hatten . Da kam ein Schnelläufer den Deich entlang , bunt gekleidet wie ein Kasper von St. Pauli , mit Schellen behängt , eine Glocke in der Hand , und hinter ihm her liefen Hunderte von Kindern . Die gingen nicht so sittsam hinter ihm wie die Kinder von Hameln hinter dem Rattenfänger : die lärmten und lachten , schrien und sangen wie rechte Gören des lauten Finkenwärders , des Eilandes , das gewohnt ist , zwischen Stürmen zu fischen und in schwarzen Kleidern zu tanzen . » U - een Snilläuper ! « Vorbei braust die wilde Jagd : Störtebeker läuft barfuß neben dem Schnelläufer , er überholt ihn und springt geschickt vom Deich , als er einen mit der Peitsche haben soll , aber dann fällt ihm ein , daß er mit dem Kahn los muß , und er kehrt batz um . Und als der bunte Mann langsam zurück kam und von Tür zu Tür ging , um sich für sein schnelles Laufen bezahlt zu machen , da dümpelte der Junge schon bei Blankenese in der Dünung und riet die Ewer an . Jan Lanker aber gab dem Schnelläufer nichts , als der seine Hand ausstreckte , sondern fragte nur : » Wat is dor los ? « - » Ik bün de Snelleuper un heff snell loopen ! « » Wat geiht mi dat an ! Du harrst jo man sinnig loopen kunnt « , sagte Jan patzig und machte ihm die Tür vor der Nase zu . Da kamen Straßenmusikanten , pfälzisches oder böhmisches Volk , nicht zu vieren , wie in Hamburg , sondern zu zwölfen und zwanzigen , und spielten , daß der ganze Deich tanzte , da kam der Schornsteinfeger , und die Kinder sangen : Schosteenfeger sitt upt Dack ; goh no Schol un lihr di wat ! Da kamen kroatische Mausefallenkerle , Nudelkastenmänner erschienen , denen weiße Mäuse aus den Taschen krochen , Elias kam mit Hüten und Geesch mit Wolle , Jan Timm mit Kirschen und Betti-Betti mit wat Räukerts , da kam der Scherenschleifer und ließ die Funken springen , der Wollkämmer kam und schor die Schafe , die Bauern kamen mit Pferd und Wagen : es gab wirklich viel zu gucken und zu hören am garn- und fischbehängten Deich , aber Störtebekers Augen waren westwärts gerichtet . Er lag die meiste Zeit auf dem Wasser und ließ Torpedoboote und Ochsendampfer , Jalken und Kuffen , Viermaster und Barken , Lühjollen und Steinewer vorbeidampfen und -segeln . Jonn Meier kam auf , der glückliche Störfischer , weithin kenntlich an den beiden Booten , die auf Deck standen , an den roten Bojen , den Pümpeln , die an den Wanten hingen , und an dem großmaschigen Störgarn , - - er hatte neun große Störe gefangen , die er an Stroppen hinter sich her schleppte , wie Etzel die Könige an Stricken mitnahm , - aber seinen Vater konnte Störtebeker nicht in Sicht kriegen . Was gingen ihn die Störe an : sein Vater fischte keine Störe ! Was kümmerte es ihn , daß Jan Mewes seine alte Jolle abschlachtete und mit dem Boot weiterfischte , daß Hein Schloo zwei Fischottern bei der Neßkule schoß , daß Paul Fahje sich einen neuen Großmast einsetzen ließ , weil er den alten abgesegelt hatte , daß Hinnik Saß doch nach dem Bauern mußte , weil er zu seekrank geworden war , daß der kleine Karsten Kölln in den Graben fiel und ertrank , daß Hans Peter sich aufhängte , weil sein Sohn von einem Dampfer in Grund gebohrt war , daß Hein Husteen und Marieken Kröger lustige Hochzeit gaben ? Was kümmerte es ihn , der auf seinen Vater lauerte ? Wie auch die Mutter sich bemühte , ihn an den Deich und an das Land zu gewöhnen , - er sprach von der See und guckte nach den Schiffen , als wenn es weiter nichts auf der Welt gäbe . Dann kam der Tag , an dem Gesa ihrem Jungen beiläufig klagte , daß sie keinen Sand mehr hätte und den Schweinen kaum noch streuen könnte : wenn Vater doch bald käme , daß er ein Boot voll Sand vom Nienstedter Fall holen könnte . Störtebeker merkte sich das und beschloß , sie zu überraschen und ihr heimlich einen Kahn voll Sand zu holen . Er nahm sich den dritten Tag , als es mit der Tide besser paßte , den kleinen Harm Rolf zu Hilfe , versah sich mit zwei Schaufeln und schipperte mit halber Ebbe westwärts , nach den Ausläufern des Nienstedter Falles , die bei Niedrigwasser als Sandbänke aus dem Wasser tauchten . Sie sollte nicht sagen , daß er nur zu schlechten Dingen zu gebrauchen sei . Als sie die rechte Stelle gefunden hatten , klaren Sand ohne Schlick und Kraut , ließ er den Kahn aufs Trockne laufen , zog Stiefel und Strümpfe aus , krempelte die Hose auf und sprang ins Wasser . Sein kleiner Macker machte es ihm nach . Als der Fall hoch genug aus dem Wasser guckte , häuften sie den Sand zunächst neben dem Kahn zu einem Berg , damit die Feuchtigkeit abziehen konnte , dann erst schaufelten sie den trockeneren Sand in den Kahn : so mußte er ja bedeutend mehr tragen können , sagte sich Störtebeker , und warf immer mehr hinein , bis der Hümpel mit der Ducht gleich war . Aber auch dann gab er noch nicht nach : er wollte eine ordentliche Last ans Bollwerk bringen und schaufelte unermüdlich . » Schullt ok woll all genog wesen ? « fragte Harm , aber Störtebeker schüttelte den Kopf und spuckte von neuem in die Hände . » Noch lang ne , Harm , smiet man noch in , de Sand is dreug , un de Kohn is een fixen Kohn , de drigt wat , kann ik di flüstern . « Er mußte sich schon den Schweiß von der Stirn wischen , so riß er