ‹ Über diesen erstaunlichen Worten war das Angesicht des Königs bald aufgeflammt und bald erbleicht . Zuweilen schien er überwältigt , dann sträubte sich sein Königsstolz , dem Bischof und seiner Weisheit sich zuzuneigen und zu ergeben . Feindschaft und Grauen gewann wieder die Übermacht und seine Seele blieb zwiespältig . › Siehe , mein Fuß ist müde ‹ , fuhr Herr Thomas mit weicher Stimme fort . › Ich bin eine erlöschende Flamme , doch scheint mir lebenswert , in diesem Zeitalter des Hasses und Zwiespalts ein Reich zu gründen , wo Gott und dem Menschen nicht ins Angesicht gespieen und geschlagen werde . Erbe des Eroberers , willst du ein gerechter König werden ? Begehrst du eine mildere Todesstunde als die deiner Ahnen ? Über dir schwebt ‹ – und Thomas schaute in den leeren Raum über dem Haupte des Königs , wo ich im Geiste eine Hand mit gezücktem Schwerte erblickte – › eine andere als meine Rache . Ich sühne sie dir . Ich schirme dich . Besser diene ich dir jetzt als einst dein ehrgeiziger Kanzler . Ich bin dein Freund ! Denn , siehe , dein Sohn Richard hat für dich gebeten . ‹ Diese schöne und geistliche Rede hätte vielleicht meinen armen König überwunden , hätte nur der kluge Herr Thomas das Löwenherz nicht ins Spiel gezogen ! Mein Herr Heinrich , obwohl er seinen dritten über alles liebte , war durch den unkindlichen Verrat und Abfall der Jungherren Heinz und Gottfried gegen sein eigenes Fleisch und Blut argwöhnisch geworden . Ihn ärgerte zu dieser Stunde , daß sein Sohn Richard für ihn gebeten , und in seinem Herzen schwoll und kochte ein schwarzes Mißtrauen . › Wohin drängst du mich , Thomas ? ‹ begann er , › ich soll meine Normannen erzürnen ? Was sinnst du ? . . . Meine sächsischen Knechte freigeben ? . . . Meinst du ' s im Guten ? . . . Willst du mich verderben ? . . . ‹ Er runzelte die Stirn , als mühe er sich nachzudenken , aber plötzlich kam ein verwirrender Geist des Zornes über ihn : › Ich erkenne dich ‹ , rief er : › du willst mich und mein Reich zerstören ! . . . Seit Gnade , die Gott verdamme , dahin ist , brütest du Tag und Nacht über meinem Untergange , du Heuchler , du Verderber , du rachsüchtiger Heide ! ‹ Das Antlitz des Herrn Thomas aber leuchtete wie das eines Engels und er sagte mit strahlenden Augen : › Ich vergebe dir den Tod Gnades und deine Lästerung , wenn du meine Brüder , die Sachsen , freigibst und fortan göttliche und menschliche Wege wandelst ! Willst du , König Heinrich ? . . . ‹ In diesem Augenblicke wurde der Haufe der normännischen Herren unruhig , die es verdroß , den König so lange mit dem geächteten Bischof , dessen Klugheit sie fürchteten , verhandeln zu sehen , und deren Ehrerbietung gegen ihren Fürsten schon merklich gesunken war . Sie rasselten mit den Speeren und Schilden , tummelten ihre Rosse und schrieen :