Da kreischten viele Leute : » Die Pfändleut kommen ! « Alles drängte lärmend gegen die Straße hin , und Runotter erhob sich von dem Baumstock , auf dem er gesessen . » Malimmes ! Geh in des Seppi Ruechsam Haus hinein ! Ich mag nit haben , daß es zwischen dir und den Hofleuten spöttische Reden gibt . « Der Soldmann nickte , als begriffe er die Vernunft dieses Befehles . Er haschte das blonde Mädel und wischte mit ihrer Schürze das Eigelb von der Klinge weg . Lachend den Bidenhänder schulternd , ging er zum Haus des Albmeisters . Auf der Straße sah man zuerst nichts andres als eine dicke Staubwolke . Sie rückte näher wie ein graues , kopfloses Ungetüm , das keine Füße , nur wehende Hügel hatte und dennoch plump auf der Erde kroch . Der Lärm der Leute verstummte . In diesem erwartungsvollen Schweigen hörte man beim Rauschen der Ache aus weiter Ferne wieder ein murrendes Echo des Herrenspiels mit der Annasusanne . Ein paar hundert Schritte vor dem Menschenriegel , der die Straße sperrte , blieb der Trupp der Pfändleute stehen . Die Staubwolke verdampfte , und langsam entschleierte sich in der Sonne des schönen Tages eine farbig ausschauende Sache : die Troßbuben , der buntgefleckte Schwarm der gepfändeten Kühe mit nickenden Köpfen und pendelnden Schweifen , zur Linken ein Spießknecht , einer zur Rechten , hinter dem Trupp ein Reiter , und voraus , auf hochbeinigem Gaul , der lange Marimpfel als vorsichtig spähender Führer . Er wandte sich im Sattel und redete zu seinen Leuten . Im Menschenriegel , der die Straße sperrte , sagte der magere Fischbauer : » Jetzt hat er dem Melkvieh höfisch eingeredet , daß viel nit fehlen tät und die Kuh wär ein Ochs . « Mareiner , der sich in der Gnotschaft wichtig machen wollte , schrie über alle Köpfe weg : » Der Hauptmann ist mein Bruder Marimpfel . Da brauchet ihr nit Angst haben . Mit ihm red ich , und alles ist in Ordnung . « Dieser hilfreiche Vorschlag wurde wenig gewürdigt . Eine Männerstimme rief : » Da reißt ein Schupfgütler das Maul auf ! Für die Gnotschaft redet , wer spruchbar ist , sonst keiner . « Eine dünne Stimme quiekste : » Auch nit der Mareiner ! « Das Verslein erheiterte die Leute . Doch als Runotter den weißen Richtmannsstab erhob , wurden alle still . Der Trupp der Pfändleute kam heran . Ein alter Bauer und zwei Bäuerinnen , die ihre Kühe erkannten , wollten gleich mit Locken und Jammern auf die brüllenden Tiere zu . Doch die Fußknechte streckten die langen Spieße vor : » Ist Herrengut ! « Marimpfel parierte den Gaul . Und da wollte Mareiner reden . Aber der Hofmann zog den Fuß aus dem Bügel , schob den Bauer vom Gaul weg und wandte sich an den Richtmann : » Was rotten sich da auf der Straß die Leut zusammen ? « » Die Leut sind friedsam . « » So ? « » Und ich steh für die Gnotschaft da - « » Wer bist du denn ? « Ein Geschrei über die ganze Breite der Straße . Runotter blieb ruhig . » Spießknecht ? Ob du mich kennen magst oder nit , ist eins . Aber kennst du den weißen Stab nit ? « » Red du so mit deinen Knechten ! Ich bin ein Hofmann . « Aus dem Schwärm der Leute klang ein Lachen , das Marimpfel nicht gerne zu hören schien . Er wurde grob . » Kerl ! Siehst nit , daß mein Gaul scheuet ? Tu deinen Stecken weg ! « Er stieß mit dem Fuß , und des Richtmanns weißer Stab bekam einen grauen Streif . Die hundert Ramsauer begannen in Zorn zu schreien , und eine Stimme schrillte aus dem Häuf : » Wer den weißen Stab schändet , ist ein Lumpenkerl ! « » Leut ! « rief Runotter . » Haltet Ruh ! « Auch ihm hatte der Zorn die Stirne rot gemacht . Doch während er den Zaum des Gaules faßte , sagte er ruhig : » Hofmann ! Du hast den weißen Stab verunehrt , den mir der Fürst gegeben . Ich muß Klag führen gegen dich beim Fürsten und muß dich schuldig sagen . « Hundert Stimmen schrien das Schuldig ! nach . » Das wird kommen . Jetzt ein ander Ding - « » Weg frei für meines Herren Recht ! « befahl Marimpfel und kitzelte den Gaul , um ihn scheuen zu machen . Mit eiserner Faust hielt Runotter das bockende Pferd am Zügel . » Deines Herrn Recht ist heut ein Irrtum . « » Willst du schimpfen auf meinen Herrn ? « Marimpfel machte einen Griff , wie um das Eisen zu fassen . » Das tu ich nit . Ich ehr den Fürsten . Aber tu unser Vieh vom Strick ! Die Pfändung ist geschehen wider Recht und Brief . Albmeister Ruechsam ! Weis den Weidbrief auf , der geschrieben und gewächsnet ist ! « » Was denn sonst ? « Seppi Ruechsam trat heran , hielt das kostbare Pergament mit beiden Händen fest und wollte seine Rede aufsagen . Er begann : » Das tat der Seppi Ruechsam nit - « Marimpfel ließ den Gaul steigen und schrie in Zorn : » Was Schrift und Wachs ! Das geht mich den Teufel an . Mir ist Recht , was mein Herr geboten . Weg frei ! « » Das tät er nit « , redete der Seppi Ruechsam , » aber die Gnotschaft will : Der Seppi Ruechsam muß den Weidbrief weisen . Da ist der Brief ! Ist gutes und festes Recht . Ist geschrieben und gewächsnet . Was denn sonst ? « » Brief ? Recht ? « Marimpfel faßte mit einem groben Griff seiner Faust das Pergament . Gleich bröselte das geweihte Wachs davon . » Das ist ein Wisch