noch damit . Allert kam von Amsters . Er hatte dort heute , am Sonntag , der dicht vor den Jahreswechsel fiel , Besuch gemacht . Seine Mutter wollte genau wissen , wie alles ihm gefallen hatte : Mann , Frau , Tochter , Haus ... Er antwortete : » Frau und Tochter nicht anwesend . Haus von bestem Geschmack . Voll solider Möbel und Familiengeschichte . Hausherr verbindlich . Allmählich mehr als das . Erwärmte sich , indem er von Dir viel Bewunderndes sagte . Sprach dann von allerlei Zeiterscheinungen . Kluges . Vor allen Dingen über die Pflicht des Adels , sich den sozialen Umwertungen anzupassen . Na , das sehen die Draußenstehenden ja immer klarer ein als die , die unter den alterstrüben Kronen sitzen und sich wunder wie vorkommen . Jedenfalls merkt ' ich : Er findet , daß ich auf verständigem Wege bin . Na und dann sprach er von England . Gott - das ist ja nun das ewige Gespräch . Geht es los , oder geht es nicht los ? Fangen wir an , oder fangen sie an ? Ist unsere Flotte schon stark genug zu erfolgreicher Defensive ? Und die Deutschenfurcht drüben und die Engländerfurcht hüben . Und ich sagte : Es käme mir allmählich vor , wie Papageno und Monostatos in der Zauberflöte , die voreinander so bange sind , daß sie gleichzeitig vom Schauplatz verschwinden . Hiermit machte sich Dein Sohn , nachdem er den Senator höchst geistreich unterhalten hatte , einen brillanten Abgang und schied wie Cäsar aus dem Hause Amster mit dem Gefühl : veni , vidi , vici oder fenefedefize , wie unsere alte Therese mal sagte . « » Ich hoffe , Du hast den Senator nicht schwindlig geredet , « sagte die Mutter lächelnd , » und ich denke , Du wirst noch zu dem Fest am 8. Januar eingeladen . « » Vielleicht geht dieser Kelch doch noch an mir vorüber . « Und dann sagte er plötzlich in einem ganz andern Ton - wäre Sophie nicht so unbefangen gewesen , hätte sie vielleicht finden können , in einem lauernden Ton : » Das Haus scheint sehr gut aufgezogen - da war so ein leiser Diener - einer von der patriarchalischen Sorte - aber abgedämpft - kein weißlockiger Lustspieldiener mit Vertraulichkeit und protegierendem Kopfnicken ... « » Was ? « fragte seine Mutter erstaunt , » Du hast Lurch bemerkt . « » Mein phänomenaler Beobachterblick für Gesichter . Von Dir geerbt , « prahlte lustigen Tones Allert und dachte : Bin gerade so klug wie vorher . Wenn ich auch nun weiß , daß der Mann Lurch heißt , weiß ich damit doch noch nicht , ob es der mit den Paketen in der Jolle war . Als er das Amstersche Haus betrat und seine Karte auf das silberne Brettchen legte , stutzte er . Dieser ältliche , bartlose Diener kam ihm irgendwie bekannt vor ... Und ihm schien , als ob durch dessen Auge auch ein leises Aufblitzen gehe . - Aber wie ? Wo ? Wann ? Na , das hat man ja manchmal . Manchmal ? Quälend oft . Man sieht ein Gesicht . Begrübelt es , könnte darauf schwören : das ist ein Bekannter . Ist besorgt , durch unterlassenen Gruß verletzt zu haben . Und schließlich war es vielleicht bloß jemand , der einem mal lange in der Bahn gegenübersaß , oder ein Kellner in Zivil oder ein Beamter aus irgendeinem Bureau . Aber diese bekannten Unbekannten strahlen eine unbestimmte Beunruhigung aus . Als der Diener dann zurückkam und höflich sagte : » Herr Senator lassen bitten , « und ihm half , den Paletot ausziehen , da wußte Allert es dann doch ganz gewiß : Den kenn ' ich - den sah ich schon mal wo ... Und er dachte plötzlich an die Jolle und sah das schöne Mädchen unterhalb der Kaimauer auf der schmalen Brücke stehen und den Jollenführer bezahlen , während dieser Mann sich , noch im kleinen Nachen , nach den Paketen bückte . Wirklich dieser Mann ? Es konnte eine täuschende Aehnlichkeit sein . Vielleicht noch nicht mal eine täuschende , sondern nur eine flüchtige . Ein Mensch im bürgerlichen , dicken Winterüberzieher , mit einem steifen Rundhut auf dem Kopf , ist eine andere Erscheinung wie ein Mensch , der einen famos sitzenden braunen Frack mit silbernen Knöpfen und Gamaschen trägt und seine kurzgeschorenen Haare unbedeckt zeigt . - Seine Mutter hatte ihm nie genauer von Marieluis erzählt . Er wußte nicht einmal den Vornamen der Amsterschen Tochter , die seine Mutter malte . Er hatte auch nie darüber nachgedacht , weshalb sie so wenig davon sprach . Vielleicht war die junge Dame nicht sehr anziehend . Seine Mutter mußte ja die Aufträge nehmen , wie sie fielen . Sie hatte einmal eine in älteren Malerkreisen zirkulierende Strophe nachgesprochen : » Maler von Stilleben Kann nicht und will leben ; Landschaft , Historie , Ganz wie der vorige ; Porträtmaler , Portemonnaiemaler . « Allert war gar nicht der Gedanke gekommen , daß seine Mutter aus Vorsicht von Marieluis schwieg . Sophie wußte genau : Erzähl ' ich ihm , wie fesselnd und schön sie ist , so denkt er gleich , ich hoffe , daß sie eine Frau für ihn werden könnte , und dann setzt er nie seinen Zylinder auf und macht nie da Besuch . Das sollte er aber ; denn ihr war klar , daß Allert von dieser Familie aus in die Gesellschaft hinein müsse . Jetzt mit einemmal fand Allert es höchst auffallend , daß seine Mutter so wenig von der jungen Dame sprach . Wie gern hätte er gefragt - aber er konnte nicht . Das wollte nicht unbefangen über die Lippen . Irgendeine Angst tat seinem raschen Munde Zwang an und machte ihn stumm . Dieser Lurch beunruhigte ihn sehr . Wenn das der Mann mit den Paketen war , mußte oder konnte die junge