jedes zu fordern seinen Lohn und noch ein etlichs hundert Gulden aufgehebtes Geld ! Hatten ' s alle angelegt gehabt im Weidhof , da doch keiner hätt mehr zu kriegen gehabt , denn seine zwanzig bis dreißig Gulden Jahrgeld und sein härwenes Hemd dazu ! O , der Schmach und Schand ! Da kam der reiche Lackenschuster und verlangte Buß für die fünfhundert Gulden Heiratsgut seiner Ehefrau , der Kathrein ! Verlangte Buß für die fünfhundert Gulden vom Verkauf des Waldhauses ! Forderte hundert Gulden Buß für das verbrunnene Sach seiner ehelichen Hausfrau ! Ach , indes ich dabeigestanden war , drei Tag vor seiner Heirat , da ihm mein Vater , der Weidhofer , die blanken Gulden auf den Tisch gezählt und alles Glück gewunschen hatte ! Wohl hätt ich können mein Maul auftun und solches offenbaren ; allein , wer wollt denn auf einen Spatzen hören ! Pfeifen ihrer viel von den Dächern und merkt niemand drauf ! Schwieg also still und wartete , bis alle ihre Wünsch und Gerechtsamen dem Aktenlippel in die Feder diktiert ; alsdann trat auch ich vor und bat um meinen Jahrlohn : sieben Gulden und dreißig Kreuzer als Viehbub . Fuhr mich aber der Lippel rauh an und sagte , solch lumpiger paar Gräten wegen kunnt er nicht noch einen neuen Bogen schöns Papier verschmieren ; sollt warten , was überblieb , das könnt ich alsdann unangefochten mein eigen nennen . Also ward alles aufgeschrieben , der Grund und Besitz zerteilt und jedem sein Sach gegeben nach Maß der Forderung . Da erhielt der einen Acker , der ander zwee Wiesen ; der dritt den Hausgrund samt dem Anger und der viert ein Kleefeld . Der Lackenschuster aber nahm das Waldhaus , die Alm und die vier Rösser . Ein jeder bekam sein Sach , weil alles wohl aufgeschrieben war ; da aber die Reih an mich kommen sollt , war nichts mehr , das sie mir hätten geben können , wie denn auch die andern Kostbuben ein jeder nur eine oder zwei Hennen erhielten als Lohnung und Erb . Nach solcher Teilung ward wieder mit der Glocke geläutet : Gute Leut sollten sich melden , die einen von uns Waislbuben um Gottswillen aufnehmen wollten . Aber da war niemand , der sich erboten hätte , und so sollten wir , altem Herkommen gemäß , am Tag darauf als Gemeindelümmel versteigert werden . In der Gemeindestuben wurde noch ein jeder ausstaffiert mit einem rupfernen Hemd , ein Paar Holzschuhen und einem Tüchlein , darein diese Hab gebunden war . Nach diesem sollten wir uns auf dem Marktplatz einfinden , um öffentlich ausgeboten zu werden . Da waren unser aber bloß noch zwei ; - die andern hatten sich fein bedankt für die Gab und waren darnach eilends aus Sonnenreuth entwichen , darüber bei den Bauern ein großes Gelächter , beim Aktenlippel aber wilder Zorn ausbrach . Wurde also erst der Fritz ausgeboten : » Ein großs , handlichs Bürschl ist zu verdingen um den Jahrlohn von fünf Gulden und einem Hemd ! « Niemand wollte bieten . » Um vier Gulden und ein Hemd ! « schrie der Lippel wieder ; » wer bietet vier Gulden ? « Keiner bot , und dem Fritz liefs blutrot über die Wangen , während ich bei mir dachte : » Lieber Himmel ! Wenn sie schon für den baumlangen Burschen nicht vier Gulden wollen bieten - was wird dann wohl mit mir armseligem Häuflein Elend geschehen ! « Da schrie der Lippel voll Gift und Gall : » Geh , schaamts enk do , Manna ! Habts denn gar koa Erbarmnis mit dem Bürschl ? Mag ' n denn wirkli koana ? « » Zum Hausanzünden ! « sagte da ein alter Bauer , schüttelte abwehrend beide Hände und ging weiter . Der Fritz aber hatte kaum das Wort vernommen , als er auch schon dem Lippel sein Päcklein vor die Füße warf und ohne ein Wort aus dem Kreis ging . Niemand hielt ihn auf , niemand sagte eine Silb des Schimpfs oder Unwillens , und auch der Gemeindeschreiber fand keine Red des Zorns . Mir aber schnürte es den Hals zu , als ich dieses sah und hörte ; wollt auch gern dem andern folgen , wenn mich nur meine Füß hätten tragen mögen . So aber war ich keiner Bewegung mächtig und mußt es also leiden , daß mich der Lippel um das Gebot von drei Gulden und einem rupfernen Hemd ausrief . Alle lachten , und etliche Bauern sagten : » Viel Geld für so ein hoalos Krischperl ! Is ja zu nix z ' brauchen als zum Fressen und Schlafen ! « » Um zwee Gulden fuchzg Kreuzer ! « schrie der Lippel dazwischen . » Is niemand da , der das Büabl nimmt ! - Kann Vieh hüten , s Kindsmensch machen , d ' Floign ertöten ... « Wieder lachte die Menge , während ich meine Seligkeit hätt hingeben mögen um ein Mausloch , mich drein zu verkriechen . Hätt mich willig vom Teufel holen lassen , wenn er mich nur in dem Augenblick hätt wegführen wollen . » Also , Manna , was is ' s ? « fragte der Schreiber noch einmal ; » mag ' n neamd um dös Geld ? « Da trat der Lackenschuster vor : » I nimm ' n auf d ' Alm um zwee Gulden dreißg Kreuzer . Gibst mir ' n um dös , nachher nimm i ' n glei mit . « Da gab mich der Lippel hin , nahm die dreißig Kreuzer als Drangeld in Verwahrung und schlug mit einem hölzernen Hammer auf sein Tischl : » Also nimmt ' n der Lackenschuster , was ihm Gott gsegnen mag ! « Wandte sich darnach an mich und fuhr mich an : » Daß d ' eahm dankbarli bist und koa Schand machst , deinem Bauern ! - Verstanden ! « Worauf mich der Lackenschuster an der Achsel