Da brachten sie ihn . Die zwei kamen öfter zu Daniel , dann andere , Professor Wackerbarths und Professor Döderleins Schüler . Bisweilen hatte er in der Kneipe Zusammenkünfte mit ihnen . Wir wollen sie die Langmähnigen nennen , oder die Marmorbleichen ; viele hatten Ähnlichkeit mit Schlangenbändigern . Sie waren fast ausnahmslos sehr dumm , hatten aber alle große Rosinen im Kopf . Es waren auch junge Mädchen dabei ; wir wollen sie die Schmachtäugigen nennen , oder die Traumverlorenen . Daniel war ihnen abgeneigt . Die Langmähnigen schätzte er ebenfalls wenig . Von dieser Abneigung sprach er einmal zum Alten , wie Professor Herold kurzweg hieß . Er schnappte wie ein bissiger Hund , strich die weißen Borsten auf seinem ungeheuren Schädel zurück und sagte : » Da haben Sie aber eine Entdeckung gemacht , Sie Originalmännlein ! Wissen Sie denn nicht , daß gerade die Musik das allernichtswürdigste Gesindel in ihren Zauberkreis zieht ? Item , daß sie eine Ausrede ist für jede Versäumnis von Menschenpflichten ? Item , daß der wollüstige Dunst , den sie über die Städte breitet , eine allgemeine Auszehrung der Herzen zur Folge hat ? Item , daß von fünfhundert sogenannten Künstlern vierhundertneunundneunzig bloße Krüppelgarde unseres Herrgotts sind ? Leitsatz : Wer zur Musik nicht das allerreinste Feuer bringt , Urtiefenfeuer , dessen Blut verwandelt sie in Leim , dessen Geist in einen Kehrichthaufen . « Damit schob er Daniel zur Tür hinaus , weil er an seinen Bilderchen malen wollte . Es hingen an den Wänden seiner Stube viele Bilderchen , die er in seinen Mußestunden verfertigte , schlechte kleine Bilderchen , auf die er stolz war . Sie stellten Szenen aus dem Landleben dar . 2 Der Impresario Dörmaul gab in der Neujahrsnacht ein Festessen im Schwänlein , zu welchem Daniel eingeladen war . Der Impresario Dörmaul zeigte sich Daniel gnädig gesinnt . Er sagte , er habe die Begabung des hoffnungsvollen jungen Mannes beim Anblick der ersten Note erkannt . Er versprach , die Komposition Vineta , sowie die andere , inzwischen beendete , die sich nürnbergische Serenade nannte , in seinen Verlag zu nehmen . Auch schien er gewillt , die Anstellung bei der Wanderoper ernstlich in Betracht zu ziehen . Zu dem Festmahle kamen die Professoren Herold und Wackerbarth , ferner Wurzelmann , einige von den Langmähnigen und einige von den Traumverlorenen . Andreas Döderlein hatte sein Erscheinen für eine spätere Stunde zugesagt . Er trat fünf Minuten vor Mitternacht in die weit aufgerissene Türe , feierlich wie das neue Jahr in Person . Er ging auf Daniel zu und bot ihm die Rechte . » Siehe da , unser Benjamin , unser Johannes , um nicht zu sagen unser Daniel , « redete er ihn an . » Gratulor , junger Stern ! Was vermelden die Annalen von Andreas Döderleins Spürnase ? Damals in Bayreuth , als man noch Wein auf Flaschen zog , hat er nur hingerochen und wußte schon Bescheid . Kann es geleugnet werden , Benjamin ? « Es wurde nicht geleugnet . Daniel ließ Gnade für Recht ergehen , und der mächtige Mann warf seinen Wetterkragen von den Schultern , als sei es ein Hermelin , dessen er sich entledigte , bevor er sich unter die gemeinen Sterblichen mischte . Professor Wackerbarth hatte eine Frau , die ihn prügelte und ihm nichts zu essen gab . Er erachtete die Gelegenheit für günstig , sich einmal satt zu essen und lustig zu sein . Es war eine kümmerliche Lustigkeit . Einer von den Langmähnigen sang das Champagnerlied , und Wurzelmann hielt eine witzige Rede . Döderlein gab zu verstehen : man lasse die Mäuse tanzen , man lasse die Flöhe hüpfen . Als eine von den Traumverlorenen den Davidsbündlermarsch spielte , der nach den Vorschriften von Bayreuth nicht zur wahren Musik gerechnet werden konnte , rief er : » Gebt mir Lethe , meine Söhne , « womit er den Punsch meinte . Auch Daniel trank Lethe . Er umarmte den alten Herold , drückte Andreas Döderleins Hand und versuchte , mit Wurzelmann einen Walzer zu tanzen . Er war nicht betrunken , er war nur glücklich . Dann wurde es ihm zu enge hier , er nahm Hut und Mantel und eilte ins Freie . Die Luft war lau , es wehte Föhnwind . Himmel oben , Himmel unten , die Häuser standen auf Wolken . Jeder Atemzug machte nach dem nächsten durstig . Da , ein Erker , so schön , daß man hätte knien mögen ; ein Brunnen , so fremd und lauschig wie etwas Erdichtetes ; die Brückenbögen und das matt spiegelnde Wasser ; zwei Türme spinnwebenzart . Er jubelte stumm : Welt , bist du es wirklich ? meine Welt , und ich lebe ? Meine Welt , mein Jahr , meine Zeit , und ich darin , ich selbst ! 3 Er stand auf dem Egydienplatz und schaute hinauf zu den Jordanschen Fenstern . Alle Fenster waren schwarz . Gern hätte er gerufen , aber der Name , der sich auf seine Lippen drängte , flößte ihm Angst ein . Die leidenschaftliche Wallung wollte seine Brust sprengen . Er mußte noch etwas mit sich anfangen , mußte reden , mußte fragen und eine Stimme hören . So eilte er zur Füll und rief unter Bendas Fenstern Bendas Namen . Die Uhren schlugen drei . Endlich wurde ein Vorhang aufgerollt und Bendas dickliche Gestalt zeigte sich am offenen Fenster . » Daniel , du ? Was ist geschehen ? « » Nichts ist geschehen . Das Jahr will ich dir bringen . « » Ob du mir damit was Gutes bringst ? Geh heim und leg dich aufs Ohr . « » Willst mich nicht hinauflassen , Friedrich ? Reden wir noch ein wenig vom Glück ! « » Sei nicht übermütig . Wir könnten ' s verreden . « » Philister ! Gib mir wenigstens deinen Segen . « » Den hast du . Jetzt geh nur