. In seinen Bewegungen war ein Adel und ein Gleichmaß , um seinen Mund ein Lächeln , auf seiner Stirn eine Klarheit , in seinem Auge eine Tiefe und ein Feuer , daß man sich schon durch seine bloße Erscheinung zu ihm hingezogen fühlte . Noch größer aber war die Gewalt seines Wortes , wenn das , was ihn innerlich beschäftigte , unwillkürlich und unvorbereitet auf seine Lippen trat . « Die Anzahl der Bildnisse , die wir von ihm besitzen , ist ziemlich zahlreich . Wolzogen zählt acht Skulpturen ( Büsten , Reliefs , Statuetten ) und zwanzig eigentliche Bilder ( Zeichnungen , Stiche , Ölporträts usw. ) auf . Dazu kommt die große , von Drake gefertigte Bronzestatue , die seit einigen Jahren , neben den Statuen von Beuth und Thaer , auf dem Platz vor der Königlichen Bauschule steht . Ich leiste darauf Verzicht , die einzelnen Porträts Schinkels hier namhaft zu machen , nur das sei hervorgehoben , daß dem Wolzogenschen Werke , und zwar in vorzüglicher photographischer Nachbildung , vier Bildnisse Schinkels aus seinen verschiedenen Lebensepochen beigegeben sind . Es sind dies : 1. der zweiundzwanzigjährige Schinkel nach einem Ölbilde von Johann Karl Rößler ( Rom 1803 ) ; 2. der vierunddreißigjährige Schinkel nach einer Kreidezeichnung von ihm selbst ; 3. der dreiundvierzigjährige Schinkel nach einem Ölbilde von Begas ( Berlin 1824 ) ; 4. der zweiundfünfzigjährige Schinkel nach einem Ölbilde von Carl Schmid aus Aachen . Hieran reiht sich ein fünftes Bild , Holzschnitt , das einer kleineren Arbeit Wolzogens » Schinkel als Architekt , Maler und Kunstphilosoph « beigegeben ist und nach einem von Krüger gemalten , dem Grafen Raczinsky zugehörigen Bilde angefertigt wurde . Auch das sei noch hinzugefügt , daß sich das Porträt Schinkels auf den Reliefbildern der Blücherstatue von Rauch und des Beuthdenkmals von Kiß befindet . 28 Was den Charakter Schinkels angeht , so hat ihn niemand trefflicher geschildert als Waagen , der ihm , so viele Jahre hindurch , in Kunst und Leben nahestand . Er sagt von ihm : » An die Spitze der zahlreichen Vorzüge dieses reich begabten Naturells stelle ich seine hohe sittliche Würde , seine seltene moralische Kraft , seine noch seltenere Selbstverleugnung und außerordentliche Herzensgüte . « Durch diese Eigenschaften erhielt er für alle Lebensbegegnisse eine sichere Haltung und für öfters bedenklich erscheinende Lebensentschlüsse ( z.B. jung und mittellos die große Reise nach Italien anzutreten ) überhaupt für alle schwierigsten , langwierigsten und oft unangenehmsten Arbeiten eine eiserne Ausdauer . Nie habe ich eine so entschiedene , ja fast grausame Herrschaft des Geistes über den Körper beobachtet , als es bei ihm der Fall war . Nirgends sprach sich seine Selbstverleugnung schöner aus , als wenn Lieblingspläne von ihm , welche er in allen Teilen mit voller Hingebung streng durchgebildet hatte , entweder gar nicht zur Ausführung kamen oder doch mannigfach verändert und beschnitten wurden . 29 Wie lebhaft auch der Schmerz war , den er bei solchen Gelegenheiten empfand , so erzeugte er doch nicht jene so leicht begreifliche Verdrossenheit , welche in ähnlichen Fällen meist das Interesse an einer Aufgabe aufhebt , er nahm vielmehr von neuem seine ganze Kraft zusammen , um alles zu retten , was unter den beschränkenden Umständen zu retten war . Ja , er entwickelte öfter daraus wieder eigentümliche Schönheiten . Er bildete an seinen Werken mit einer ungeschwächten Liebe fort . Dessenungeachtet war er nichts weniger als blind für dieselben eingenommen . Mit echter Bescheidenheit betrachtete er sie immer nur als mehr oder minder gelungene Annäherungsversuche an eine in ihm lebendig gewordene Kunstidee . Ein unbedingtes und allgemeines Lob verletzte ihn daher , dagegen spiegelte sich seine Zufriedenheit auf die liebenswürdigste Weise auf seinem Gesicht , wenn jemand von selbst den Sinn seiner feineren künstlerischen Intentionen auffand und hervorhob . So kam es , daß er auch in seinen spätesten Jahren mit der Kunst keineswegs abgeschlossen hatte , sondern sich immer im freisten und frischesten Vorwärtsstreben befand . In der regen Begierde , etwas Neues zu lernen , in der Biegsamkeit und Empfindlichkeit seines Geistes für Aufnahme neuer , künstlerischer Eindrücke ist er immer ein Jüngling geblieben . Wie streng er aber in jeder Beziehung sich selbst beurteilte , so mild , so liebevoll anerkennend war er gegen andere . Nur innere Unwahrheit , falsche Ostentation , hohles Aufblähen , leerer Dünkel , geistige Trägheit , Oberflächlichkeit und Gemeinheit waren Eigenschaften , welche im Leben wie in der Kunst zu sehr mit seiner innersten Natur in Widerspruch standen , als daß sie nicht sein Mißfallen , bisweilen seinen lebhaften Tadel hervorgerufen hätten . Und in diesem Punkte , Wesen von Schein , Wahrheit von Lüge zu unterscheiden , besaß er eben vermöge seiner großen Reinheit einen sehr feinen , in unseren Tagen immer seltener werdenden Sinn . Sein ganzes Wesen war so durchaus auf das Geistige gerichtet , daß man von ihm , im Gegensatze zu denen , die nur leben , um zu essen , ohne Übertreibung sagen konnte : er aß nur , um zu leben . Was man anderen gewöhnlicheren Menschen mit Recht zum hohen Verdienst anrechnet , die größte Uneigennützigkeit , die strengste Rechtlichkeit , verstand sich bei einem so hohen , durchaus edlen Charakter wie Schinkel von selbst und nur selten ist mir im Leben eine Natur begegnet , auf welche Goethes schöne Worte über Schiller : » Und hinter ihm in wesenlosem Scheine , lag , was uns alle bändigt , das Gemeine « in so vollem Maße ihre Anwendung gefunden hätten . So viel über seinen Charakter . Wir wenden uns jetzt ausschließlich dem Künstler zu und legen uns zunächst die zwei Fragen vor : 1. Bestimmte die Antike , in deren Geist er zu bauen trachtete , von Anfang an seine Richtung ? und 2. inwieweit beherrschte ihn diese Richtung überhaupt ? Gehorchte er ihr ausschließlich , oder erkannte er Mängel und Grenzen innerhalb derselben an ? Zunächst ad 1. Die Hellenik war nicht ein Patengeschenk ,