ursprünglich keineswegs bloß die Ernennung eines eventuellen Thronerben , sondern die unmittelbare Abdankung des Kaisers und seine Ersetzung durch den Sohn des Prinzen Tuan beabsichtigt gewesen sei . In der geheimen Ratssitzung , wo diese Frage erwogen worden , hätte Tzü Hsi erklärt , » es gäbe Präzedenzfälle für solches Verfahren « , und sogar der Titel , den der abgesetzte Kwang Hsü später führen werde , sei festgesetzt worden . Die Mandschus wären übereingekommen , daß er , mit Anspielung auf seine reformatorischen Anwandlungen , Hunte-kung - Herzog der irregeleiteten Tugend - heißen solle . - Erst die versteckte Drohung Liu ku nyis , » er stände für nichts , was im Süden geschehen würde , falls der Herr der zehntausend Jahre widerrechtlich abgesetzt würde « , hatte Tzü Hsi veranlaßt , den für den Thronwechsel zuerst bestimmten Termin des kommenden Neujahrsfestes einstweilen unbestimmt zu verschieben . - So war dem Regiment des schattenhaften Herrschers die Frist noch einmal verlängert worden , und das nahende Jahr würde nicht , wie Tzü Hsi gewollt , den Namen eines neuen Kaisers tragen , sondern als sechsundzwanzigstes der Aera Kwang Hsü auf die Geschichte übergehen . Aber es hieß , nur schwer und grollenden Herzens ertrüge Tzü Hsi diese Vereitlung der unmittelbaren Ausführung ihrer Absicht . Die sie kannten , erzählten flüsternd , ihre Wut gegen den Kaiser , der es einst gewagt , gegen ihre Autorität vernichtungwollende Pläne zu schmieden , sei mit den sinkenden Monden nicht schwächer , sondern nur immer heftiger geworden ; sein beabsichtigtes Vergehen erschiene ihr noch immer nicht genügend gesühnt ; das Gefühl angetasteter Majestät , die Furcht , daß ihm vielleicht doch noch einmal Anhänger erstehen könnten , ließen ihr keine Ruhe . - Wenn Tschun solche Worte vernahm , malte er sich aus , wie sehr diese furchtbare Hasserin wünschen mußte , daß der Kaiser verschwände und mit ihm auch alles , was ihn beeinflußt hatte und was sie sich selbst feindlich fühlte : alles Fortschrittliche , alles Fremde . - Und zu solchem Vorhaben würde ihr sicherlich jede Waffe , jedes Mittel willkommen sein . Bisher aber hatte es eben gerade an Waffen gefehlt , und Tzü Hsi hatte sich in ungeduldig ertragenes Abwarten fügen müssen . Doch nun endlich schien der langersehnte Augenblick gekommen . Scharen nahten , die der Kaiserin Kräfte anboten , mit denen sich jeder Kampf aufnehmen ließ ! - Wenn sie sich nur als echt erwiesen ? - Einstweilen , so hatte Li lien ying bedauernd geäußert , zauderte die göttliche Mutter ja noch . Aberglauben und Mißtrauen mochten in ihr , wie in jedem chinesischen Gemüt , um die Herrschaft kämpfen . - Aber Prinz Tuan hatte ja so bestimmt gesprochen . Unüberwindlich , ja sogar unverwundbar sollten diese freiwilligen Kämpfer sein ! Und wahrlich lockend erschien der Gedanke , sogar übernatürliche Kräfte in den Dienst eigener Rache zu stellen . An der Grenze Petschilis standen sie jetzt schon , diese geheimnisvollen Großmessermänner . - Nun , man würde ja sehen , was sie vermochten , prüfen , ob man sich ihnen anvertrauen dürfe . So nahte das neue Jahr . Es wurde aber von allen erfahrenen Leuten vorausgesagt , daß es ein ganz schlimmes werden würde . Und es konnte ja auch gar nicht anders sein , denn sein achter Monat würde ein eingeschobener Schaltmonat sein , und das ist bei Jahren , die wie dieses das zyklische Zeichen » Keng « führen , seit altersher von unheilvollster Vorbedeutung gewesen ! Als Tschun am Morgen des ersten Tages dieses im voraus so übel beleumundeten Jahres seine besten Kleider angelegt hatte , begab er sich zuerst mit allen anderen Boys zum Ta-jen und der Taitai , um vor ihnen mit gebeugtem Knie den Ta ke u-Gruß zu machen . Dabei empfing er , wie all die übrigen , den Betrag eines Monatsgehalts , der das in Peking althergebrachte Neujahrsgeschenk der Herrschaft bildet . Es war Tschun höchst willkommen , denn er selbst hatte viel Geschenke zu machen . Sein erster Besuch galt der Mutter , vor der er sich ehrfurchtsvoll niederwarf . Sie war in den letzten Jahren recht alt und kränklich geworden , aber sie hatte sich längst mit Tschuns Stellung bei den Fremden ausgesöhnt , denn sein regelmäßiger Verdienst war ihr sehr willkommen . Von da ging Tschun weiter zu den verschiedenen älteren Verwandten . In all den Häusern sah es festlich aus . Blitzblank waren die Stuben . Bei den heidnischen Familien der Verwandtschaft hatte man nachts zuvor die alten rußig gewordenen Bilder der häuslichen Schutzgötter unter allerhand Ehrfurchtsbezeigungen im Herdfeuer verbrannt und dazu gebetet , daß sie trotz aller etwa wahrgenommenen Mängel und Vergehen im Jenseits günstigen Bericht über das Haus erstatten und den Himmelsgroßvater , Thiau lao ye , veranlassen möchten , für das kommende Jahr wieder recht wirksame Schutzgötter zu senden . Da aber die Reise ins Jenseits weit ist , waren für die abziehenden Schutzgötter und ihre Pferde Proviant sowie Wasser und Heu im Hof vorsorglich aufgestellt worden . Dann hatte man die neuen Götzenbilder feierlich aufgehängt und auch an die Haustür eine Abbildung der Götterkatze geklebt , welches sagenhafte Untier imstande sein soll , alle schädlichen Geister und bösen Einflüsse zu bannen . Also behütet , konnte man allenfalls dem noch im Dunkel des Unbekannten liegenden Unheilsjahr entgegengehen , im Bewußtsein , sein Teil an Vorkehrungen mit Weisheit getroffen zu haben . In den Zimmern standen Bretter umher , mit je vier verschiedenen Geschenken , wie es sich für eine anständige Festgabe ziemt . Die großen roten Visitenkarten der Spender , mit einer Liste der gesandten Dinge , lagen darauf . Auch Tschun hatte seine Angebinde geschickt : ein paar Lichter , Schweinefleisch , eine Schale Lotoskerne und ein Paket Nudeln , deren Länge eine Anspielung auf die Länge des Lebens bedeutete , die er den Empfängern wünschte . Beim alten Großonkel Lin te i fand er Kuang yin sowie die meisten Verwandten versammelt . Auch sein einstmaliger Lehrmeister