neue Knechtschaft . " Die Glocke , die zum Abendessen läutete , rief mich die Treppe hinunter . Es war mir nicht möglich , den unterbrochenen Faden meines Nachdenkens wieder anzuknüpfen , als bis die Zeit des Schlafengehens kam , und auch da hielt mich eine Lehrerin , die mit mir dasselbe Zimmer bewohnte , durch einen langen Erguß unbedeutenden Geschwätzes von dem Gegenstande ab , zu dem ich zurückzukehren wünschte . Wie sehr verlangte es mich , daß der Schlummer sie zum Schweigen bringen möchte ! Es schien mir , wenn ich nur zu der Idee zurückkommen könne , die zuletzt meinen Geist beschäftigt hatte , da ich am Fenster gestanden , als hätte mir ein göttlicher Einfall zu Hülfe kommen müssen . Endlich schnarchte Miß Gryce . Sie war eine schwerfällige Waliserin , und bisher hatte ich ihre gewohnten Nasaltöne beständig nur als eine Belästigung betrachtet : heute Abend aber begrüßte ich die ersten tiefen Klänge mit Zufriedenheit ; ich war von Störung frei , und mein halb erloschener Gedanke belebte sich augenblicklich wieder . " Eine neue Knechtschaft ! Darin liegt etwas Vernünftiges , “ dachte ich bei mir selber , denn ich sprach nicht laut . " Ja , ich weiß es , denn das Wort klingt nicht lieblich ; es gleicht nicht solchen Ausdrücken wie Freiheit , Aufregung Wonne , welches freilich entzückende Klänge sind ; aber nicht mehr als Klänge für mich , und so hohl und verrauschend , daß es nur Zeit verschwenden heißt , auf sie zu hören . Aber Knechtschaft ! das muß etwas Wirkliches sein . Jetzt kann dienen : ich habe hier acht Jahre gedient : Alles , was ich wünsche , ist jetzt , anderswo zu dienen . Kann ich nicht so weit meinen eigenen Willen haben ? Läßt sich die Sache nicht leicht ausführen ? Ja -- ja -- der Zweck ist nicht sehr schwierig zu erreichen , wenn nur mein Gehirn thätig genug wäre , um die Mittel , es zu erreichen , ausfindig zu machen . Ich setzte mich aufrecht im Bette hin , um dies ermattete Gehirn aufzuregen : es war eine kalte Nacht ; ich bedeckte meine Schultern mit einem Shawl , und begann darauf wieder mit aller Macht nachzudenken . " Was bedarf ich ? Eine neue Stellung in einem neuen Hause , unter neuen Gesichtern und neuen Verhältnissen . So will dies , weil es unnütz wäre , etwas Besseres zu wollen ? Wie machen es die Leute , um eine neue Stelle zu bekommen ? Sie wenden sich vermuthlich an Freunde : ich habe aber keine Freunde . Es gibt viele Andere , die keine Freunde haben , und die müssen für sich selber sorgen und ihre eignen Helfer sein ; und welches ist ihr Auskunftsmittel ? " Ich konnte es nicht sagen : Nichts antwortete mir , und ich befahl dann meinem Gehirn , eine Antwort zu finden , und zwar schnell . Es arbeitete stärker und stärker : ich fühlte , wie die Pulse in meinem Kopfe und an meinen Schläfen schlugen ; aber beinahe eine Stunde lang war er von einem Chaos umgeben und erreichte kein Resultat . Und fieberhaft von der vergeblichen Anstrengung stand ich auf und ging im Zimmer auf und ab , zog die Vorhänge zurück und beobachtete einige Sterne . Da ich aber vor Kälte zitterte , so kroch ich wieder in mein Bett . Ohne Zweifel hatte eine gütige Fee in meiner Abwesenheit die geforderte Antwort auf mein Kissen niedersinken lassen : denn als ich mich niederlegte , fiel mir ganz ruhig und natürlich ein : " Wer eine Stelle sucht , macht es bekannt ; Du mußt es also im Herold der Grafschaft M. bekannt machen . " " Aber wie ? ich weiß nicht , wie man dabei zu Werke gehen muß . " Jetzt stellten sich sogleich bestimmte und geeignete Antworten ein : " Du mußt die Ankündigung und das Geld dafür einschließen und an den Herausgeber des Herold adressiren ; Du mußt es bei der ersten Gelegenheit zu Lowton auf die Post geben . Die Antworten sollen unter J. E. an das dortige Postamt adressirt werden ; Du kannst ja eine Woche später nach einem Briefe fragen , wenn einer kommen sollte , und darnach handeln . " Diesen Plan überlegte ich zwei bis drei Mal : dann war er in meinem Geiste gereift : ich hatte ihn meiner klaren und praktischen Gestalt , fühlte mich beruhigt und schlief ein . Mit Anbruch des Tages stand ich auf : ich schrieb meine Ankündigung , schloß sie ein und überschrieb sie , ehe die Glocke zum Aufstehen der Schülerinnen läutete ; sie lautete folgendermaßen : " Eine junge Dame , die im Unterrichten geübt ist , ( war ich nicht zwei Jahre Lehrerin gewesen ? ) wünscht eine Stellung in einem Privathause , wo die Kinder unter vierzehn Jahren sind ( ich dachte , da ich selber erst achtzehn wäre , so würde es nicht gut sein , die Leitung von Schülerinnen zu übernehmen , die mir an Alter näher ständen ) . Sie ist befähigt in den gewöhnlichen Gegenständen einer guten englischen Erziehung , so wie auch im Französischen , im Zeichnen und in der Musik zu unterrichten ( in jenen Tagen hielt man dies kurze Verzeichnis von Fähigkelten schon für ziemlich umfassend ) . Briefe unter J. E. werden von dem Postamte zu Lowton befördert . " Dieses Dokument blieb den ganzen Tag in meinem Schranke verschlossen : nach dem Thee hat ich die neue Vorsteherin , nach Lowton gehen zu dürfen , um einige kleine Geschäfte für mich und einige der anderen Lehrerinnen zu besorgen . Die Erlaubniß wurde mir bereitwillig ertheilt und ich ging . Es war ein Gang von zwei Meilen und das Wetter naß , aber die Tage waren noch lang : ich besuchte einige Läden , schob den Brief in den Briefkasten auf dem Posthause und kehrte in heftigem Regen mit durchnäßten