des Hauses hingegangen , so daß Freund Dachs hinter der Flurtür nunmehr mit Fug und Recht laut geworden war . Ein Fenster hatte geklirrt – es mochte auch jemand herausgesehen haben ; aber Herr Markus war auf der Fahrstraße fürbaß gegangen wie andere Wanderer auch , die das einsame Haus interesselos seitwärts liegen ließen ... Nein , er durfte nicht länger der klägliche , erbärmliche Spielball dieser unseligen Leidenschaft sein ! Schande über den Mann , der sich die Wogen leidenschaftlicher Gefühle über dem Kopf zusammenschlagen ließ ! Es mußte alles vorbei sein , als habe ein Erdsturz dort hinter ihm den roten Würfel mit seinen Insassen verschlungen ... Die Sterne waren nur blaß auf dem noch ziemlich lichten Himmel hervorgetreten ; aber sie waren doch dagewesen , die wenigen , denen die vorquellenden Baumwipfel zu beiden Seiten ein Hereinlugen gestattet , sie hatten auf ihrem Posten gestanden und auf den dahinstürmenden Mann unverändert herabgesehen , wie sie schon vor Jahren über seinem Kindeshaupt geschienen ... Wie nur die Dichter mit diesen unwandelbaren , im steten , tröstlichen Licht schimmernden Sternen die Frauenaugen vergleichen mochten ! – Ein hohnvolles , bitteres Auflachen hatte gespenstig in die tiefe Einsamkeit hineingeklungen . – Gab es denn etwas Verlogeneres , als solch einen seelenvollen Mädchenblick unter dunklen Wimpern hervor ? – So war der letzte Tag dieser stürmischen Woche , der Sonnabend , gekommen , und mit ihm der Baumeister , der den Riß des neuen Vorwerkhauses brachte . Er hatte auf der Schneidemühle zu tun , wohin ihn der Gutsherr begleitete , und blieb über die Mittagszeit im Hirschwinkel . Als aber sein Wagen vom Hoftor wegrollte , da kam auch Herr Markus schon die Treppe herab , um den Bauriß auf das Vorwerk zu tragen . Er durfte sich das wohl zutrauen – er war ja über Nacht vollkommen ruhig geworden , jawohl , so ruhig , als sei sein Herzschlag nie aufgeregt gewesen . Das Gefühl der Verachtung hatte ihm den Sieg über die unselige Neigung verschafft . Und wenn ihm auch war , als scheine die Sonne gar nicht mehr so strahlend über die Welt , und als sei es so seltsam tonlos still um ihn her geworden , wie wenn die dunkle Erde alle sonnige Fröhlichkeit aus der Lebenslust in sich aufgesogen hätte – so mußte man sich darüber hinwegzusetzen wissen ; besser in ein Grab sehen , als sich durch einen Zauber narren lassen und sich selbst zum Gespött werden ! ... Im Vorwerkgarten hatte man angefangen das Gras zu mähen ; bis auf den schmalen Weg herein waren die blumendurchsprenkelten Büschel verzettelt . Es lag aber auch ein Taschentuch da ; Herr Markus nahm es auf , das feine , schneeweiße Tüchlein , dem ein zarter Veilchengeruch entströmte . Fräulein Erzieherin hatte sich hier ergangen , und es war leicht möglich , daß er sie jetzt dort in der Lindenlaube mit ihrer Arbeit oder einem Buch in der Hand überraschte . Das ließ ihn allerdings sehr kalt ; er wünschte durchaus keine Begegnung und wollte einfach im Vorübergehen den Hut ziehen – aber auch das unterblieb . Die Mäherin stand am Tisch unter der Laubenwölbung . Sie hatte sich wahrscheinlich , ermüdet und erhitzt , für einen Augenblick in den kühlen Schatten geflüchtet . Die Sichel lag vor ihr auf der Steinplatte neben einer Handvoll Gras , aus welchem das Mädchen die Blumen zusammensuchte . Ohne zu grüßen , legte Herr Markus das gefundene Tuch auf den Tisch , und sein Blick streifte spöttisch nur die schlanken , braunen Hände – er mußte » der Neuen « gedenken , die mit ihren gepriesenen Arbeitsfäusten das anmutige Geschäft des Straußbindens schwerlich fortsetzte . Und er ging weiter , als sei die Laube vollkommen leer gewesen . » Kurz angebunden « hatte der Forstwärter sein Tun und Wesen genannt , und das war er augenblicklich in jeder Linie , kurz angebunden und herrisch , » ein Vornehmer « , für den die Dienstleute des Hauses , das er besucht , nicht vorhanden sind ... Aber schon über den Hof schritt er als ein anderer . Die alte Frau auf dem Krankenlager durfte und sollte es nicht mitempfinden , daß ihm dieses Vorwerk nunmehr in tiefster Seele verhaßt sei . Er breitete den Bauriß auf ihrer Bettdecke aus und weidete sich an der freudigen Bestürzung , mit welcher sie die Zeichnung des schmucken Neubaues anstaunte . Ja , da waren schöne , hohe Fenster und Glastüren , die auf die Veranda hinausgingen ! Wilder Wein sollte sich um das Eisengeländer und die Verandasäulchen schlingen und an Stelle des öden Wirtschaftshofes vor der Hauptseite zeigte die Skizze einen hübschen , mit Kugelakazien besetzten Rasenplatz . Er beschrieb ihr , die in einem Atem weinte und lachte , die ganze innere , zweckmäßige Einrichtung des Hauses und blieb äußerlich völlig gelassen den lächerlichen Ansprüchen und Ausstellungen des Amtmanns gegenüber , dem plötzlich der Kamm ganz gewaltig schwoll . Der unverbesserliche Aufschneider war sofort wieder Herr der Lage – das Haus baute er . Er faselte von getäfelten Fußböden , von Samtmöbeln , die er für das gute Zimmer anschaffen werde , und tadelte es heftig , daß keine eigentliche Anfahrt da sei , welche das direkte Herankommen einer anständigen Kutsche gestatte . Und dabei hinkte er aufgeregt durch die Stube und schlug den geflickten Schlafrock , dem ein verwaschenes Baumwolltuch aus der Tasche hing , majestätisch wie einen kostbaren Pelz über der Brust zusammen . Der Gutsherr lächelte nur und drückte der Kranken , die ihn bei den Auslassungen angstvoll ansah , beruhigend die Hand , wobei er ihr sagte , daß er in Berlin auch nach einem bequemen Fahrstuhl suchen würde , auf welchem ihre Übersiedlung nach dem Gutshause bewerkstelligt werden solle ... Dann aber erhob er sich eiligst . Es mochte wohl die dumpfe , eingeschlossene Luft der Wohnstube sein , die ihm das Blut pochend , voll prickelnder Unruhe nach den Schläfen jagte und ihn hinaus ins Freie