Freundschaft haben mit einem Schäfer . Und Hilde widersprach nicht und unterwarf sich in allem . Als aber das Kind kam und kränkelte , da schickte sie doch die Grissel heimlich hinauf und ließ fragen , und als es immer schlimmer ward und auch der Spezies und der große Mansfelder Taler auf der Herzgrube nicht mehr helfen wollten , da faßte sie sich ein Herz und stieg selber hinauf auf die Sieben-Morgen und brachte dem Alten oben das Kind , daß er sähe , was es sei . Und er legte sein Ohr an die Brust des Kindes und behorchte den Atem und wie das Herz ging . Und dann gab er es ihr zurück und sagte : » Ja , Hilde , das Kind ist krank . « » Ach , was ist es ? Ihr seid so klug , Melcher Harms . Macht es mir wieder gesund . Ihr kennt alle Kräuter und habt so viele Mittel und Sprüche . Helft ihm doch . Seht , es ist mein ein und alles . Und wenn es stirbt , so hab ich nichts mehr . Denn ich werde kein anderes haben . Und ich will auch kein anderes ; nein , nein ! Ach , weiß es Gott , ich habe mir auch dieses nicht gewünscht . Aber nun ist es da und sieht mich immer so still und so traurig an , und nun möcht ich doch , es bliebe mir . Und ist mir mehr wert als die ganze Welt . Und mir ist , als lebt ich nur noch , daß ich ihm mit Tränen und Küssen den Blick fortschaffe . Ja , das möcht ich , Melcher Harms . Und daß es mal lächelt und ohne Klag und Vorwurf . Und ist mir gleich , ob Ihr ihm Kräuter gebt oder ob Ihr es besprecht . Ich will nur , daß es lebt und nicht mehr so traurig sieht . « Er hatte der jungen Frau Hand genommen und sagte : » Was ich wußte , Hilde , das hab ich gesagt . Und da hilft kein Kraut , von dem ich weiß . « » Ach , so betet es gesund . « Er schüttelte den Kopf . » Du bist noch jung . Wer aber alt ist , der weiß , mit dem Beten ist es ein eigen Ding und ist nicht wohlgetan , es eigensinnig von Gott abringen zu wollen . Er willfahrt uns , denn das Gebet ist mächtig mitunter , aber er tut es widerwillig , und ich habe noch keinen Segen davon gesehen . Und darum mag ich ' s nicht . Und ist was Gewaltsames dabei . Nein , Hilde , laß es . Aber irdisch Wissen und irdische Mittel , die sind erlaubt , und so rat ich dir , versuch es mit dem alten Schliephake drüben und fahr hinüber nach Ilseburg . Der ist klug und hat deinen Mann aus der großen Krankheit wieder aufgebracht . Und wenn wer helfen kann , so wird der helfen . Aber du mußt dich eilen und deinem Mann nicht sagen , daß ich dir ' s geraten habe , sonst sagt er nein . Denn er mißtraut mir und glaubt , daß ich Übles gegen ihn im Schilde führe . Darum nenn ihm meinen Namen nicht ... Du bist ja ' ne Frau und wirst dir zu helfen wissen . « Und sie versprach es lächelnd und ging . Und der Alte sah ihr nach . Aber es war die Hilde nicht mehr , die , die Butt auf dem Kopf und die rechte Hand in die Seite gestemmt , auf die Sieben-Morgen hinaufgestiegen war . Elend war sie , elend und lebensmüde wie das Kind , das sie weinend an ihrem Busen barg . 16. Kapitel . Eine Fahrt nach Ilseburg Sechzehntes Kapitel Eine Fahrt nach Ilseburg Hilde tat nach des alten Melchers Rat , und es vergingen nicht drei Tage , so hielt der kleine Jagdwagen vor der Treppe des Hauses , und Hilde stieg auf und ließ sich das Kind reichen , das heute das Köpfchen fast verdrießlich in die Kissen barg . Es war , als ob es wisse , was ihm diese Fahrt bedeute . Zuletzt erschien auch der Heidereiter , schwang sich über das Rad weg auf den Vordersitz hinauf und nahm die Leinen aus Joosts Hand , der schon vorher das Büchsgewehr in den anderen Eckplatz gestellt hatte . Denn in Ilseburg war Freischießen , und Baltzer , der seit Jahr und Tag nicht hinübergekommen war , wollte mal wieder mit dabeisein . Und nun zogen die Pferde an , und Grissel , die dem Fuhrwerke nachsah , sagte zu Joost : » Oll Schliephake ... Klook is he ... Awers wat helpt et ? He wahrd ook nich veel ut em moaken . « » Worüm sall he nich ? « » Wiel uns ' Lütt utgeiht as ' n Licht ... Un weetst , wat ick disse Nacht siehn heww ? « » Nei . Wohier sall ick ? « antwortete Joost . » ' n Sarch wier et ... Un stunn upp unsen Floor . « » Un wihr leeg in ? « » lck künn et nich recht siehn . Een witt Doog leeg dröver , un ick glöw , et wihr de Lütt ... Un denn wihr et ook wedder so grot . « » Se seggen joa , dat bedüt ümmer wat Goods . « » Joa , vör twelven . « Und während sie so sprachen , fuhr der Wagen durchs Dorf und alsbald an einer hohen , etwas zurücktretenden Berglehne hin , über deren Tannenwald ein bläulicher Nebel lag . Aber zur anderen Seite der Straße dehnte sich alles in klarer Luft : Brachund Stoppelfelder und dazwischen ein paar verspätete Haferstreifen . Und wo das Feld inmitten des Flachlandes leise wieder anstieg , standen ein paar Burgtrümmer und Schindeltürme . Die Bocholtschen Eheleute sprachen